Mehr Freizeit, mehr Medienzeit – Eine Herausforderung für Eltern

Die Sommerferien stehen vor der Tür und der geregelte Schulalltag pausiert für sechs Wochen. Den Zugewinn an Freizeit verbringen Kinder und Jugendliche gern auch am Tablet, dem Smartphone oder der Spielekonsole. Für Eltern stellt sich dabei die Frage, wie Mediennutzung sinnvoll begrenzt und begleitet werden kann. In den Sommerferien wird dieses Thema oft noch drängender, die Einhaltung von vereinbarten Nutzungszeiten eine noch größere Herausforderung. Wie also umgehen mit der vielen Freizeit? Sollten bestehende Regeln beibehalten werden oder kann man es in den Ferien auch lockerer sehen?

Teenager-Mädchen liegt im Garten in einer Hängematte und schaut auf ihr Handy

Ferienzeit am Handy: Sollten Eltern bestehende Regeln beibehalten oder lockern? | Foto: Soloviova Luidmyla - adobestock.com

Worauf Eltern bei der Mediennutzung grundsätzlich achten sollten

Regeln und Bildschirmzeiten schaffen einen Rahmen

Verbindliche Mediennutzungszeiten sind ein wichtiger Baustein für die Medienerziehung in der Familie, gerade für jüngere Kinder. Sie geben einen verlässlichen Rahmen vor, der Kinder von zu viel Eigenverantwortung entlastet und Sicherheit gibt. Aber Zeiten festzulegen und einzuhalten ist nicht alles.

Gemeinsame Medienerfahrungen verbinden Schutz, Befähigung und Teilhabe

Neben dem Vereinbaren von Nutzungszeiten sollte auch Raum sein für gemeinsame Medienerfahrungen und Gespräche über Faszination und Risiken von Online-Welten. Das gilt nicht nur in den Sommerferien. Doch in den Sommerferien haben vielleicht auch Sie als Eltern etwas mehr Freizeit, um gemeinsam mit ihrem Kind ein neues Online-Game zu spielen oder einen Filmabend zu veranstalten. Die begleitende Nutzung bietet den besten Schutz, um Kindern Kompetenzen zu vermitteln und an digitalen Welten teilhaben zu lassen.

Die jüngst erschienenen Handlungsempfehlungen der Expertenkommission Kinder- und Jugendmedienschutz geben in einem „Entwicklungsorientierten Modell“ Hinweise zu Maßnahmen und Möglichkeiten je nach Altersgruppen. In allen Altersgruppen stehen sich diese drei Ziele gleichwertig gegenüber:

  • Schutz vor Risiken, 
  • die Befähigung zur souveränen Nutzung durch Wissen und Nutzungskompetenz sowie 
  • die Möglichkeit zur Teilhabe im Sinne von Zugang, Meinungsäußerung und Mitgestaltung.

Auswahl und Art der Mediennutzung sind entscheidend

Neben einer zeitlichen Begrenzung und Begleitung der Mediennutzung ist die Auswahl geeigneter Inhalte von großer Bedeutung. Es muss nicht immer ein didaktisch durchdachtes Lernspiel sein. Mediennutzung darf und soll einfach nur Spaß machen und kann für Kinder und Jugendliche sehr wertvoll und erholsam sein.

Wichtig ist es, auf entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte wie Desinformation, Gewalt oder Horror zu achten. Hier geben die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) bei digitalen Spielen und die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) bei Filmen eine gute Orientierung. Je nach Alter des Kindes sind auch Länge, Tempo und Komplexität von Medieninhalten wichtige Entscheidungskriterien. Hilfestellung zur Medienauswahl finden Sie in den „Weiterführenden Links“.

Medien ermöglichen Sozialkontakte

Außerdem gilt es, im Blick zu behalten, zu welchem Zweck Kinder Medien nutzen. Gerade wenn die tägliche Begegnung in der Schule durch die Ferien ausbleibt, kann der Messenger noch bedeutender werden, um mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu bleiben. Viele digitale Spiele lassen sich gemeinsam mit Peers spielen. Soziale Kontakte werden auch digital gepflegt, selbst wenn ein Kind augenscheinlich nur auf dem Sofa sitzt und in sein Smartphone schaut. Das ist ein großer Mehrwert von Mediennutzung, gerade in den Ferien und sollte berücksichtigt werden.

5 Tipps zur Mediennutzung für Familien in den Sommerferien

Damit die Sommerferien für die ganze Familie erholsam werden und stressige Konflikte rund um Mediennutzung diesmal ausbleiben, haben wir 5 hilfreiche Tipps für den Umgang mit Smartphone und Co. in den Sommerferien zusammengestellt.
 

Tipp 1: Regeln für die Medienzeit unter Ausnahmen beibehalten   

Das Thema Medienzeit ist oft die erste Hürde, vor der Eltern in den Ferien stehen. Hier stellt sich für viele Eltern die Frage, ob diese in den Ferien auch mal länger ausfallen darf oder ob man Smartphone, Tablet und PC bei schönem Wetter vielleicht sogar ganz verbieten sollte. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, bereits geltende Regeln aus dem Alltag in den Sommerferien weder aufzuweichen noch zu verschärfen. Das Kind lernt so die Verbindlichkeit von Abmachungen und es fällt allen Beteiligten leichter, nach den Ferien zurück in den Schulalltag zu finden. Das spricht aber nicht gegen Ausnahmen.

Praxisbeispiele: bei Regen oder Krankheit Regeln aufweichen; gemeinsame Familien-Medienzeit weniger streng zählen als alleinige Mediennutzung des Kindes

Eine vierköpfige Familie sitz mit Gamecontrollern auf einem Sofa und spielt gemeinsam.

Gemeinsame Familienzeit mit Medien kann weniger streng gezählt werden. | Foto: dijle – adobestock.com

Tipp 2: Zusammen kreativ werden

Gemeinsame Medienzeit zu verbringen ist immer besser, als Medien allein für sich zu nutzen. Sei es im Rahmen eines Film- oder Spieleabends an der Konsole oder bei der Umsetzung von kreativen Medienprodukten. Gemeinsame Medienzeit macht Spaß, fördert Kreativität und stärkt Medienkompetenz.

Praxisbeispiele: den Familienurlaub in einer Fotocollage, einem Fotobuch oder einem Erinnerungsfilm als Familie zusammen festhalten, gestalten und bearbeiten

Ein Junge von hinten, der ein Fotoalbum der Familie anschaut.

Kreative Medienprodukte wie Fotoalben zu gestalten macht Spaß und schafft bleibende Erinnerungen. | Foto: Serhii – adobestock.com

Tipp 3: Smartphones einem „digitalen Sommerputz“ unterziehen  

Im Alltag sammeln sich viele Daten und Anwendungen auf unseren Endgeräten an, die man irgendwann nicht mehr benötigt. Ein „digitaler Sommerputz“ gemeinsam mit dem Kind kann hier Abhilfe schaffen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Apps und Daten wirklich noch gebraucht werden – sowohl auf dem Smartphone des Kindes als auch auf dem der Erwachsenen.  So können alle mit aufgeräumten Geräten in den Alltag nach den Ferien starten.

Drei Figuren in orangenen Latzhosen kehren drei Apps von einer Smartphone-Oberfläche.

Das Ausmisten von Fotos, Apps und Dateien schafft Platz fürs neue Schuljahr. | Foto: Maria – adobestock.com

Tipp 4: Medienkompetenz stärken

Der digitale Sommerputz bietet auch einen Anknüpfungspunkt, um über den Umgang mit den eigenen Daten und die Anwendung von verschiedenen Apps zu sprechen. Dabei können Kinder lernen, welche Inhalte sie teilen sollten und welche lieber nicht. Abseits vom stressigen Alltag bietet die Ferienzeit einen ruhigen Rahmen für Gespräche, für die sonst oft die Zeit fehlt.

Ein Vater zeigt seiner Tochter etwas am Handy.

In den Ferien können Eltern und Kindern in lockerer Atmosphäre über Mediennutzung sprechen. | Foto: stockbusters – adobestock.com

Tipp 5: Digital Detox als gemeinsame Familien-Challenge

Wir alle nutzen Medien jeden Tag. Gerade das Smartphone bietet viele Anlässe, es immer wieder in die Hand zu nehmen: Push-Meldungen, Nachrichten per Messenger oder nur mal kurz etwas recherchieren, das Wetter checken oder den Kalender prüfen. All das kann schnell stressen, meist ohne, dass man es selbst bemerkt. Um hierfür das Bewusstsein zu schärfen, kann man sich als Familie der Herausforderung stellen, für einen bestimmten Zeitraum bewusst auf Medien zu verzichten. In der Familie können Sie sich regelmäßig über Ihre Erfahrungen, Herausforderungen und positive Aspekte austauschen und die medienfreie Zeit reflektieren.

Praxisbeispiele: eine Woche lang auf Laptop und Tablet verzichten, ein paar Stunden am Tag das Smartphone ausschalten, Detox-Challenge von Klicksafe

Ein Laptop, Tablet, Handy, Kopfhörer und eine Smartwatch liegen auf einem Schreibtisch. Dahinter steht ein Schild mit den Lettern "Digital Detox".

In den Ferien auf Handy, Tablet und Co. zu verzichten kann entspannend sein. | Foto: Syda Productions – adobestock.com

Fazit

Medien und digitale Lebenswelten haben für Kinder und Jugendliche oft einen hohen Stellenwert, auch in den Sommerferien. Die viele Freizeit kann herausfordernd sein. Doch Langeweile nur mit Zocken oder Chatten zu begegnen, ist sicher nicht der geeignete Weg, um damit umzugehen. Regeln und begleitende Gespräche sowie gemeinsame Aktivitäten – online wie offline – bieten einen guten Rahmen, um auch mit Medien gut durch die Ferienzeit zu kommen. Letztlich geht es vor allem darum, dass die ganze Familie die Sommerferien genießen und Energie tanken kann, bevor mit dem neuen Schuljahr der gewohnte Alltag wieder einkehrt.
 

Unsere Beratungsstelle hat ein Ohr für Sie!

Bei individuellen Fragestellungen und Problemen rund um die digitale Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen hilft die medienpädagogische Beratungsstelle des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg weiter:
Mi.: 9 bis 16 Uhr, Fr.: 9 bis 13 Uhr
Tel.: 0711 4909-6321
E-Mail: Beratungsstelle[at]lmz-bw.de

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Weiterführende Links

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Weitere Infos für Eltern

 

Andrea Zeisberg

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