Von der Filmrolle zur Künstlichen Intelligenz: Die Medienzentren werden 100 Jahre alt

Von Lichtbild und Filmrolle über Computer und Tablet bis zu Robotik und KI: Die Medienzentren werden 100 Jahre alt und begleiten seit einem Jahrhundert das Lernen mit und über Medien. Was 1925 mit der Vereinigung der Stadtbildstelle Stuttgart und der Landesbildstelle Württemberg begann, entwickelte sich zu einem starken Netzwerk für zeitgemäße Bildung: 2001 erfolgte die Fusion mit der Landesbildstelle Baden zum Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ). Das LMZ und die 38 Kreis- und Stadtmedienzentren stehen heute als Medienzentrenverbund (MZV) im Zentrum der digitalen Bildungslandschaft Baden-Württembergs.

„Seit 100 Jahren begleiten wir Schulen dabei, Bildungsprozesse mit Medien zu gestalten und zunehmend auch bei der Medienbildung selbst. Aktuell heißt das: Menschen für das Leben, Lernen und Arbeiten im digitalen Zeitalter stark zu machen,“ so Michael Zieher, Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. „Die Vermittlung von Medienkompetenz ist heute wichtiger denn je, um Kinder und Jugendliche im Umgang mit Fake News und neuen Technologien wie KI zu stärken. Unser großes Plus: Ein ganz Baden-Württemberg umspannendes Netz von Standorten, an denen wir Lehrkräfte, Lernende und Eltern direkt vor Ort unterstützen.“

Ein Highlight des Jubiläumsjahrs wird die Einweihung des LandesMedienMuseums (LMM) sein, das die Geschichte der Medien sowie der Medienzentren der letzten 100 Jahre beleuchtet. Anlässlich des Jubiläums wird auch das Corporate Design des Landesmedienzentrums in frischem Glanz erstrahlen.

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Von Beratung bis FSJ digital: Das bieten die Medienzentren

Das Landesmedienzentrum bildet gemeinsam mit 38 Stadt- und Kreismedienzentren im Land den Medienzentrenverbund. An den Medienzentren geben Expertinnen und Experten für medienpädagogische und technische Fragen ihr Know-how weiter, beraten vor Ort und bilden weiter. Ihre Expertise umfasst bspw. Medienbildung im aktuellen Bildungsplan, den Einsatz der Landeslösung paed.ML für Schulnetzwerke und die technische Ausstattung, die im digitalen Schulalltag benötigt wird.

Die Medienzentren verleihen außerdem vielfältige technische Geräte wie z.B. Tablets, Laptops, Videokameras, VR-Brillen und vieles mehr. In der SESAM-Mediathek stellen die Stadt- und Kreismedienzentren regional verfügbare Medien bereit. Das Gros des Angebots sind umfangreiche, landesweit verfügbare digitale Inhalte. Alle Materialien sind für Lehrkräfte in Baden-Württemberg kostenfrei, bildungsplanbezogen, fachlich begutachtet und werden kontinuierlich weiterentwickelt.

Aktuell bieten die Medienzentren in Baden-Württemberg vielfältige Impulse für die Bildungslandschaft – darunter Projekte wie die Makermobile und das FSJ digital sowie das Lernen mit Telepräsenzrobotern (Avataren). Diese Initiativen stoßen auf großes Interesse in Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen und zeigen beispielhaft, wie innovative Ansätze in der Praxis erprobt und weiterentwickelt werden können – regional unterschiedlich, aber stets bedarfsorientiert.

Von „Lichtbildern“ zu NS-Propaganda: Die Macht der Medien als historische Verantwortung

Die Wurzeln der Medienzentren reichen zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert, als die ersten „Lichtbilder“ Einzug ins Klassenzimmer hielten. Um Schulen mit Fotos, Filmen und Projektionsgeräten zu versorgen, entstanden Bildstellen mit Lichtbildsammlungen und Verleih. Als sich 1925 die Stadtbildstelle Stuttgart und die Landesbildstelle Württemberg zusammenschlossen, markierte dies die Geburtsstunde des heutigen Medienzentrenverbunds.

Welche Macht Medien entfalten können, zeigte sich zehn Jahre später im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Die folgenschwere Instrumentalisierung von Medien in der NS-Zeit machte deutlich, wie dringend es einer kritischen und reflektierten Medienbildung bedarf. Doch Medienbildung zielt nicht allein auf die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist ein langfristiger Bildungsprozess, der junge Menschen dazu befähigt, unsere Gesellschaft aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten. Dazu gehören neben dem kritischen Umgang mit Desinformation auch demokratische Werte, Gestaltungskompetenz und ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge.

Mit Projekten wie BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass nehmen wir unsere historische Verantwortung wahr und verbinden sie mit einem zukunftsgerichteten Bildungsauftrag, der Medienbildung als Teil einer ganzheitlichen Persönlichkeits- und Demokratiebildung versteht.

Von Bildstellen zu Medienzentren: Medienkompetenz rückt in den Fokus

In der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland widmeten sich die Bildstellen erneut dem Medienverleih sowie dem Ausbau der Bild- und Filmarchive. Ende der 1960er Jahre wurden sie mit der Beschaffung von Technik für Schulen – je ein Tonfilmgerät, Tonbandgerät, Diaprojektor und Rundfunkgerät für jede Schule – beauftragt. Mit dem Einzug von Computern in den 1980er Jahren wurde die Vermittlung von Medienkompetenz verstärkt Teil des Bildungsauftrags. Anfangs standen vor allem technische Fragen im Fokus, doch angesichts der digitalen Transformation rückten schnell auch gesellschaftliche und pädagogische Aspekte in den Vordergrund – etwa im Umgang mit neuen Medien, Informationsflut und veränderten Kommunikationsformen.

Im Jahr 2001 wurde das „Medienzentrengesetz“ verabschiedet: Aus den Bildstellen wurden Medienzentren. Das Landesmedienzentrum nahm als Nachfolgerin der Landesbildstellen Baden und Württemberg seine Arbeit auf. Das neugegründete LMZ begann gemeinsam mit den regionalen Medienzentren, Schulen und andere Bildungseinrichtungen beim Thema Digitalisierung zu unterstützen.

Die Landeslösung für Schulnetzwerke paed.ML und die Online-Mediathek SESAM wurden ins Leben gerufen: Bis heute bieten sie eine IT-Komplettlösung für Schulen sowie kostenfreie Medien und Materialien für den Unterricht. Beide Angebote werden fortlaufend aktualisiert, erweitert und im Sinne ihrer Zielgruppen weiterentwickelt.

Mit den Medienzentren in die Zukunft

In den letzten 100 Jahren hat sich die Medienlandschaft stetig gewandelt. Um Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digital geprägte Lebenswelt vorzubereiten, setzen das LMZ und die Medienzentren auf innovative Bildungsformate. Im Rahmen des Innovationsprogramms Digitale Schule werden durch das Kultusministerium daher Projekte wie Robotik in der Grundschule, Computational Thinking und das Makermobil gefördert. Diese Projekte stärken Kreativität, Problemlösekompetenz und ein grundlegendes Verständnis für digitale Technologien. Seit 2024 bringt außerdem das FSJ digital frischen Wind an die Medienzentren, in dem junge Erwachsene aktiv in Projekten der Medienbildung, Medienarbeit und des Jugendmedienschutzes mitwirken. Einen übergeordneten Impuls für den Wandel in der Bildung setzt dabei die Stabsstelle Zukunft des Lernens: Aus den gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen kreiert sie tragfähige Modelle, bspw. zukunftsorientierte Lernumgebungen, um Transformation anzustoßen – Lehrkräfte wie Schulen zu inspirieren und zu befähigen, Zukunft aktiv mitzugestalten.

Damals wie heute unterstützen das Landesmedienzentrum und die Medienzentren dabei, mit der Medienentwicklung Schritt zu halten: Wir stärken digitale Souveränität, schützen junge Menschen im Netz, unterstützen Lehrkräfte und gestalten Bildungsräume von morgen. Aus analogen Anfängen wurde ein digitales Kraftzentrum – und unsere Mission bleibt: #MissionMedienbildung.

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Flipbook: Geschichte der Medien(zentren) seit 1900

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Ausstellungskonzeption & Design: Neumann & Kamp Historische Projekte - BFGF Design Studios
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