Potenziale von Game-based Learning

Die Fokussierung unseres Bildungssystems auf die inhaltliche Bewertung von Lernergebnissen hat an vielen Schulen zur Wahrnehmung geführt, dass nur der Output zählt – nicht der Prozess des Lernens. So lernen Kinder und Jugendliche im Grunde oft nicht aus Begeisterung, sondern weil sie eine gute Note erhalten möchten. Das ist eine rationale Reaktion auf extrinsische, also von außen kommende Motivation, etwa in Form von Tests. Da der Spaß dabei meist zu kurz kommt, sind die tatsächlichen Lernerfolge oft nur mäßig.

Computerspiel am Tablet

"Game-based Learning soll motivieren und handlungsorientiertes Lernen fördern", sagt Stephanie Wössner, GBL-Expertin am LMZ. | Foto: Fabian Karg

Was macht ein gutes Spiel aus?

Um den Spaß am Lernen zu fördern, kann der Lernprozess durch die Integration von Spielen neu designt werden. Spieleforscher/-innen wie Jane McGonigal haben vier Grundeigenschaften identifiziert, die ein gutes Spiel ausmachen:

  • Klare Ziele, Meilensteine und Herausforderungen
  • Klare Regeln und Transparenz
  • Ein effektives Feedback-System
  • Freiwillige Teilnahme und Entscheidungsfreiheit

Dank dieser Merkmale können Spiele einen positiven Kreislauf auslösen: Im Spiel entwickeln die Lernenden aus sich selbst heraus eine Motivation, die sie zum Handeln führt. Der Erfolg dieses Handelns löst emotionale Reaktionen wie Freude und Begeisterung aus – was die Spielenden wiederum motiviert, das Spiel fortzuführen und weiter an der Lösung von Herausforderungen zu arbeiten.

Das Hook-Modell

Dieser Kreislauf lässt sich mit dem sogenannten Hook-Modell von Nir Eyal veranschaulichen. Ursprünglich im Kontext der Kundenbindung im Marketing entwickelt, lässt es sich direkt auf den Bildungsbereich übertragen.
 
Im Kontext des Spielens kann die Belohnung vielfältig sein: soziale Anerkennung, die Freude am eigenen Erfolg oder das Erreichen eines neuen Levels und das Gefühl, kompetenter zu werden.

Grafik vom Hook-Modell für Fortnite

„Das Hook-Modell für Fortnite“ by Fabian Karg CC BY-SA-NC 4.0 | Icons: Noun Project

Gamification vs. Game-based Learning im Kontext des Hook-Modells

Hier zeigen sich die Unterschiede zwischen Gamification und Game-based Learning. Bei Gamification in der Bildung werden häufig extrinsische Motivationsfaktoren wie Punkte, Abzeichen oder Ranglisten eingesetzt, um kurzfristige Motivation zu erzeugen. Diese Mechanismen haben oft nur geringe Verbindungen zu fachlichen oder überfachlichen Kompetenzen.

Im Gegensatz dazu fördert Game-based Learning die intrinsische Motivation. Während des Spiels – also des aktiven Problemlösens – wächst stetig die Freude an der eigenen Leistung. In einem guten Game-based-Learning-Szenario sind die Belohnungen eng mit fachlichen und überfachlichen Kompetenzen verknüpft, wie zum Beispiel kritischem Denken, Problemlösung oder Teamarbeit. Dies bietet eine große Chance, das Lernen nachhaltig zu verbessern.

Bedeutung der Story

Eine entscheidende Rolle spiel die narrative Einbettung – einer der Hauptgründe, warum sich Lernende oft auf solche Lernabenteuer einlassen. Menschen neigen dazu, den einfachsten Weg zu wählen, es sei denn, es gibt einen guten Grund, dies nicht zu tun. Eine fesselnde Geschichte kann diesen Grund bieten. Ein ideales Setting für nachhaltiges Lernen benötigt also eine gute Erzählung, die den Lernenden Gründe gibt, Wissen und Kompetenzen aus verschiedenen Disziplinen zu nutzen oder im Sinne des Micro-Learning – dem Lernen in kleinen, leicht verdaulichen Einheiten – Kompetenzen zur Problemlösung zu entwickeln.

Stephanie Wössner

Diese Seite teilen: