LMZ Bildungssnack – Wie beeinflusst Social Media die politische Haltung?
Wahlkampf und Meinungsbildung auf TikTok, Instagram und Co.: Wie wird die politische Haltung Jugendlicher durch Social Media geprägt und wie können wir den Risiken begegnen?
Soziale Netzwerke als Orte politischer Meinungsbildung
Beiträge, die negative Emotionen hervorrufen, werden laut Studien auf Social Media fast doppelt so oft geteilt wie positive Inhalte. Kein Wunder also, dass die sozialen Medien regelrecht davon überflutet sind.
Besonders relevant ist das vor dem Hintergrund, dass immer mehr Jugendliche Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube als Informationsquellen für politische Inhalte nutzen. Im Vergleich zu vielen klassischen Nachrichtenportalen gibt es in den sozialen Medien keine sogenannten Paywalls – die Inhalte sind jederzeit frei zugänglich.
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Quellen politischer Inhalte in den sozialen Medien unterscheiden:
- Zum einen gibt es Influencerinnen und Influencer, deren Geschäftsmodell darin besteht, politische Themen in leicht verständlichen Formaten aufzubereiten. Die Inhalte sind dabei häufig auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten.
- Zum anderen nutzen politische Akteurinnen und Akteure selbst solche Plattformen, um ihre politische Botschaft zu verbreiten. Das sind beispielsweise Parteien, deren Mitglieder sowie ihre Sympathisantinnen und Sympathisanten.
Auch wenn sich ihre Interessen unterscheiden, zielen beide Gruppen darauf ab, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Warum funktionieren gerade extreme Inhalte so gut auf Social Media? Die Antwort liegt in der nach Mario et al. sogenannten „Polarisierungsschleife". | Foto: Andrei Stoica x IYIKON / Canva
Darstellung der Polarisierungsschleife (Marino et al., 2024) | LMZ nach Grafik von Götzinger, Koch & Schultz-Pernice, 2025
Warum extreme Inhalte funktionieren
Die Mechanismen hinter sozialen Netzwerken
Nutzende werden häufig durch Beiträge geködert, die gezielt Empörung oder Wut auslösen – sogenanntes Rage Bait. Solche Inhalte sind meist stark überspitzt oder provokativ und sollen möglichst viele Reaktionen hervorrufen. Denn viele Kommentare, Likes und Shares führen dazu, dass Beiträge häufiger vom Algorithmus angezeigt werden.
Dadurch entsteht eine sich selbst verstärkende Dynamik: Emotionale Inhalte erzeugen Engagement, erlangen so mehr Reichweite und werden in zunehmend überspitzter Form weiterverbreitet. Gleichzeitig zeigt der Algorithmus Nutzerinnen und Nutzern bevorzugt Inhalte, die zu ihren Ansichten passen. So können sich Echokammern bilden, in denen man überwiegend in der eigenen Meinung bestärkt und kaum noch mit anderen Perspektiven konfrontiert wird.
Durch diese Wirkungsweisen sozialer Medien erhalten vor allem polarisierende Inhalte besonders viel Aufmerksamkeit. So kann eine Polarisierungsschleife entstehen, aus der ein Ausbrechen mit jeder Wiederholung der Schleife schwieriger wird. Die nebenstehende Grafik veranschaulicht den Ablauf einer solchen Polarisierungsschleife.
Den Begriff Polarisierungsschleife als solchen prägte eine Fachpublikation von Marino et al. aus dem Jahr 2024, die Dozierende der LMU München in ihrem wissenschaftlichen Artikel „Zwischen Likes und Leitbildern” aufgriffen. Darin beschreiben sie ausführlich die Mechanismen der sozialen Netzwerke und geben auf Grundlage der Studienlage medienpädagogische Handlungsempfehlungen.
Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen
Das Geschäftsmodell der sozialen Medien basiert darauf, Nutzerinnen und Nutzer so lange wie möglich auf ihrer Plattform zu halten. Daher ist von ihrer Seite vermutlich keine Änderung der Rahmenbedingungen zu erwarten.
Auch Influencerinnen und Influencer sowie politische Akteure und Akteurinnen werden kaum Einsicht zeigen, da sie stark vom Rage Bait profitieren.
Daher muss zunächst bei den Nutzenden selbst angesetzt werden. Besonders wichtig ist, dass Jugendliche die Wirkungsweisen der sozialen Medien verstehen und erkennen, welche Gefahren Dynamiken wie Echokammern und Polarisierungsschleifen bergen. Dafür müssen sie auch nachvollziehen können, welche Ziele Urheberinnen und Urheber politischer Inhalte auf Social Media verfolgen und welche Motivation hinter Rage Bait steckt.
Politische Urteilsbildung und digitale Medien sind untrennbar verknüpft. Deshalb sind Kompetenzen wie die Einordnung, Bewertung und Reflexion digitaler Inhalte essenziell.
Um diese Kompetenzen im schulischen Kontext zu vermitteln und das Demokratieverständnis von jungen Erwachsenen zu fördern, setzen sich verschiedene Organisationen mit unterstützenden Angeboten ein. Unser Programm gegen Fake und Hass im Netz BITTE WAS?! gibt nicht nur Workshops an Schulen, sondern bietet Lehrkräften zum Thema „Social Media und Demokratiebildung" kostenfreies Unterrichtsmaterial für alle Altersstufen und Schularten. Auch die FEX und lpb fördern Demokratiebildung in Schulen mit ihren Projekten und stellen Hintergrundwissen für Eltern und pädagogische Fachkräfte bereit.
Unterrichtsmaterial von BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass
Emily Binder
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