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Hatespeech mit Gegenrede begegnen

Von Hass Betroffene können selbst bereits einiges tun, um sich zu schützen. Da Hater gerne abschweifen und ständig das Thema wechseln („Whataboutism“), sollten Betroffene darauf hinweisen, dass sie gerne den einen Inhaltsbereich zu Ende diskutieren und der ständige Themenwechsel nicht hilfreich ist. Außerdem ist es nützlich an gute Umgangsformen zu erinnern: „Ich diskutiere gerne mit Dir, wenn du dich an die Regeln hältst.“ Das sogenannte Debunking (englisch für Entlarven) bietet sich an, wenn Falschmeldungen im Raum stehen. Bei dieser Entlarvung von Lügen wird mit Faktenwissen dagegengehalten. Das Framing (englisch für Einrahmen) ist eine weitere Methode zur Verteidigung: die Botschaft wird dabei bei gleichem Inhalt in einen besseren Rahmen verpackt und der Empfänger der Botschaft fühlt sich weniger angegriffen. Ein Beispiel für Framing: Ein gesundes Leben ohne Zigaretten wird beschrieben, entgegen der Beschreibung negativer Folgen des Rauchens. Außerdem hilft es, in Diskussionen gewisse Fallstricke zu umgehen. Täter fühlen sich in ihrem Weltbild sehr schnell bedroht, sodass ein weniger bedrohlicher Rahmen (Framing s.o.) für die Gegenrede zielführend ist. Um selbst nicht in einer Filterblase zu verharren, hilft es auch mal gegensätzliche Meinungen abzurufen, verschiedene Quellen zu nutzen oder Suchmaschinen häufiger zu wechseln, z.B. Metager statt Google. In Diskussionen, die aus dem Ruder laufen, sollten die schweigenden Dritte direkt angesprochen werden. Der Hinweis auf das Fehlverhalten übergriffiger Täter/-innen, kann die Solidarität untereinander wecken. Mit dem Kampagnen-Hashtag „#ichbinhier“ können Unterstützer herbeigerufen werden. Und bei dauerhaft nicht-zielführenden Diskussionen und besonders bei Trollen ist der Abbruch des Gesprächs eine hilfreiche Option.

Junge zeigt eine Tafel mit dem Wort Tweet

GettyImages/knape

Formulierung einer Gegenrede

Die Gegenrede ist ein wichtiges Instrument, um im Falle einer verbalen Attacke adäquat zu reagieren. Wichtig ist, nicht auf das gleiche Niveau des Gegenübers einzusteigen und immer wieder zu betonen, dass man an einer unaufgeregten und nüchternen Debatte interessiert ist. Ingrid Brodnig schreibt dazu in ihrem Buch: „Am einfachsten wäre es, auf Hass im Netz einfach mit noch mehr Hass zu reagieren.“ Dann würde aber das Klima nachhaltig vergiftet, so führt Brodnig weiter aus. Debatten werden zunehmen erschwert und es führt zu noch mehr Enthemmung im Netz. Nicht immer ist das Gegenüber zu einer sachlichen Debatte bereit, doch überrascht es die Täter womöglich, wenn trotz anhaltender Ruppigkeit mit Respekt geantwortet wird. Dann kann helfen, an die Wichtigkeit freundlicher Umgangsformen zu erinnern. Ein Beispiel formuliert Brodnig: „Ich antworte gern Ihren Bedenken, wenn Sie Ihre Nachricht nochmal schicken können, ohne dabei ausfällig zu werden.“ Wichtig bei der Gegenrede: Das menschliche Gehirn neigt dazu, negative Formulierungen als positiv wahrzunehmen, da die Verneinungsform in der Wahrnehmung übersehen wird. Deswegen sollten beim Argumentieren die Fakten stets in der bejahenden Form genannt werden, also nicht „Deutschland ist keine Diktatur“ sondern „Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Zahlreiche sehr gute Formulierung hat die No-Hatespeech-Bewegung in ihrem Helpdesk zusammen getragen: vom Kontra mit Fakten, mit Gefühl und mit Stil bis zu „kein Kontra“.
Tipps für die Gegenrede zusammengefasst:

  • Diskussionsregeln einfordern,
  • Argumentationsstrategien wie Verständnisfragen nutzen,
  • alternative Erzählung, positive Geschichten,
  • Humor kann ausufernde Diskussionen beruhigen,
  • deutliche Benennung von Hatespeech,
  • direkte Täteransprache z.B. Beschämen,
  • auf Lücken und Fehler in der Argumentation hinweisen,
  • nach Beispielen und Fakten fragen,
  • Quellen prüfen, alternative Quellen liefern,
  • Themenhopping unterbinden: Diskussion auf ein Thema festlegen.

Quellen

[1] Ingrid Brodnig:

Hass im Netz – Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Wien 2016. S. 184. zurück nach oben

[2] Ingrid Brodnig:

Hass im Netz – Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Wien 2016. S. 190. zurück nach oben

Anja Franz

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