JIM-Studie 2025: Kontakt mit Fake News und Hatespeech steigt
Kinder und Jugendliche verbringen täglich vier Stunden am Smartphone, wünschen sich dennoch öfter Offline-Zeit. | Drazen - adobestock.com
Studie untersucht Medienkonsum und KI-Nutzung von Kindern und Jugendlichen
Die jährliche JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) dokumentiert seit fast 30 Jahren das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen und ist ein guter Stimmungsmesser, wie Kinder und Jugendliche die eigene Mediennutzung wahrnehmen. Für die aktuelle Studie 2025 wurden in einer repräsentativen Umfrage 1.200 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt.
Vier Stunden täglich online
Hauptgerät für die persönliche Mediennutzung ist das Smartphone, fast alle der Befragten (95 %) besitzen ein eigenes Gerät. Und das benutzen sie täglich, im Durchschnitt vier Stunden pro Tag. Während jüngere Kinder etwas weniger Zeit am Handy verbringen, steigt die Nutzungszeit mit den Jahren immer weiter an. Bei Volljährigen kommen so schon fünf Stunden und mehr zusammen. Für die aktuelle Studie wurden die Kinder und Jugendlichen erstmals gefragt, ob es von ihren Eltern Einschränkungen in Bezug auf ihre Handynutzung gibt, entweder durch Absprachen oder technische Einstellungen. Lediglich 28 % der Befragten berichten von Einschränkungen: Je jünger die Befragten, desto häufiger gibt es Regelungen.
Offline sein ist häufiger Wunsch
Viel Zeit am Handy bedeutet aber nicht mehr Zufriedenheit, ganz im Gegenteil: Die Mehrheit der 12- bis 19-Jährigen ist laut eigener Aussage häufig länger am Handy, als ihnen lieb ist. Über die Hälfte (67 %) sagt sogar, dass sie es genießen, auch einmal offline zu sein und Zeit ohne Smartphone und Internet zu verbringen . 2024 waren es noch 59 %. Doch nicht immer schlägt sich diese Einsicht auch in konkretem Verhalten nieder: Die Smartphonenutzung reicht bis spät in die Nacht und raubt den Jugendlichen den Schlaf. Drei von zehn Befragten berichten, dass sie sich morgens oft müde fühlen, weil sie in der Nacht zu lange am Handy waren.
WhatsApp weiterhin Favorit
Mit was beschäftigen sich die jungen Menschen, wenn sie Zeit am Handy verbringen? Internetnutzung und Musikhören gehören zu den Hauptaktivitäten. Und wenn es zur Nutzung von Apps kommt, spielen Social-Media-Plattformen und Messenger-Dienste weiterhin die größte Rolle. Ganz vorne mit dabei: WhatsApp, YouTube, Instagram, Snapchat und TikTok. Zwar zeigen sich speziell beim Messenger-Dienst WhatsApp geschlechterspezifische Unterschiede – Mädchen und junge Frauen versenden mehr Sprachnachrichten und nutzen häufiger Emojis und Sticker. Doch Kommunikation und Vernetzung durch Textnachrichten machen ihn weiterhin zur beliebtesten und meistgenutzten App über alle befragten Altersgruppen hinweg.
Social-Media-Apps bzw. Influencerinnen und Influencer bestimmen auch, wie sich Kinder und Jugendliche über das Tagesgeschehen informieren: Zwar spielen Content-Creator aus den Bereichen Beauty, Gaming oder Comedy eine große Rolle, aber mit zunehmendem Alter folgen die Jugendlichen vermehrt Accounts, die über aktuelle Nachrichten berichten (48 % bei den 16- bis 19-Jährigen).
KI als Alltagswerkzeug
Die KI-Nutzung gehört mittlerweile selbstverständlich zum Alltag der Befragten: 85 % nutzen ChatGPT und Co. vor allem für die Schule, zum Lernen und für die eigene Recherche. Zwar ist Google als Suchmaschine immer noch führend, ChatGPT ist aber aufgerückt und hat YouTube vom zweiten Platz verdrängt. Hilfe bei den Hausaufgaben, Anleitungen finden und Spaß spielen bei der KI-Nutzung die größte Rolle für die Befragten – ohne nennenswerte Unterschiede bei den Geschlechtern. Insgesamt hat sich KI zu einem Alltagswerkzeug für die Jugendlichen entwickelt, vor allem im schulischen Kontext.
Fake News und Desinformation: ein wachsendes Problem
Die Schattenseite der gestiegenen Mediennutzung ist, dass Kinder und Jugendliche immer häufiger problematischen Inhalten und Desinformation begegnen. Die aktuelle Studie zeigt, dass 67 % der Jugendlichen angegeben hatten, im letzten Monat Fake News begegnet zu sein. Mehr als die Hälfte hatte negative Erfahrungen mit extremen politischen Ansichten gemacht. Ein großer Anteil (47 % bzw. 46 %) hatte außerdem Kontakt mit Hassbotschaften und Verschwörungstheorien. Und auch pornografische Inhalte werden den Jugendlichen ungewollt angezeigt: ein Drittel hat damit Erfahrung gemacht. In allen Bereichen gab es bei der aktuellen Befragung einen Zuwachs, von dem vor allem ältere Jugendliche betroffen sind.
Fazit: Medienkompetenz stärken – Orientierung im digitalen Alltag
Die aktuellen Ergebnisse der JIM-Studie 2025 zeigen deutlich, dass die Medienwelt von Kindern und Jugendlichen komplexer denn je ist: Einerseits prägen Smartphones, Social Media und KI-Tools den Alltag intensiv, andererseits wächst das Bedürfnis nach Offline-Phasen und mehr Abstand zum digitalen Raum. Für Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern bedeutet das, junge Menschen stärker dabei zu unterstützen, eine reflektierte, gesunde und sichere Mediennutzung zu entwickeln. Besonders die zunehmende Konfrontation mit Fake News und Desinformation unterstreicht, wie wichtig eine kontinuierliche Begleitung und Stärkung der Medienkompetenz ist, sowohl im schulischen Kontext als auch im Elternhaus.
Angebote des Landesmedienzentrums
Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg bietet Lehrkräften, Pädagoginnen und Pädagogen und Eltern sowie Kindern und Jugendlichen selbst umfassend Unterstützung beim Erwerb und der Vermittlung von Medienkompetenz. Dies umfasst persönliche Beratung, Workshops, Unterrichtsmaterial, Selbstlernkurse und Kampagnen.
Unsere Angebote für Lehrkräfte, Eltern, Kinder und Jugendliche auf einen Blick
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