Unternehmen führen Gütesiegel für künstliche Intelligenz ein
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Branchenverband will ethische Standards zum Wettbewerbsvorteil machen
Vertreterinnen und Vertreter der Medienethik fordern schon seit Jahren, dass es ethische Standards bei Entwicklung und Einsatz Künstlicher Intelligenzen (KI) geben müsse. Deutsche Unternehmen haben sich jetzt auf ein entsprechendes Gütesigel geeinigt.
Der KI Bundesverband e.V. hat vor kurzem ein Gütesiegel für KI eingeführt. Damit verfolgt der Verband nach eigenen Angaben das Ziel, ethisch verträgliche Produkte und einen „menschen-zentrierten und menschen-dienlichen“ Einsatz von KI zu garantieren. Dabei stehen Gütekriterien in Bezug auf Ethik, Unvoreingenommenheit, Transparenz, Sicherheit und Datenschutz im Mittelpunkt. Deutsche Unternehmen sollen so die Möglichkeit erhalten, sich auf die Einhaltung grundlegender Qualitätsstandards berufen zu können. Damit soll, so der Verband, Vertrauen in der Gesellschaft aufgebaut und die internationale Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden.
Zuletzt hatte Petra Grimm, Professorin für Medienethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart, in diese Richtung gewiesen. Sie sagte auf den Stuttgarter Tagen der Medienpädagogik, dass gerade die Einhaltung ethischer Grundstandards ein Wettbewerbsvorteil europäischer KI-Unternehmen gegenüber den USA und China sein könne.
Zu den ethischen Kriterien, die von dem Verband zum KI-Gütesiegel genannt werden, gehören „europäische Grundwerte“ wie Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Es sollen Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit der Geschlechter gesichert werden. Der Mensch soll in der Interaktion mit der Maschine stets die Möglichkeit behalten, ein System anzuhalten oder abzuschalten.
Auch der Datenschutz soll garantiert werden
Ein häufiges Problem von KI-Systemen ist das sogenannte Bias. Damit sind verzerrte Daten gemeint, etwa Ergebnisse aus repräsentativen Befragungen, die aufgrund von Vorurteilen und Lebenserfahrungen der Fragesteller entstehen. Solche Verzerrungen können sich in technischen Systemen widerspiegeln, durch ungeeignete Datenauswahl oder fehlerhafte Algorithmen. Werden solche fehlerhaften Daten in KI-Systeme eingespielt, reproduzieren diese die vorhandenen Stereotypen und verstärken sie. Der Verband fordert daher für die Erteilung des Gütesiegels, dass die Ergebnisse der Bias-Erkennung regelmäßig dokumentiert werden müssen.
Das Gütesiegel verlangt zudem, dass die Ergebnisse von KI-Modellen stets nachvollziehbar und transparent bleiben. Hier kommt jedoch die Einschränkung hinzu, die genannten Punkte seien zu anzuwenden, „falls nicht explizite Gründe dagegen sprechen“.
Zuletzt sollen sich die Unternehmen verpflichten, die für die Systeme notwendigen Daten datenschutzkonform zu sammeln, verwahren und zu verarbeiten.
Der KI Bundesverband e.V. ist ein 2018 gegründeter Zusammenschluss von deutschen Unternehmen, deren zentraler Geschäftszweck die Entwicklung und Anwendung von Technologien auf Basis von KI ist. Er setzt sich für die Interessen der Branche ein und möchte Deutschland als Standort für KI-Unternehmen stärken.

