Wie gelingt „Robotik in der Grundschule“? – Best Practice im Schulalltag
Robotik in der Grundschule – das funktioniert! Warum lohnt sich Robotik im Stundenplan und welche Faktoren sind für Lehrkräfte und Schulen entscheidend, um das Potenzial voll auszuschöpfen?
Im Projekt Robotik in der Grundschule lernen die Schülerinnen und Schüler spielerisch wichtige Kompetenzen wie kreatives und logisches Denken. | Foto: Michael Damböck
Lernen mit LEGO?!
Eine Stunde voller LEGO: kreativ bauen, gemeinsam tüfteln – und dabei lernen. Im Rahmen des Projekts „Robotik in der Grundschule“ stattet das LMZ im Auftrag des Kultusministeriums in vier Schuljahren rund 400 Schulen mit LEGO-Sets aus und schult die zuständigen Lehrkräfte im Einsatz der Sets im Unterricht. Die Grundschule Simonswald ist eine der teilnehmenden Schulen – und hat Robotik seitdem fest im Unterricht integriert.
Welche Erfahrungen sie mit dem Projekt und den Sets in der Praxis machen, welche Herausforderungen ihnen begegnet sind und was sie sich für die Zukunft der Schulen wünschen, berichten die Lehrerin Lisa Schwaab und Schulleiter Johannes Bodemer im Gespräch.
Lehrerin Lisa Schwaab (rechts im Bild) etablierte die Robotik-Stunde im Rahmen des Projekts in ihrer ersten Klasse – und ist genauso begeistert wie ihre Schülerinnen und Schüler. | Fotos: Grundschule Simonswald / Lisa Schwaab
Der erste Schritt: Mutig sein.
„Ich kannte mich davor gar nicht mit Programmieren aus,“ sagt Lisa Schwaab. Zu Beginn des Projekts unterrichtete sie in Mathematik eine erste Klasse. Dort führte sie die Robotik-Sets erstmalig ein. Unbekanntes Terrain für die Schülerinnen und Schüler – aber auch für sie selbst, deswegen hielt sich die Lehrerin an die Empfehlungen aus dem Unboxing, der Schulung für Lehrkräfte. „Klar ist man versucht, direkt mit den Robotik-Sets loszulegen, mir war aber wichtig, dass die Kinder die Grundlagen kennen und verstehen: Was heißt eigentlich Sequenz? Was ist eine Schleife?“
Diese Vorgehensweise hat sich bewährt. Die Kinder waren von Beginn an hochmotiviert. Das wiederum motivierte auch die Lehrerin, am Ball zu bleiben. Learning by doing. „Ich glaube, es ist wichtig, den Mut aufzubringen, einfach loszugehen – auch wenn man anfangs keine große Ahnung hat und natürlich nicht alles perfekt läuft! Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, jede Robotik-Stunde ist ein Traum,“ schmunzelt sie.
Erste Klasse während der Schulstunde Robotik – feste Strukturen in den Abläufen und Teams ermöglichen den Kindern selbstständiges Arbeiten. | Foto: Grundschule Simonswald
Der Schlüssel von Robotik im Unterricht: Struktur!
Die Schülerinnen und Schüler freuen sich auf die Robotik-Einheiten. Raus aus dem gewohnten Unterricht in ein Lernsetting, in dem andere Regeln herrschen. Der Schulleiter Johannes Bodemer funktionierte den leerstehenden EDV-Raum der Schule daher zum festen Robotik-Raum um. Er selbst beschreibt die Werkstatt als „eine Art isolierter Makerspace, eine LEGO-Forschungswerkstatt, in der die Kinder ihrer Kreativität und ihrem Explorationsdrang freien Lauf lassen können.“
Mittlerweile sind die Workflows so ritualisiert, dass die Lehrkräfte dabei nur noch eine begleitende Rolle einnehmen. Die Kinder wissen genau, was zu tun ist, holen ihre nummerierten Boxen und aufgeladenen Hubs und begeben sich in ihren festen Teams an den Tisch. Ein eigener Robotik-Raum ist natürlich nicht für jede Schule machbar. Entscheidend sind laut Lisa Schwaab und Johannes Bodemer: die vorgegebenen Strukturen und Abläufe.
Kinder der Grundschule Simonswald bei ihrem Anfangsritual der Stunde: dem gemeinsamen Robo-Song. | Foto: Grundschule Simonswald
Lernen für alle: Was Robotik kann
Auf den ersten Blick wirkt die Werkstatt der Grundschule Simonswald steril. Doch sobald die LEGO-Steine auf den Tischen liegen und die Kinder motiviert an ihren jeweiligen Aufgaben tüfteln, sprudelt der Raum nur so vor Energie. Teamarbeit in der Grundschule? Und dann auch noch in zugeteilten Zweiergruppen? „Das kam natürlich nicht gut an,“ bestätigt Lisa Schwaab, die die Teams gemeinsam mit der Klassenlehrerin einteilte – mit Blick auf Stärken und Schwächen, nicht nach Sympathie.
Umso schöner war für sie das Feedback einer Schülerin nach ein paar Wochen: „Frau Schwaab, am Anfang fand ich meinen Teampartner total doof, aber ich hab‘ so viel von ihm gelernt, das macht richtig Spaß jetzt!“ Die Zuständigkeiten wechseln wöchentlich: Ein Kind trägt die Verantwortung für die Box und das Bauen, das andere Kind für das Tablet und das Programmieren.
„Das ist ganz großes pädagogisches Kino!“ sagt Johannes Bodemer und betont auch den Inklusionsgedanken. „Plötzlich kommen alle Kinder aus sich heraus.“ Dieses Phänomen hat er schon häufig erlebt. Kinder nicht-deutscher Herkunft verbessern ihre verbale Kommunikation durch die Teamarbeit und Kinder mit Dyskalkulie arbeiten im Projekt völlig selbstverständlich mit Bauplänen und mathematischen Strukturen. Sonst als leistungsschwach abgestempelt, sind sie plötzlich „Manager“ des Teams.
Schulleiter Johannes Bodemer (rechts im Bild) appelliert an das Bildungssystem, aber auch jede einzelne Schule, Robotik als gleichwertige Unterrichtsstunde im Stundenplan zu integrieren. | Fotos: Michael Damböck / Johannes Bodemer
Mehr als ein Projekt: Robotik gehört in den Stundenplan
Johannes Bodemer ist wichtig, Robotik und Coding nicht zum Betreuungsangebot zu reduzieren, sondern vielmehr in allen Fächern in den Unterricht zu integrieren. „Ich bin von Haus aus Mathematiker. Dieses Projekt ist eine Chance für die Kinder, wertungsfrei und ohne Normen in die Mathematik einzutauchen.“
Die Bezüge stellen die Kinder unbewusst und nebenbei her, wenn sie zum Beispiel geometrische Figuren in anderen Kontexten aus den Robotik-Einheiten wiedererkennen. Während im Unterricht bei Problemen schnell die Hand für Hilfe nach oben geht, suchen die Grundschulkinder in der Robotik ganz aktiv selbst nach Lösungen für ihre Programmierfehler.
„Wir arbeiten mit den Kindern in einem hochsensiblen Entwicklungsstadium, in dem Lernen leichtfällt. Das sollten wir nutzen und gerade in Grundschulen den MINT-Bereich stärken.“ Die Grundschule Simonswald arbeitet daran, jeder Klasse wöchentlich eine eigene Robotik-Stunde am Vormittag zu ermöglichen – mit der vollen Unterstützung aller Lehrkräfte und Eltern.
Erfolgsgarant: Motivation, die ansteckt
Diese Überzeugung und Motivation des gesamten Kollegiums ist ein Grund für den Erfolg des Projekts. „Ich habe wirklich nie einen Moment, in dem jemand sagt: ‘Ich habe keine Lust mehr’,“ erklärt Lisa Schwaab. Der Schulleiter ist überzeugt: Robotik kann nicht nur tiefgreifende fachliche Inhalte vermitteln, es weckt auch die Freude am Lernen. „Unsere Profession ist es, Kinder zu begeistern. Warum soll Schule keinen Spaß machen?“
Die Bewerbungen der vierten und letzten Runde des Projekts Robotik in der Grundschule sind bereits abgeschlossen. Robotik-Sets erhalten Sie auf Anfrage in Ihrem regionalen Medienzentrum. Die wichtigsten Tipps für die Integration im Unterricht haben Lisa Schwaab und Johannes Bodemer aus der Grundschule Simonswald für Sie zusammengefasst.
Danke an Lisa Schwaab und Johannes Bodemer für die wertvollen und interessanten Einblicke! Bei konkreten Fragen zum Projekt wenden Sie sich gerne an unser Team Robotik unter robotik@lmz-bw.de.
Laura Kerling
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