Spiele und Lernen: Ein Exkurs in die Biologie
Hier finden Sie Informationen zum biologischen Zusammenhang von Spielen und Motivation.
Der Mensch, das Spiel und der Bildungsplan
Das Phänomen des Spielens ist seit jeher untrennbar mit der Menschheit und dem Menschsein verbunden. Spielen gilt deshalb als kulturbildender Faktor: Indem wir spielen, lenken wir uns nicht etwa von den „wichtigen“ Dingen des Lebens ab, sondern kehren zu unserer Natur zurück.
Beim Spielen können wir experimentieren, ohne Konsequenzen in der physischen Welt fürchten zu müssen. Dadurch verlassen wir vertraute Denkweisen und werden kreativer, um Probleme zu lösen und im Spiel voranzukommen. Viele spielerisch erlernte Fähigkeiten können wir zudem auf das reale Leben übertragen. Die Game-Designerin Jane McGonigal betont ebenfalls, wie positiv sich das Spielen auf Individuum und Gesellschaft auswirkt. Sie zeigt auf, dass Spiele nicht nur Unterhaltung sind, sondern auch zur persönlichen Entwicklung und gesellschaftlichen Verbesserung beitragen können.
Der Aspekt des Problemlösens findet sich auch im Bildungsplan wieder – etwa in der Informatik (Bildungsplan Aufbaukurs Informatik: Zentrale Konzepte der Informatik/Problemlösen) sowie in seinem Grundgedanken, mündige Bürgerinnen und Bürger hervorzubringen, die unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten können.
Motivation und Lernen
Zum Problemlösen benötigt es Motivation. Gemäß der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan ist Motivation grundlegend wichtig für Menschen. Hinter der Motivation stehen drei grundlegende psychologische Bedürfnisse:
- Kompetenz,
- Autonomie bzw. Handlungsfreiheit und
- soziale Eingebundenheit.
All diese Bedürfnisse werden von guten Spielen gestillt.
Laut Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi beruht die Motivation, mit der man eine Aufgabe erledigt, außerdem auf dem sogenannten „Flow“-Erlebnis.
Befinden wir uns im Flow, also in einem Zustand vollständiger Konzentration auf unser Handeln, vergessen wir Raum und Zeit; alles andere wird nebensächlich. Dieser Flow-Zustand ist mit einer erhöhten Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin verbunden, was Motivation und Konzentration fördert und somit das Lernen erleichtert. Wir lernen dann erfolgreich, wenn uns ein Problem fordert, wir daran scheitern und uns erneut daran machen, es zu lösen. Das Konzept des Learning by Gaming basiert unter anderem auf diesen Erkenntnissen.
Die Bedeutung von Freude im Lernprozess
Bildung in diesem Sinne kann nur mit Freude funktionieren. Freude entsteht, wenn wir eine Herausforderung gemeistert haben.
In Erwartung einer Belohnung schüttet unser Gehirn das Hormon Dopamin aus, das uns Glück und Zufriedenheit empfinden lässt. Interessanterweise wird Dopamin nicht primär nach der Bewältigung einer Herausforderung ausgeschüttet, sondern bereits bei der Antizipation einer Belohnung. Dies steigert die Motivation, eine Aufgabe anzugehen. Um also noch mehr Freude zu empfinden, suchen wir uns größere Herausforderungen – eine Aufwärtsspirale handlungsorientierten Lernens beginnt.
Stephanie Wössner
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