Tablets im Unterricht – Wie führe ich Verhaltensregeln ein?

Madeleine Hankele-Gauß
Ein Mädchen sitzt in einem Klassenzimmer und hält lächelnd ein Tablet in beiden Händen.

Damit Tablets ihr Potenzial beim Lernen voll entfalten können und nicht zum Störfaktor werden, sollten Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Klassen Verhaltensregeln im Umgang mit iPad und Co. einführen. | insta_photos – stock.adobe.com

Wie mit Tablets umgehen, damit alle gut lernen können?

Sie bieten schier endloses Potenzial für selbstständiges Lernen, Recherche, kreatives Arbeiten und Teamwork – können aber auch zum Störfaktor im Klassenzimmer werden. Die Rede ist von Tablets im Unterricht. Damit iPad und Co. ihr positives Potenzial entfalten können, sollten Lehrkräfte bereits vor der ersten Nutzung Verhaltensregeln für den Umgang mit Tablets einführen. Dies gelingt am besten in einem gemeinsamen Prozess mit den Schülerinnen und Schülern.

„Wie sollte ich mit dem Tablet umgehen, damit alle gut lernen können und sich respektiert fühlen?“ – Mit einer offenen Fragestellung dieser Art können Lehrkräfte optimal in eine Unterrichtsstunde zu Tablet-Regeln einsteigen. In einem gemeinsamen Brainstorming können erste spontane Antworten der Schüler/-innen gesammelt werden. Warum ist das sinnvoll?

  • Der oder die Einzelne wird direkt angesprochen und in die Verantwortung genommen, sich selbst sinnvolle Regeln zu überlegen.
  • Die Akzeptanz der später festgelegten Verhaltensregeln wird gesteigert: Die Schüler/-innen können den Sinn hinter vorgeschlagenen Regeln diskutieren und nehmen sie dadurch weniger als „übergestülpte Verbote“ wahr.
  • Die Verständlichkeit der Regeln wird garantiert, da schülereigene Formulierungen übernommen werden können.

Welche Bereiche im Umgang mit iPad und Co. können geregelt werden?

Im Anschluss an das Brainstorming daran können wichtige und häufig genannte Antworten herausgefiltert werden. Um diese Antworten zu strukturieren, können sie zu thematischen Inhaltsbereichen geclustert werden. Die vorgeschlagenen Regeln könnten dabei folgende Bereiche berühren:

  • Nutzung von Apps und Programmen (z.B. Zulassung von Apps für schulische Aufgaben und Kommunikation)
  • Zulässigkeit von Bild-, Ton- und Videoaufnahmen vor dem Hintergrund des Rechts am eigenen Bild (z.B. Erlaubnis der dargestellten Person einholen, keine Weitergabe an Dritte)
  • Verbot der Tabletnutzung in bestimmten Phasen des Unterrichtstags (z.B. während Referaten, Diskussionen, Klausuren oder Pausen)
  • Sicherstellen der Einsatzbereitschaft der Geräte (z.B. Akku aufladen, Zubehör mitbringen, Updates durchführen, Stift und Papier als analoge Alternative mitbringen)
  • Sorgsame und hygienische Behandlung der Geräte (z.B. kein Essen und Trinken während der Tabletnutzung, mit beiden Händen halten)
  • Sicherheit und Jugendschutz (z.B. Passwortschutz des Tabletzugangs, Verbot von pornografischen, gewaltverherrlichenden oder rassistischen Inhalten)

Von der Nutzungsordnung zu den zehn goldenen Regeln

Da viele Schulen bereits über eine schuleigene Nutzungsordnung für Informations- und Kommunikationstechnik verfügen, ist es im nächsten Schritt sinnvoll, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einen Blick in diese Ordnung zu werfen. Sie beschreibt ausführlich, welche Gebote und Verbote im Umgang mit Tablets, Smartphones, Laptops, Desktop-PCs und WLAN an der jeweiligen Schule gelten. Bei einer längeren Nutzungsordnung bietet es sich an, dass die Schüler/-innen den Text arbeitsteilig in Gruppen erarbeiten. Dabei sollten sie die wichtigsten Nutzungsregeln herausfiltern, in eigenen Worten formulieren und der Klasse vorstellen.

Im Anschluss erfolgt ein Abgleich zwischen den von der Klasse vorgeschlagenen Tablet-Regeln und den Regeln aus der Nutzungsordnung:

  • Welche Gebote doppeln oder ähneln sich – und können zusammengeführt werden?
  • Welche Verhaltensregeln müssen ergänzt werden?
  • Welche Regelvorschläge können verworfen werden, um die Sammlung auf ein überschaubares Maß „einzudampfen“?

Ziel der Unterrichtsstunde könnte es zum Beispiel sein, die „10 goldenen Regeln der Tabletnutzung im Klassenzimmer“ zu formulieren. Diese können auch das Ergebnis einer Abstimmung unter den Kindern und Jugendlichen sein.

Tipps zum Formulieren und Präsentieren der Verhaltensregeln

Sobald die zehn goldenen Verhaltensregeln gefunden sind, geht es an den Feinschliff. Damit die oder der Einzelne sie als verbindlich wahrnimmt, sollten die Regeln als positive Ich-Aussagen formuliert werden. Ein Beispiel hierfür wäre der Satz: „Bild-, Video- und Tonaufnahmen einer anderen Person fertige ich ausschließlich mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis an.“ Ein Negativbeispiel hingegen wäre dieser als Verbot formulierte Satz: „Fertige keine Bild-, Video- und Tonaufnahmen einer Person an, die dir keine Erlaubnis dazu erteilt hat.“ Kurze, einfach konstruierte Sätze möglichst ohne Fremd- und Fachwörter fördern zudem das Verständnis und die Eingängigkeit der gefunden Tablet-Regeln.

Damit der gewünschte Umgang mit Tablets dauerhaft seinen Weg ins Klassenzimmer findet, sollten die Schüler/-innen die Regeln stets vor Augen haben – zum Beispiel in Form eines großflächigen Plakats. Auch ein Spickzettel oder laminierte Bildkarten zu jeder Regel können im Unterricht an die getroffenen Vereinbarungen erinnern. Um die Verhaltensregeln zu verinnerlichen, kann außerdem ein Quiz zum Thema hilfreich sein. Nach einer gewissen Übergangszeit sollten schließlich auch klare Konsequenzen benannt werden, die bei ein- oder mehrmaligem Verstoß gegen die Verhaltensregeln eintreten können. Der Fokus sollte jedoch stets darauf liegen, die Schüler/-innen positiv dazu zu motivieren, die Regeln im Sinne eines angenehmen Lernklimas einzuhalten.
 

Falls Ihre Schule noch keine Nutzungsordnung verabschiedet hat, finden Sie hier Tipps zum Erstellungsprozess sowie eine beispielhafte Muster-Nutzungsordnung. Umfassende Hinweise zur Integration von iOS-Tablets in den schulischen Alltag bietet diese LMZ-Broschüre.

Madeleine Hankele-Gauß

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