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„BeReal“ - Was steckt hinter dem Hype um die Social Media App?

Marlene Feller
Man sieht ein Smartphone und die Social Media App "BeReal"

Zwei Minuten, keine Filter, beide Kameras: Das Konzept von BeReal unterscheidet sich stark von Social Media Apps wie Instagram, TikTok und Snapchat | Foto: Marlene Feller

„Echte“ Momente statt inszenierte Bilder und Schönheitsideale

Eine App mit einer simplen Idee begeistert sie derzeit Millionen Menschen weltweit. Alle Freunde machen zur gleichen Zeit ein Foto aus ihrem Alltag und laden es in einer App hoch. Nur zwei Minuten Zeit bleibt ihnen für die Momentaufnahme. Filter oder Möglichkeiten, die Bilder zu bearbeiten, gibt es nicht. Das ist genau das, was die App möchte: Einblicke in das „echte“ Leben der Freunde, fernab von perfekt inszenierten Bildern und dem Schönheits-Wahn auf anderen sozialen Plattformen wie Instagram, Tiktok und Co. Digitale Nähe zwischen Freunden und Freundinnen statt Konkurrenzdruck durch den Kampf um Likes und Follower-Zahlen. Was macht die App so beliebt bei jungen Menschen? Wie funktioniert sie genau und auf was sollten Eltern unbedingt achten?

So funktioniert die App

Realität für 24 Stunden

Einmal am Tag, zu einer zufälligen Uhrzeit, fordert die App ihre Userinnen und User per Push-Nachricht auf, ein Foto von sich und ihrem Umfeld zu schießen. Dann haben sie zwei Minuten Zeit, den Schnappschuss hochzuladen. Verpassen sie die entscheidenden zwei Minuten, kann das Foto zwar auch noch nachträglich gepostet werden, dieses wird dann aber gekennzeichnet als „Late“, also als „zu spät“ hochgeladen. Die Fotos der Freunde verschwinden nach 24 Stunden automatisch. Nur man selbst kann seine täglichen Aufnahmen noch im Archiv einsehen. Wer die Fotos seiner Freunde durchscrollt, sieht nicht nur Selfies, sondern auch, wo sie sich befinden und was um sie herum passiert, denn die Bilder werden mit der Vorder- und Rückkamera gleichzeitig aufgenommen.

#NoFilter

Im Vergleich zu vielen anderen Social Media Apps, hat BeReal keine Filter oder andere Möglichkeiten, mit denen die Bilder im Nachhinein noch bearbeitet werden können. Dadurch soll nichts retuschiert oder beschönigt werden und eben alles "real" bleiben.

Nur wer selbst postet, darf zusehen

Die App möchte die Nutzenden dazu motivieren, selbst Teil des „echten“ sozialen Netzwerks zu sein, statt die Inhalte nur zu konsumieren. Deswegen kann man die Fotos seiner Freundinnen und Freunde auch nur dann sehen, wenn man am gleichen Tag ein Foto von sich hochgeladen hat. Das Motto: Andere posten spontane Bilder von sich, dann kannst du das auch. 

Digitale Gemeinschaft statt Konkurrenzdruck

Userinnen und User können Beiträge kommentieren und auf diese mit einem „RealMoji“ (einem selbst erstellten Emoji) reagieren. Jedoch verzichtet "BeReal" im Gegensatz zu anderen sozialen Plattformen neben Filtern und Bearbeitungstools auch auf Likes, Dislikes und Followerzahlen. Man sieht also nicht, wie viele Follower oder Likes die anderen haben. Ein digitales Miteinander, statt Konkurrenz und dem Vergleich mit anderen ist das Ziel der Plattform. Mit der Discovery-Funktion kann man öffentlich gestellte Bilder von anderen Nutzerinnen und Nutzern auf der ganzen Welt sehen und auch selbst die eigenen Bilder für alle Nutzenden öffentlich machen. Diese Funktion muss jedoch zuerst aktiviert werden, davor bleibt jedes Profil privat und die Fotos nur für die eigenen Kontakte sichtbar.

Man sieht ein Foto in der App "BeReal"

Momentaufnahmen aus dem alltäglichen Leben können witzig und unterhaltsam sein. Trotzdem sollte man vor dem Hochladen einige Dinge beachten. | Foto: Marlene Feller

Fakten: Mindestalter und Datenschutz

Das Mindestalter der App liegt laut AGB bei 13 Jahren, ebenso wie bei TikTok, Snapchat, Instagram und Co. Wie auch auf diesen Plattformen wird das Alter auf BeReal nicht überprüft. Bei der Registrierung muss man seine Telefonnummer angeben. In der Datenschutzerklärung der App steht, das BeReal während der Nutzung Inhalte sammelt, die über die App erstellt wurden, also die aufgenommenen Fotos und verfassten Kommentare. Außerdem verwendet die App, wie fast alle sozialen Plattformen, Cookies.

Darauf sollten Eltern achten

Selbst mit der App vertraut machen

Wie so oft gilt: Wer die Plattform kennt und weiß, wie sie funktioniert, kann besser nachvollziehen, was Kinder daran fasziniert. Das macht es einfacher, ein reflektiertes Gespräch darüber zu führen. Wenn Eltern sich dazu entscheiden, die App noch nicht zu erlauben, haben sie aus eigener Erfahrung gute Argumente, um die Entscheidung zu erklären und wenn sie der Nutzung zustimmen, können sie ihre Kinder kompetent im Umgang damit begleiten. Gemeinsam ist das Stichwort: Zusammen die App mit ihren Funktionen anschauen, Tipps geben und auf die Risiken aufmerksam machen.

Datenschutz 

Als Nutzername empfiehlt es sich, nicht den Klarnamen anzugeben. Kinder sollten nur Personen als Kontakte hinzufügen, die sie auch aus dem echten Leben kennen. Außerdem können Eltern mit ihren Kindern vereinbaren, dass sie den Standort beim Posten eines Fotos nicht teilen und die Discovery-Funktion beim Hochladen der Bilder deaktivieren. Dadurch werden die Bilder nur mit den eigenen Kontakten geteilt.

Privatsphäre

Das kurze Zeitfenster von zwei Minuten soll zur Spontanität und zum Teilen von persönlichen Momenten anregen. Trotzdem sollten Eltern ihre Kinder darauf aufmerksam machen, dass das Bild im Netz bleiben kann, obwohl es nach 24 Stunden in der App verschwindet. Andere Nutzerinnen und Nutzer können Screenshots von den Bildern machen und diese weiter verbreiten. Außerdem sollten Kinder und Jugendliche beachten, was im Hintergrund und um sie herum zu sehen ist. Auf dem Foto sollten keine anderen Personen ohne ihr Einverständnis zu sehen sein oder keine Gegenstände, die nicht gezeigt werden sollten. Nutzende sollten immer auch die Frage beachten, ob das Bild ihnen später peinlich sein könnte oder zu unerfreulichen Konsequenzen führen könnte. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder darauf hinweisen, dass sie jedes Foto vor dem Hochladen unbedingt noch einmal überprüfen, auch wenn es "nur" die eigenen Kontakte sehen.

Push-Benachrichtigungen

Wann man aufgefordert wird, ein Foto zu machen, ist nicht vorhersehbar, sondern von Tag zu Tag unterschiedlich. Der Zeitpunkt kann auch einmal auf das gemeinsame Abendessen oder die Hausaufgaben fallen. Die Funktionsweise von BeReal kann so bei den jungen Nutzerinnen und Nutzern den Wunsch stärken, immer erreichbar zu sein und das Smartphone nicht aus den Augen zu lassen. In den Einstellungen können Push-Benachrichtigungen über Kommentare und Posts von Freunden ausgeschaltet werden, damit nicht bei jedem Aufblinken die App gecheckt wird.

Quelle: Initiative „SCHAU HIN!“

BeReal Faktencheck

Das französische Entwickler-Duo Alexis Barreyat und Kevin Perreau brachten die App 2020 auf den Markt. Den Durchbruch erzielte sie jedoch erst in diesem Jahr. Während die App 2021 nur etwa 920.000 Menschen auf der ganzen Welt nutzten, stiegen die aktiven Nutzerzahlen im August 2022 auf über 21 Millionen (Stand Juli 2022). Quelle: Apptopia

Aktuell finanziert sich die App durch Investorengelder und schaltet keine Werbung. Laut den AGBs der App ist Werbung sogar verboten. Wie sich BeReal in Zukunft finanzieren wird und ob sich die Plattform auf lange Sicht neben den großen und sehr beliebten Apps einen Platz ergattern kann, bleibt abzuwarten. Die Download-Zahlen steige allerdings jeden Monat konstant und eine Abnahme ist momentan nicht in Aussicht.

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Marlene Feller

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