Medienkindheit früher und heute – Stimmen aus den Medienzentren
Welche Rolle haben Medien in früheren Kindheiten gespielt? Welche Medienregeln gab es? Und wie wachsen Kinder heute mit Medien auf? Die Leiterinnen und Leiter der Medienzentren erinnern sich.
Wir für Medienbildung!
Seit einem Jahrhundert begleiten die Medienzentren das Lernen mit und über Medien. Gemeinsam mit den 38 Stadt- und Kreismedienzentren im Land bildet das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg heute den Medienzentrenverbund. An den Medienzentren geben Expertinnen und Experten für medienpädagogische und technische Fragen ihr Know-how weiter, beraten vor Ort und bilden weiter.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums erinnern sich unsere Kolleginnen und Kollegen an den Medienzentren, welche Rolle Medien in ihrer eigenen Kindheit gespielt haben. Lesen Sie außerdem ihre Einschätzungen, welche Herausforderungen das Aufwachsen mit Medien heute im Vergleich zu damals mit sich bringt.
Welche Medien hast du als Kind gerne und oft genutzt?

Franziska Hahn
Leiterin des Kreismedienzentrums Neckar-Odenwald-Kreis
Ich bin ein totales Film- und Fernsehkind. Ich komme noch aus einer Zeit, in der es Nachmittagsprogramm gab. Das wurde so betitelt, weil es vorher nichts gab.

Jochen Keil
Leiter des Kreismedienzentrums Esslingen
Ich habe klassisch mit Musikkassette und Schallplatte angefangen. Da mein Großvater Leiter einer Kreisbildstelle (nicht in Esslingen) war, durfte ich früh mit professionellen Kameras arbeiten – auch mit meinem Vater zusammen. Später habe ich dann die ersten Computer kennengelernt, auf denen man auch mal ein Spiel spielen durfte. Da ich eine große Leidenschaft für Musik hatte, habe ich auch schon früh Musikprogramme ausprobiert.

Ann-Kathrin Rothenbacher
Stv. Leiterin des Kreismedienzentrums Ulm / Alb-Donau-Kreis
Furby, Tamagotchi, Gameboy – den habe ich immer noch und mit dem spiele ich auch noch. Später kamen dann Nintendo und ein PC dazu, als das Internet aufkam.

Jan Nathan
Leiter des Kreismedienzentrums Biberach
Ganz klassisch habe ich angefangen mit dem Kassettenrekorder, mit den großen schönen Tasten. Benjamin Blümchen, Jan Tenner, was man so kennt. Ein besonderes Highlight war für mich mein allererster Walkman. Der war mein steter Begleiter. Als ich mich dann in Richtung Gaming-Szene entwickelt habe, war ich sehr stolz auf meinen ersten eigenen Rechner – ein 386er mit ganzen 16 Megahertz. Der war mein Ein und Alles.
An welche Medienregeln aus deiner Kindheit erinnerst du dich?

Michael Funk
Leiter des Kreismedienzentrums Freudenstadt
In meiner Kindheit gab es nicht viele Medienregeln, weil wir gar nicht so viele Medien hatten. Im Fernsehen liefen zum Beispiel nur drei Kanäle. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich aber an einen Satz, der hieß dann immer: „Das Abschalten nicht vergessen!” Das heißt, auch mal rausgehen, Freunde treffen, draußen spielen. Das ist so die Regel, die mir im Kopf geblieben ist.

Ulf Neumann
Leiter des Kreismedienzentrums Main-Tauber-Kreis
Da wir in meiner Kindheit sehr wenige Medien hatten, gab es auch keine Regeln. Außer nachts: Meine Mutter kam immer ins Zimmer herein und hat mir die Taschenlampe weggenommen, weil ich so viel gelesen habe.

Kai Benisch
Stv. Leiter des Kreismedienzentrums Main-Tauber-Kreis
Ich muss ganz ehrlich sagen, bei uns gab es gar keine Medienregeln. Wenn ich mal zwei oder drei Stunden am Computer gesessen bin und gespielt habe, war das auch nicht schlimm. Meistens hatte ich schon nach einer Stunde am Computer das Gefühl, irgendwie zu verblöden – und da wollte man einfach viel mehr draußen sein als heute.

Torsten Traub
Leiter des Kreismedienzentrums Karlsruhe (Land)
Die einzige Medienregel in meiner Kindheit war eigentlich die Frage: Wie lange darf der Fernseher laufen? Da bei uns nur ein Fernseher im Wohnzimmer stand, war es ein bisschen einfacher für meine Eltern, als es heute ist.
Wie hast du den Umgang mit Medien in deiner Kindheit empfunden – und wie ist es heute?

Christoph Abt
Leiter des Kreismedienzentrums Zollernalbkreis
Im Gegensatz zu früher reden wir heute in den digitalen Medien von „höher, schneller, weiter“. Die Mediennutzung und die Möglichkeiten, Zugriff auf Medien zu haben, sind immer größer geworden. Natürlich haben wir auch ein Problem mit der Reglementierung von Medien: Und zwar die Schwierigkeit einzuschätzen, ob Kinder wissen, was sie mit Medien machen können. Auch Erwachsene sollten wissen, wie sie Kinder auf den Umgang mit Medien vorbereiten können. Deshalb sind das LMZ und die Medienzentren vor Ort unglaublich wichtig, um Strukturhinweise zu geben, in welche Richtung es mit der Medienentwicklung gehen kann und sollte.

Thorsten Rees
Leiter des Kreismedienzentrums Konstanz
Ich habe den Medienkonsum in meiner Kindheit als sehr ungezwungen empfunden. Es war etwas Faszinierendes, Schönes, aber nicht so stark prägend in meinem Alltag, dass es einer Regelung bedurfte. In den heutigen Kindheiten ist es tatsächlich anders, weil die mediale Welt von Kindern und Jugendlichen sehr stark von Medienkonsum geprägt ist. Das fängt schon damit an, dass Kinder das Smartphone von der Mutter oder dem Vater in die Hand bekommen, um für eine gewisse Zeit „ruhiggestellt“ zu werden. Der Medienkonsum ist einfach hoch.

Celine Eckl
Stv. Leiterin des Kreismedienzentrums Rems-Murr-Kreis, Standort Waiblingen
Früher war der Medienumgang lockerer, denke ich. Einerseits waren Medien noch nicht so ein allgegenwärtiges Thema und andererseits waren die Erwachsenen noch nicht so sensibilisiert dafür, welche Gefahren Medien mit sich bringen können. Deswegen herrschte bei mir zuhause ein eher lockerer Umgang damit und man hat sich einfach ausprobiert – Medien vielleicht teilweise zu viel genutzt. Heutzutage wird auf jeden Fall mehr über Medien reflektiert und diskutiert.

Linh Thai
Leiter des Stadtmedienzentrums Mannheim
Ich glaube, es gab sehr wenige Medienregeln. Wir waren sowieso sehr viel draußen und das war noch nicht so notwendig bei uns. Die Mediennutzung von heute ist schon etwas anderes: Das Verführerische ist, dass am Smartphone alles möglich ist. TikTok, Instagram oder Handyspiele verführen dazu, immer länger am Handy zu bleiben. Dadurch fällt es Kindern schwer, Abstand vom Smartphone zu nehmen. Ich denke, das kann man nur durch Angebote kompensieren, bei denen man das Handy ablegen muss – zum Beispiel im Verein.
Fotos: Marlene Feller/LMZ
Referat Kommunikation & Marketing
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