Teil 1: Sachlich-technische Orientierung

Mit dem Konzept der Blockchain werden häufig Begriffe wie Kryptowährung und ganz speziell Bitcoin assoziiert – und dies nicht nur im positiven Sinne, wenn man an Kursvolatilität, Spekulation, Betrugsfälle oder kriminelle Nutzungsszenarien denkt. Der große Krypto-Hype der Jahre 2023/2024 ist inzwischen deutlich abgeklungen. Was bleibt, ist eine längere Phase des Reifens, in der sich zeigen muss, welche Anwendungen sich jenseits kurzfristiger Erwartungen bewähren. Dies wird jedoch den Potenzialen der Technologie nicht gerecht, da sie unser gesamtes Leben, so auch den Bildungsbereich nachhaltig verändern könnte.

Was ist die Blockchain?

Die Blockchain ist eigentlich nichts anderes als eine dezentrale, öffentliche Datenbank. Dort werden in einem bestimmten Bereich vollzogene Transaktionen als verschlüsselte Datenblöcke ohne Mittelsmann abgespeichert. Transaktionen können durch sogenannte Smart Contracts (intelligente Verträge) unterstützt werden. Dabei handelt es sich um Programme, die Regeln automatisiert ausführen und damit Vereinbarungen zwischen Parteien technisch abbilden können. Die Datenblöcke werden chronologisch geordnet abgespeichert und enthalten jeweils einen Verweis auf den vorherigen und den nachfolgenden Datensatz. Sie sind außerdem unveränderbar und liegen nicht auf einem zentralen Server, sondern es gibt Kopien der Datensätze auf vielen voneinander unabhängigen Servern.

Um diese Inhalte anzuzeigen, wird eine Verbindung mit www.youtube.com hergestellt. Hierbei werden Daten in die USA übermittelt.

Verschlüsselung in der Blockchain

Daten in der Blockchain werden auf zwei Arten verschlüsselt.

Zum einen wird durch einen mathematischen Algorithmus ein Schlüsselpaar generiert, von dem ein Teil öffentlich und allen Mitgliedern der Blockchain bekannt ist. Der zweite Teil ist privat und vom jeweiligen Nutzer geheim zu halten. Der private Schlüssel ist wie eine digitale Unterschrift, die die Herkunft eines Datensatzes bestätigt. Der Empfänger verifiziert die Authentizität dann mit dem öffentlichen Schlüssel. Beide müssen zusammenpassen.

Zum anderen gibt es auch die Möglichkeit, anhand von sogenannten Hash-Funktionen die Integrität von Daten sicherzustellen. Ein Hash-Wert ist eine Zeichenfolge, die ein Algorithmus basierend auf Eingangsdaten, z.B. einem Vertragstext, generiert. Jede Veränderung der Eingangsdaten würde zu einem anderen Hash-Wert führen. Die Eingangsdaten selbst werden nicht in der Blockchain abgelegt, lediglich der Hash-Wert wird dort gespeichert. Der Hash-Wert ist quasi das Siegel auf dem Vertrag.

Teil 2: Pädagogisch-transformative Einordnung

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Bedeutung diese Entwicklungen für Lernprozesse, Bildungsstrukturen und gesellschaftliche Teilhabe haben.

Zunächst betrifft die Blockchain die Ausrichtung der Bildung mit Hinblick auf potenzielle neue Berufsfelder, in denen aufgrund ihrer Bedeutung für die Zukunft möglicherweise bald dringend Nachwuchs benötigt wird.

In verschiedenen Initiativen wurde in den frühen 2020er Jahren erprobt, ob sich digitale Zeugnisse oder Qualifikationsnachweise auf Basis der Blockchain-Technologie fälschungssicher dokumentieren lassen. Allgemein könnten mit Hilfe der Blockchain auch Noten in einem einzelnen Fach transparent vergeben und festgehalten werden. Innerhalb einer Schule könnten Erkenntnisse über Lernende zusammengeführt werden, um personalisierte Förderung zu ermöglichen. Die Blockchain könnte aber auch Bildungsbiographien schulübergreifend dokumentieren oder als Netzwerk Kollaboration zu bestimmten Themen fördern. (Weitere Details hier) Für zukunftsorientiertes Lernen ist dabei jedoch nicht nur relevant, welche technischen Kompetenzen vermittelt werden, sondern welches Verständnis von Lernen zugrunde liegt. Lernen entsteht nicht allein durch den Erwerb von Nachweisen, sondern durch Auseinandersetzung, Beziehung, Irritation und Sinnbildung.

Darüber hinaus könnte die Blockchain die Aus- und Weiterbildung dahingehend reformieren, dass das Kompetenzprofil jeder Person in der Blockchain festgehalten wird und daraus abgeleitet werden kann, wer – z.B. aufgrund von Diplomen, Erfahrungen oder Microcredentials – für eine bestimmte (Teil-)Aufgabe eines Auftrags am besten geeignet ist. Für das Individuum wäre außerdem so auch erkennbar, wie es selbstbestimmt an seinem Profil arbeiten kann.  

Wie sich diese Logiken zuspitzen könnten, zeigt folgendes Gedankenexperiment:

Beispiel: Learning is Earning 2026

Das Institute for the Future aus Palo Alto, Kalifornien, hat sich 2016 mit dem Thema Blockchain & Bildung auseinandergesetzt und ein interessantes Spiel entworfen, bei dem es darum geht, im Rahmen eines Gedankenexperiments anzunehmen, dass Lernen und Geld verdienen eines Tages direkt miteinander verbunden sein könnten.

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Das Spiel ermöglicht ein Gedankenexperiment basierend auf dem Video. Als Teil des Materialpakets gibt es ein grafisch aufbereitetes interaktives Konzept, wie die Wirtschaft innerhalb dieses Gedankenexperiments aussehen und wie sich dies auf andere Bereich auswirken könnte.

Das Szenario verdeutlicht zugleich die Potenziale und Herausforderungen einer engen Verknüpfung von Lernen und ökonomischer Verwertung. Es wirft die Frage auf, inwieweit Bildung primär als Investition oder als gesellschaftliche und persönliche Entwicklungsaufgabe verstanden wird.

Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Lernen auf messbare und verwertbare Kompetenzen verkürzt wird. Zukunftsorientierte Bildung muss jedoch auch Umwege, Suchbewegungen und persönliche Entwicklungsprozesse ermöglichen, die sich nicht vollständig abbilden lassen.

Diese Art der Arbeitskräftegewinnung könnte als eine natürliche Folge aus der immer größer werdenden „Gig Economy“ (dt. Plattformarbeit) wachsen, die nicht erst seit der Corona-Pandemie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Microcredentials sind laut einer Definition der EU ein Qualifikationsnachweis, der im Rahmen eines inhaltlich abgegrenzten und transparent bewerteten Kurses oder Moduls erworben wird. Sie können sowohl vor Ort, Online oder in einem Blended Learning-Format erworben werden. Bekannte Anbieter sind Plattformen wie edX und Coursera. Dort bieten mitunter sehr renommierte Universitäten Kurs für alle Personen an. Dass Microcredentials als wichtig angesehen werden, erkennt man daran, dass die EU sie als Teil der Initiative für lebenslanges Lernen und ein Mittel, um Bildungsgerechtigkeit zu erlangen, erkannt hat. Sie könnten somit eines Tages die aktuell als unumgänglich angesehenen Diplome ersetzen.

Ein großer Teil von Lernen findet zudem informell, projektbasiert und in Gemeinschaften statt. Diese Lernformen sind für Persönlichkeitsentwicklung und demokratische Teilhabe zentral, lassen sich jedoch nur begrenzt zertifizieren.

Die Plattformarbeit bezieht sich auf das Angebot von Dienstleistungen über eine Plattform, wie dies zum Beispiel die Taxi-Alternative Uber ermöglich. Durch die Blockchain könnten diese Dienstleistungen nicht nur mit Geld, sondern auch zusätzlich mit nicht monetären Arten der Wertschätzung und der Qualifizierung sicher belohnt werden. Dass die Plattformarbeit an Bedeutung gewinnt, zeigen Initiativen zum Schutz der Plattformarbeiter auf der ganzen Welt.

Technische Lösungen wie die Blockchain ersetzen dabei keine arbeitsrechtlichen, sozialen und politischen Aushandlungsprozesse. Bildung muss Menschen befähigen, solche Entwicklungen kritisch zu reflektieren und mitzugestalten.

Teil 3: Transformative Perspektive

Auswirkungen der Blockchain auf andere Lebensbereiche

Die Blockchain kann potenziell in allen Bereichen zum Einsatz kommen, wo Daten fälschungssicher gespeichert, ausgetauscht und von jedem Menschen auf ihre Echtheit überprüft werden können sollen. Hier gibt es vielfältige Überschneidungen mit Bereichen wie der künstlichen Intelligenz und dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT).

Im Bereich der Kryptowährung wären finanzielle Transaktionen ohne eine zentrale Bank möglich. Dies könnte auf lange Sicht, die gesamte Finanzwelt verändern und transparenter machen.

Nach dem Internet 1.0, in welchem sich alles um die Übermittlung von Informationen drehte, und dem Internet 2.0, welches sozial und partizipativ ausgerichtet ist, könnte das Web 3.0 u.a. auf der Blockchain-Technologie basierend dezentraler werden. Zielvorstellungen sind dabei, dass Menschen mehr Hoheit über ihre eigenen Daten erhalten und Prozesse transparenter werden. Gleichzeitig gilt: Transparenz allein löst Probleme wie Desinformation, Hate Speech oder Moderation nicht automatisch, sondern verschiebt sie in neue Governance- und Verantwortungsfragen. Auch dezentrale Systeme benötigen Regeln, Standards und Verantwortlichkeiten. Wer diese gestaltet, kontrolliert und durchsetzt, bleibt eine zentrale gesellschaftliche Frage. (Weitere Informationen: hier)

In Bereichen wie der Wissenschaft könnten Forschungsdaten durch die Blockchain transparent kommuniziert und dokumentiert werden. Diese Transparenz könnte diverse aktuelle Probleme der Forschung lösen und auch Investoren im Rahmen von Crowdfunding-Kampagnen, potenziell in der Zukunft sogar auf Basis von Kryptowährungen, anlocken. (Weitere Informationen: hier)

Schließlich könnten auch das Gesundheitswesen und die Logistik allgemein von der Blockchain-Technologie profitieren, da durch sie fälschungssichere Daten lückenlos die Reise eines Produkts vom Produzenten bis zum Empfänger dokumentieren könnten und auch die Automatisierung von Prozessen möglich wäre. Konkret könnten im Gesundheitswesen zum Beispiel temperaturempfindliche Medikamente in Verbindung mit Sensoren (à Internet der Dinge – Link) sicher transportiert werden.

 

Herausforderungen der Blockchain

Darüber hinaus setzt der verantwortungsvolle Umgang mit Blockchain-Anwendungen digitale Mündigkeit voraus. Dazu gehören Urteilskraft, Datenschutzkompetenz und ein reflektierter Umgang mit Plattformversprechen. Ebenso wichtig ist das Bewusstsein für Sicherheitsrisiken, Machtasymmetrien und mögliche Formen von Missbrauch. Bildung muss hier nicht nur technische Fähigkeiten vermitteln, sondern auch Raum geben, ethische Orientierung, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, technologische Entwicklungen an menschlichen Bedürfnissen auszurichten zu entwickeln.

Zugleich können solche Entwicklungen ganze Branchen, wie zum Beispiel den Finanzsektor, obsolet machen und für Arbeitslosigkeit sorgen. Hier ist es die Aufgabe der Gesellschaft, Umschulungsangebote und soziale Unterstützungsleistungen für die Betroffenen bereitzustellen, um das Recht auf Arbeit, welches ein Menschenrecht darstellt, zu gewährleisten.

Außerdem kann ein dezentrales Netzwerk fehleranfällig sein, weil es keinen zentralen Ansprechpartner bei technischen Problemen gibt und das komplette Netzwerk schnell zusammenbrechen kann. Dies könnte in Bereichen wie dem Gesundheitssektor fatale Folgen haben.

Die Sicherheit der Blockchain basiert zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil auf der Qualität der Verschlüsselung. Die heute verwendeten Verschlüsselungstechniken sind mit heutigen Computern kaum zu knacken. Doch die nächste Computergeneration steht schon in den Startlöchern: Quantencomputer. Quantencomputer sind millionenfach schneller als heutige Computer, womit eine heute noch unknackbare Verschlüsselung kein Problem mehr darstellen würde und somit auch eventuell Blockchains bedroht werden könnten. Aktuell sind diese Computer weit davon entfernt, beim Konsumenten zu Hause zu stehen und sie sind auch noch sehr teuer, doch man sollte sich bereits heute darauf vorbereiten, dass in nicht allzu ferner Zukunft u.a. Kriminelle Zugang zu solchen Wundermaschinen haben könnten und somit bereits heute an alternativen Verschlüsselungsarten arbeiten.

Neben den genannten Punkten zeigen sich in der Praxis weitere Herausforderungen, die für eine breite Nutzung entscheidend sind. Dazu zählen Benutzerfreundlichkeit, die sichere Aufbewahrung privater Schlüssel, typische Betrugs- und Täuschungsmuster sowie die rechtliche Einbettung von Anwendungen in bestehende Rahmenbedingungen. Gerade nach dem Abflauen des Hypes ist es sinnvoll, diese Fragen nüchtern zu betrachten, weil sich Substanz meist erst in längeren Reifephasen zeigt.

Schließlich ist auch der Klimaschutz ein Thema, das mit der Blockchain zusammenhängt. Denn die Blockchain beruht auf der Verfügbarkeit der entsprechenden technischen Infrastruktur, die sehr viel Energie benötigt. Paradoxerweise könnte hier der Quantencomputer, der für die Verschlüsselung eine Gefahr darstellt, das Problem lösen, weil er nur ein Bruchteil des Stroms von aktueller Hardware benötigt.

Entscheidend ist letztlich nicht, ob Blockchain-Technologien eingesetzt werden, sondern wofür und in welchem pädagogischen Rahmen. Sie können zu mehr Teilhabe, Transparenz und Gestaltungsfähigkeit beitragen – oder bestehende Steuerungs- und Verwertungslogiken verstärken. Für eine Bildungstransformation im Sinne einer lebenswerten Zukunft kommt es daher auf Haltung, Beziehung und demokratische Gestaltung an.

Stephanie Wössner / Fabian Karg

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