Die Faszination von digitalen Spielen verstehen
Ob unterwegs mit portablen Geräten oder zu Hause am heimischen PC und an der Konsole – viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene spielen gerne. Doch was macht eigentlich die Faszination aus?
Die Faszination von digitalen Spielen verstehen
Digitale Spiele zählen in Deutschland inzwischen zum Kulturgut – sogar ganz offiziell. Denn der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen (Game) wurde 2018 in den Deutschen Kulturrat aufgenommen. Doch auch vor der Aufnahme waren digitale Spiele bereits bedeutender Teil der Freizeitkultur vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Laut JIM-Studie 2023 konsumieren mehr als zwei Drittel der deutschen Jugendlichen digitale Spiele täglich oder zumindest mehrmals in der Woche. Gleichzeitig wachsen die Gaming-Industrie und die dazugehörige Szene immer weiter: Messen zum Vorstellen von Spieleneuheiten wie die GamesCom in Köln genießen mittlerweile den Status von Megaevents mit globaler Berichterstattung. An oberster Stelle stehen heute die Smartphone-Spiele, gefolgt von Konsolen- und PC-Spielen. Knapp zwei Stunden täglich verbringen deutsche Jugendliche durchschnittlich mit digitalen Spielen.
GettyImages/hobo_018
Weshalb sind digitale Spiele so beliebt?
Die Faszination für digitale Spiele beruht auf mehreren Faktoren. Zum einen basiert sie auf dem Spielerlebnis selbst, zum anderen auf der vorhandenen Spielkultur, bei der auch soziale Netzwerke und Streaming-Plattformen eine Rolle spielen. Bestimmte Mechaniken kommen in vielen Spielen vor und wirken motivierend für die Spielerinnen und Spieler. Zu diesen Spielmechaniken zählen:
- Rückmeldung/Belohnung: Die Aktivitäten der Spieler/-innen führen zu einer unmittelbaren Rückmeldung der Leistung. Dies kann beispielsweise in Form eines Punktgewinns, einer Statusanzeige oder einem Ereignis im Spiel stattfinden. Weitere Beispiele für Belohnungen in digitalen Spielen sind Abzeichen, Levelaufstiege, der Erhalt virtueller Gegenstände oder der Ausbau von Fähigkeiten.
- Ranglisten: Der Wettbewerbscharakter kann durch Ranglisten verstärkt werden und somit motivierend auf die Spieler/-innen wirken. Sie können erbrachte Leistungen also in Vergleich mit denen anderer setzen.
- Zusammenarbeit: Bestimmte Spiele erfordern die Zusammenarbeit mehrerer Spieler/-innen. Der Teamgedanke und der mögliche Wettbewerb im Kampf gegen andere Teams können hier für Motivation sorgen.
- Storytelling: Erzählstrukturen bilden einen zentralen Bestandteil vieler Spiele. Der Fortgang der Geschichte und möglicherweise die Identifikation mit bestimmten Spielfiguren können Spieler/-innen dazu motivieren, weiterzuspielen.
- Schwierigkeitsstufen: Viele Spiele arbeiten mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen, sodass Spielergruppen mit unterschiedlichen Spielerfahrungen und Fertigkeiten Erfolgschancen haben.
- Trial-and-Error-Prinzip: Gelingt es den Spielerinnen und Spielern nicht, ein Ziel innerhalb von digitalen Spielen beim ersten Versuch zu erreichen, so können sie den entsprechenden Spielabschnitt in der Regel ohne größere Konsequenzen erneut absolvieren.
Online-Spiele als soziale Netzwerke
Online-Spiele haben sich inzwischen zu virtuellen Orten des sozialen Miteinanders entwickelt, wo gechattet oder per Headset kommuniziert wird. Für viele Jugendliche spielen die Spielmechaniken selbst dabei nur eine Nebenrolle. Sie verabreden sich mit Freunden in Online-Spielen wie Fortnite, wobei die Spielwelt in den Hintergrund rückt. Bestimmte Spiele haben sich inzwischen als soziale Räume etabliert und vor allem für jüngere Nutzer/-innen soziale Netzwerke abgelöst. Umgangsformen aus digitalen Spielen werden dabei auch ins echte Leben übertragen. Prominentes Beispiel sind beispielsweise Tänze aus Fortnite, die inzwischen sogar von Fußball-Profis als Form des Torjubels aufgeführt werden.
Trotz oder gerade aufgrund ihrer Popularität haben viele Online-Spiele mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen wie klassische soziale Netzwerke. Auch hier sind Phänomene wie Cybermobbing, Fake News und Hatespeech zu finden. Vor allem die Anonymität der Nutzer/-innen durch die Nutzung von Avataren und Nicknamen schafft hier den Nährboden für entsprechende Erscheinungen.
Faszination Let’s Play Videos
Anderen Spielerinnen und Spielern beim Spielen zusehen – so könnte man das Grundprinzip von sogenannten Let’s Play Videos beschreiben. Bekannte Plattformen für Let’s Play Videos sind vor allem YouTube und Twitch. Viele Online-Shops für Spiele (beispielsweise die Shops der Spielkonsolen Xbox und Playstation) haben ihr Spielangebot auch bereits direkt mit Let’s Play Videos und Livestreams der jeweiligen Spiele verknüpft. So bieten sie Interessierten neben dem Unterhaltungsfaktor auch einen ersten authentischen Praxiseindruck der jeweiligen Spiele.
Die Faszination für Let’s Play Videos beruht auf mehreren Faktoren: Zum einen steckt hinter jedem Kanal eine Persönlichkeit, die ihren Zuschauerinnen und Zuschauern das Gefühl gibt, ihnen vertraut zu sein. Gleichzeitig bilden sich hierdurch Communities. Livestreams der Spiele bieten durch Kommunikationsmöglichkeiten wie Chats die Möglichkeit der sozialen Interaktion. Darüber hinaus weisen viele Videos schlichtweg einen Unterhaltungswert auf, da die Streamerinnen und Streamer das Spielgeschehen mit lustigen Kommentaren und persönlichen Anekdoten unterlegen. Wenn die Streamer/-innen auf Chatäußerungen der Fans eingehen, geben sie ihnen zudem das Gefühl, nahbar zu sein. Dies ist besonders relevant, schließlich genießen viele Let’s Player inzwischen den Status als Megastars innerhalb ihrer Zielgruppen.
Let’s Play Videos haben vor allem unter männlichen Jugendlichen eine hohe Relevanz. Dies äußert sich unter anderem darin, dass die Erstellung von Let’s Play Videos für viele Jugendliche inzwischen zum Berufswunsch wurde.
Sascha Schmidt
Diese Seite teilen:












