Filmsprache für die Filmanalyse

Warum analysieren wir Filme?

In einer Lebenswelt, in der Bewegtbild-Medien durch den Aufstieg von sozialen Medien einen immer größeren Einfluss haben, sind ein kritischer Blick und Filmlesefähigkeit enorm wichtig. Durch die Filmanalyse können wir Filme und Bewegtbilder ähnlich wie literarische Texte untersuchen, indem wir einzelne Elemente und Stilmittel betrachten.

Oft werden Filme im Unterricht anhand des Themas erschlossen. Erst durch die Analyse und das Zusammendenken von Inhalt und Form können wir Schülerinnen und Schülern jedoch verdeutlichen, wie die Art und Weise der Filmgestaltung unseren Blickwinkel auf das Geschehen beeinflusst. Dadurch entsteht ein Verständnis davon, wie wir Filme wahrnehmen und verstehen. Indem Schüler/-innen sich mit der Analyse von Filmen, Videos oder Bewegtbildausschnitten beschäftigen, können sie filmische Mittel auch für die eigene Filmpraxis zielgerichteter und reflektierter einsetzen. Wir empfehlen daher ein Wechselspiel von Analyse und (kleinschrittiger) Filmpraxis bei der Annäherung an das Medium Film im Unterricht.

Eine Möglichkeit, Filme zu analysieren, bietet das Grundmodell von Werner Faulstich, das vier Zugriffsebenen umfasst:

Fünf Teenager sitzen an einem Tisch, diskutieren und schreiben ihre Gedanken auf einen Notizblock.

Jugendliche tauschen sich nach einer Filmvorführung im Klassenzimmer über ihre Eindrücke aus. | Foto: JackF – adobestock.com

Was sind zentrale Begriffe der Filmsprache?

In der Filmanalyse kommen zahlreiche Begriffe zum Einsatz, um die vielfältigen filmsprachlichen Mittel zu beschreiben. Wir haben die wichtigsten für Sie zusammengefasst und verweisen auf Nachschlagewerke, die einen umfassenden Überblick bieten.

Visuelles Konzept

Jeder Film folgt einem visuellen Konzept, das festlegt, wie die handelnden Personen gezeigt werden, welche Atmosphäre zu welchem Zeitpunkt des Films erzeugt, welche Stimmungen und Assoziationen beim Zuschauer geweckt werden sollen.

Exposition

Schon nach wenigen Minuten wissen wir, worum es in dem Film, der ja eigentlich noch vor uns liegt, geht. Bereits die ersten Einstellungen fassen meist das gesamte Thema eines Films kurz zusammen. Wer daher am Anfang genau hinschaut, kann entdecken, was auf sie oder ihn zukommt. Exposition bedeutet die visuelle und akustische Einführung der Zuschauer/-innen in Grundstimmung, Ausgangssituation, Zustände, Zeit, Ort und Personen des Films. Auch werden zu Beginn bereits wichtige Voraussetzungen und Hintergründe der Filmhandlung vermittelt, die für das Verständnis eines Films essenziell sind.

Kameraperspektive

In der Dramaturgie einer Filmsequenz spielt die Kameraperspektive eine entscheidende Rolle. Drei wichtige Perspektiven sind die Normalsicht, die Untersicht und die Draufsicht. Die Normalsicht, eine Auge-in-Auge-Perspektive, entspricht unserer alltäglichen Wahrnehmung und erzeugt Nähe. Die Untersicht kann beispielsweise eine Person als Held/-in oder Idol erscheinen lassen oder bedrohlich wirken – abhängig von Licht und Inszenierung. Die Extremform ist die Froschperspektive. Die Draufsicht hingegen lässt Gegenstände und Personen oft kleiner, hilfloser oder machtloser wirken. Die Extremform ist die Vogelperspektive.

Kamerabewegung

Die meisten verbinden mit Kamerabewegung Begriffe wie Kamerafahrt oder Schwenk. Heutzutage ist der Umgang mit Kamera und Computer aber noch weit vielfältiger als früher. Wie die Kamera in einem gestalteten Filmraum bewegt wird, gibt Auskunft darüber, welche Wirkung die Regisseurin oder der Regisseur erzeugen möchte. Zwei gegensätzliche Beispiele seien hier herausgegriffen: die Handkamera und die Steadicam, die durch ein Halterungssystem verwacklungsarme Bilder liefert.

Licht und Farbe

Licht und Farbe sind immens wichtig für die Wirkung eines Filmes und fast nie dem Zufall überlassen. Die beiden Elemente sind sogar prägend für die Qualität des gesamten Films. Beides richtig einzusetzen, erfordert Können und viel Geld. Mit Hilfe der Beleuchtung werden unsere natürlichen Sehgewohnheiten imitiert oder zum Beispiel die Spannung durch eine intensive Schattenführung verstärkt. Die Farbgebung entscheidet mit darüber, ob wir einen Ort, Personen oder Handlungen als fröhlich oder trist wahrnehmen. Oft tauchen in einem Film auch Symbolfarben auf, die als Motiv wiederkehren.

Ton und Musik

Sie sind unsichtbar und entfalten doch eine ungeheuer starke Wirkung im Film: Ton, Geräusche und Musik. Und die Filmemacher/-innen widmen diesen Elementen größte Aufmerksamkeit. Bei Titanic haben beispielsweise allein 150 Leute am Sounddesign gearbeitet. Das Sounddesign geschieht in der Postproduktion eines Films und bezieht sich auf die Herstellung und Mischung von Geräuschen und Effekten. Dabei werden sowohl Töne und Geräusche beim Dreh aufgenommen, als auch später hinzugefügt. Die Musik beeinflusst stark die Stimmung eines Films. Sie transportiert Emotionen mit, erhöht die Spannung und gestaltet Übergange von Szenen.

Einstellungsgröße

Die Einstellungsgröße in der Kinematografie (siehe weiter unten) bestimmt, wie viel und wie detailliert ein Objekt im Bild zu sehen ist. Sie wird durch die Entfernung zur Kamera und die Objektivwahl beeinflusst. Typische Kategorien sind Großaufnahmen, Halbnah- und Totaleinstellungen. Die Einteilung in Einstellungsgrößen basiert oft auf dem menschlichen Körper und ermöglicht es, verschiedene Perspektiven und Details innerhalb einer Szene zu betonen. Diese Unterscheidungen sind entscheidend für die visuelle Ästhetik eines Films und tragen dazu bei, die emotionale Wirkung und den Erzählfluss zu beeinflussen.

Schnitt/Postproduktion

Der Schnitt, auch bekannt als Editing, bezeichnet das Verfahren der Auswahl, des Zuschneidens und Zusammenfügens von aufgenommenem Filmmaterial, um einen zusammenhängenden Film zu erstellen. Neben dem harten Schnitt gibt es verschiedene Techniken, um nahtlose Übergänge zwischen den Aufnahmen zu schaffen.

Kinematografie

Die Kinematografie ist ein essenzieller Bereich der Filmproduktion, der sich auf das Aufzeichnen von Bewegung konzentriert. Sie ist eng mit der Fotografie verbunden und umfasst die Wahl des Filmmaterials, die Beleuchtungsplanung, Objektivauswahl und -fokussierung sowie die Bildkomposition. In der Kinematografie unterscheidet man oft zwischen dem Director of Photography, der die visuelle Ästhetik leitet, und dem Kamera-Operator, der die Kamera bedient, obwohl diese Rollen manchmal von derselben Person ausgeführt werden.

Filmwelt/Diegese

Die Diegese eines Films umfasst alles, was von den Figuren wahrgenommen werden kann. Dazu zählen zum Beispiel sichtbare Schauplätze, Handlungen und Gegenstände, die die Welt der Geschichte formen. Die Zuschauer/-innen konstruieren auf Basis dieser Informationen eine kohärente Vorstellung der Filmwelt. Elemente wie Filmmusik, Erzählerstimmen oder atmosphärische Geräuscheffekte gelten als nicht-diegetisch, da sie unabhängig von der Diegese der Erzählung hinzugefügt werden.

Mise-en-Scène

Der Begriff beschreibt alle visuellen Aspekte im Filmbild, von der räumlichen Gestaltung bis zur Bewegung der Schauspielenden. Ursprünglich aus dem Theater stammend, betont er die Inszenierung und Anordnung sichtbarer Elemente vor der Kamera. Besonders in Filmen mit langen Einstellungen ist Mise-en-Scène entscheidend, da es die räumliche Strukturierung betont. Den Gegensatz dazu bildet die Montage, die sich mehr auf die zeitlichen Abläufe der Filmhandlung konzentriert.

Wie kann ich das Thema Filmsprache vertiefen?

Sie möchten mit Ihren Schülerinnen und Schülern tiefer einsteigen und die Welt der Filmsprache im Detail erkunden? Das Plakat „Filmsprache” von Neue Wege des Lernens e.V. eignet sich bestens hierfür: Es kann zur Klärung von filmischen Grundbegriffen und zur Filmanalyse eingesetzt werden. Auch für Filmpraktiker/-innen ist es eine gute Möglichkeit, sich von der Vielzahl filmischer Ausdrucksmöglichkeiten inspirieren zu lassen.

In den drei Rubriken Einstellungen/Dreharbeiten, Schnitt/Postproduktion und Ton/Musik werden Fachbegriffe mithilfe von Icons dargestellt. Eine zusätzliche App stellt ausführliche Erläuterungen zu den Begriffen zur Verfügung. Umfangreiche Glossare zur Filmsprache finden Sie außerdem auf den Websites filmisch.de von Vision Kino und kinofenster.de von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

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Weitere Materialien & Tools zur Filmbildung kennenlernen

Eine junge Frau mit buntem Schal steht hinter einer Filmkamera und blickt konzentriert in die Kamera. Neben ihr assistiert ein junger Mann.

„Kameraperspektive“ und „Kamerabewegung“ sind zwei zentrale Begriffe der Filmsprache, die Schüler/-innen kennen sollten. | Foto: guruXOX – adobestock.com

Methoden der Filmbildung

Welche Methoden eignen sich für die Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Sie sind auf der Suche nach Abwechslung zum klassischen Unterrichtsgespräch über gemeinsam angeschaute Filme? In der Filmbildung gibt es viele Möglichkeiten, das Thema Film im Unterricht aufzubereiten. Sie können vorab überlegen, welche Methoden Sie vor dem Film, während des Films und nach dem Film einsetzen möchten. Hier haben wir methodische Vorschläge zusammengestellt, die sich für viele Filme realisieren lassen.

Sukzessives Sehen

Meist ist es nicht möglich, einen Film im Rahmen einer Stunde/Doppelstunde vollständig anzuschauen. Dieser mitunter ärgerliche Umstand kann jedoch in einen Vorteil verwandelt werden, wenn der Film an bestimmten Stellen bewusst abgebrochen wird. So kann zum Beispiel der Film bereits nach den ersten 10 Minuten gestoppt und bei den Schülerinnen und Schülern abgefragt werden, welche Informationen sie bereits erhalten haben („filmische Exposition“). Auch in kritischen Entscheidungssituationen kann der Film angehalten und mit der Klasse darüber spekuliert werden, wie sich die Figur verhalten wird. Dies kann – neben dem klassischen Unterrichtsgespräch – auch in einem szenischen Spiel erfolgen.

Genre

Bei dieser Methode berichten Kinder und Jugendliche von ihren Lieblingsfilmen. Anschließend können diese Filme einzelnen Genres zugeordnet werden, die in der Filmtheorie unterschieden werden (Drama, Action, Fantasy, Komödie, Horror, Science-Fiction, Liebesfilm, Thriller). Interessant ist häufig auch eine Diskussion darüber, ob Lieblingsfilme die/den jeweilige/-n Zuschauer/-in charakterisieren.

Storyboard

Gerade bei Literaturverfilmungen lohnt es sich, kurze Textpassagen eines Buchs in ein eigenes Storyboard für einen Film umwandeln zu lassen. Das Storyboard umfasst die Planung aller Einstellungen mit dem dazugehörigen Bildaufbau, den Kameraperspektiven und -bewegungen und den dazugehörigen Dialogen. Anschließend können die kreativen Ideen der Schüler/innen mit der Literaturverfilmung verglichen werden. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler verbessern sich dabei signifikant, wenn die Einstellungsgrößen bereits eingeführt wurden (Totale, Halbtotale, Halbnahe, Detail).

Soundcheck

Die Ebene des Tons stellt ein wichtiges Element der Filmtheorie dar, wird in der schulischen Betrachtung aber häufig vernachlässigt. Dabei ergeben sich gerade in diesem Bereich im Unterricht vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So kann bereits die Filmmusik suggerieren, um welche Art von Film es sich handelt. Auch das Unterlegen einer Szene mit völlig gegensätzlicher Musik veranschaulicht nachdrücklich, wie sehr die Atmosphäre und Stimmung eines Films von der musikalischen Untermalung abhängt. Als Einstieg in eine Unterrichtsstunde, die die Filmmusik in den Vordergrund rückt, eignet sich besonders ein Filmmusikquiz.

Synchronisation

Kurze Dialogszenen bieten eine großartige Möglichkeit für eine Nachsynchronisation. Schüler/-innenkönnen dabei ihr Timing und das Hineinfühlen in eine Rolle üben. Dialoge in englischer Sprache können auch ins Deutsche übersetzt und damit eine „neue“ Version der Szene erstellt werden. Die Kinder und Jugendlichen werden dabei auf das Problem stoßen, dass direkte Übersetzungen häufig nicht lippensynchron zum Original sind und damit leicht abgeändert werden müssen, ohne jedoch den Inhalt dabei zu verfälschen. Ebenfalls möglich ist in diesem Zusammenhang, den Schauspielerinnen und Schauspielern völlig neue Texte zu schreiben, um so den Dialog bezüglich Atmosphäre und Inhalt zu verändern.

Marketing

Besonders kostenintensive Filme werden aufwändig beworben. Zum Bereich Werbung gehören nicht nur der Filmtrailer, sondern auch das Filmplakat. Indem Lernende ein eigenes Filmplakat erstellen, müssen sie das Geschehen im Film auf ein Bild zu reduzieren. Im Anschluss können die Schülerversionen mit dem Original verglichen werden. Zusätzlich zu klassischen Mitteln nutzen Streaming-Plattformen und soziale Medien Beschreibungstexte, um Interesse zu wecken. Auch Schüler/-innen können solche Texte verfassen, wobei darauf zu achten ist, Neugierde auf den Film zu wecken, ohne zu viele Details zu verraten.

Kritik

Nach dem Schauen eines Filmes bietet es sich an, dass Schüler/-innen selbst eine Kritik verfassen. Hierfür sollte mithilfe von Beispielen vorab geklärt werden, welche Informationen eine Kritik enthalten sollte (Titel, Regisseur/-in, Drehbuchautor/-in, Hauptdarsteller/-in, zentrale Themen und begründetes Lob oder Kritik). Ähnlich wie bei den Informationstexten muss ein Teil der Handlung durch die Schülerinnen und Schüler skizziert werden, ohne zu viel von der Spannung herauszunehmen.

Besetzung

Lasse Sie Ihre Schülerinnen und Schüler in die Rolle der Regisseurin oder des Regisseurs schlüpfen und sich passend zu einer Literaturverfilmung eine eigene Besetzung des Films ausdenken. Online können sie Schauspieler/-innen recherchieren und danach ihren Cast eigenständig zusammenstellen. Diese Auswahl eignet sich später im Unterrichtsgespräch als Diskussionsgrundlage dafür, ob die gewählten Schauspieler/-innen den literarischen Vorgaben entsprechen oder nicht.

Eingefrorenes Bild

An bestimmten Stellen des Films kann es sinnvoll sein, ein Standbild zu analysieren. Hierbei lassen sich die drei Bildebenen (Vordergrund, Hintergrund und Mitte) problemlos analysieren. So kann die gängige Vorstellung der Schüler/-innen, dass zentrale Ereignisse nur in der Bildmitte oder im Vordergrund passieren, relativiert werden.

Perspektive

Neben der Einstellungsgröße ist auch die Kameraperspektive ein wichtiges Element der Filmtheorie. Hierbei wird unterschieden zwischen Froschperspektive, Untersicht, Normalsicht, Aufsicht und Vogelperspektive. Diese können dann anhand von Screenshots aus dem angesehenen Film erläutert werden. Auch mit einer einfachen Digital- oder Handy-Kamera können Kinder und Jugendliche die verschiedenen Kameraperspektiven spielerisch ausprobieren. Nicht zuletzt lassen sich diese besonders gut in Dialogszenen einsetzen, etwa bei einem Gespräch zwischen Untergebenem (Vogelperspektive) und Vorgesetztem (Froschperspektive), um das Verhältnis der Figuren zueinander darzustellen.

Figurenschaubild

Durch das Erstellen von Figurenschaubildern  erhalten Schüler/-innen einen Einblick in die komplexen Beziehungen und Perspektiven der Figuren in einem Film. Sie können die Namen der Haupt- und Nebenfiguren sowie deren Beziehungen visualisieren sowie durch farbliche Hervorhebungen Konflikte und freundschaftliche Beziehungen verdeutlichen. Dies fördert das Verständnis für den dramaturgischen Aufbau des Films und ermöglicht Diskussionen über unterschiedliche Standpunkte und Motive der Charaktere.

Wie kann ich das Thema Methodik vertiefen?

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Eine Hand hält einen Stift und zeichnet eine schlafende Frau in das fünfte Kästchen eines Storyboard-Blatts ein.

„Storyboard“ ist eine von vielen Methoden, um mit Kindern und Jugendlichen Filme im Unterricht nachzubereiten. | Foto: NuPenDekDee – adobestock.com

Kerstin Tscherbakova, Cemile Cakmak & Vanessa Scheller

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