LMZ Bildungssnack – Warum fällt es Jugendlichen so schwer, ihre Social-Media-Zeit zu reduzieren?
Zwischen Sucht und Sehnsucht: Jugendliche wünschen sich laut Studien mehr Offline-Zeit von Social Media, aber schaffen es oft nicht, ihren Konsum zu reduzieren. Warum – und wie kann es doch gelingen?
Soziale Plattformen dominieren den Alltag Jugendlicher
Knapp drei Viertel der 14- bis 20-Jährigen verbringen mehr Zeit in sozialen Medien, als sie eigentlich möchten – die meisten schaffen es nicht, ihre Nutzung zu begrenzen, obwohl sie ihren Konsum gerne reduzieren würden. Das zeigt eine Studie der Vodafone Stiftung, die den Einfluss sozialer Medien auf das mentale Wohlbefinden Jugendlicher untersucht.
Rund 70% der Heranwachsenden überschreiten die vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfohlene tägliche Nutzungsdauer von zwei Stunden, mehr als ein Viertel verbringt sogar fünf Stunden oder mehr am Bildschirm. Auffällig ist, dass junge Frauen häufiger zu intensiver Nutzung neigen als junge Männer. Besonders kritisch: 70% von ihnen geben an, dadurch andere Dinge zu vernachlässigen – ein höherer Anteil als bei den männlichen Befragten.
Erhebungen, die die aktuelle Mediensucht-Studie der DAK bestätigt. Mehr als ein Viertel der 10- bis 17-jährigen Befragten weisen ein problematisches Mediennutzungsverhalten auf. Als pathologisch wurden über 6 % eingestuft – ein enormer Anstieg zum Vorjahr.
Was an Social Media zieht besonders jüngere Menschen so in den Bann? Und wie sieht die Schattenseite der digitalen Lebenswelt aus? Das LMZ Spotlight zum Thema Stress durch Social Media beleuchtet die größten Stressauslöser auf sozialen Plattformen und liefert konkrete Empfehlungen für Lehrkräfte.
Jugendliche geben in Studien selbst an, zu viel Zeit auf Social Media zu verbringen. Wie kann es jungen Menschen gelingen, die eigene Medienzeit zu reduzieren? | Foto: Getty Images Signature
Erholung oder Überforderung?! – Warum Jugendliche Social Media nutzen und was das mit ihnen macht
Plattformen wie Instagram, YouTube und TikTok dienen Jugendlichen vor allem zur Unterhaltung, zum Austausch mit Freundinnen und Freunden und als Inspirationsquelle. Zwei Drittel teilen auch selbst kreative Inhalte. Likes und positive Kommentare vermitteln vielen ein Gefühl von Anerkennung und Bestätigung. Der Großteil der Jugendlichen berichtet von Freude, Neugier und Entspannung nach der Nutzung sozialer Medien.
Gleichzeitig empfindet etwa ein Drittel auch negative Gefühle wie Einsamkeit, Neid oder Stress – manche fühlen sich sogar schuldig. Viele leiden unter sozialem Druck oder der ständigen Angst etwas zu verpassen und wünschen sich daher, seltener erreichbar zu sein.
Besonders junge Frauen machen häufiger negative Erfahrungen: Sie stoßen öfter auf emotional belastende Inhalte und vergleichen sich stärker mit anderen Nutzenden. Fast die Hälfte der Jugendlichen hat zudem bereits soziale Ausgrenzung oder Abwertung erlebt.
Auch das Lernverhalten wird deutlich beeinflusst: Zwar finden mehr als 70% der Jugendlichen nützliche Lerninhalte auf Social Media, doch knapp zwei Drittel fühlen sich dadurch abgelenkt. Fast 50 % gaben an, sich nicht lange konzentrieren zu können, ohne Instagram, YouTube, TikTok und Co. aufzurufen.
Selbstregulierung und Aufklärung – Wie die Reduktion von Social Media gelingt
Viele Jugendliche reflektieren ihr Nutzungsverhalten regelmäßig und entwickeln eigene Strategien, um ihre Bildschirmzeit zu reduzieren. Dazu gehören das Deaktivieren von Mitteilungen, die Nutzung der „Nicht stören“-Funktion, handyfreie Zeiten oder der bewusste Verzicht auf soziale Medien während des Lernens. Einige reduzieren ihre Nutzung gezielt vor Prüfungen oder deinstallieren bestimmte Apps vorübergehend. Doch diese Maßnahmen greifen häufig nur situativ, anstatt langfristig die eigene Impulskontrolle zu regulieren.
Die Mehrheit der Jugendlichen berichtet, dass Eltern das Gespräch suchen, statt strikte Verbote einzuführen. Bestehende Regeln betreffen meist die Dauer der Nutzung oder bestimmte Inhalte.
In der Schule zeigt sich ein deutlicher Wunsch nach einem größeren medienpädagogischen Angebot: 80% wünschen sich Unterrichtsstunden, Schulprojekte oder Tipps für eine ausgewogenere Nutzung und einen bewussteren Umgang mit Social Media. Viele interessieren sich außerdem dafür, welche Auswirkungen die Smartphone-Nutzung auf das eigene Gehirn haben kann.
Die Botschaft ist eindeutig: Jugendliche möchten ihre Bildschirmzeit reduzieren, schaffen es aber nur selten – nicht aus mangelndem Bewusstsein, sondern weil soziale Medien tief in ihren Alltag und ihr soziales Leben eingebettet sind. Aufklärung und der Austausch über persönliche Erfahrungen mit Gleichaltrigen können helfen, den Umgang mit Social Media bewusster und gesünder zu gestalten.
Praktische Impulse für Eltern und pädagogische Fachkräfte finden Sie in unserem LMZ-Spotlight Stress durch Social Media. Bei konkreten Fragen kontaktieren Sie gerne unsere Medienpädagogische Beratungsstelle.
Emily Binder
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