Historisches Bild des Monats September
Göttin Juno im privaten Bereich des Appartements der Markgräfin Sibylla Augusta (1675–1733). | LMZ (Steffen Hauswirth)
Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv
Das Bild des Monats September steht bereits ganz im Zeichen des Herbstes und knüpft zugleich an das vorherige Monatsbild an, das die Göttin Juno im privaten Bereich des Appartements der Markgräfin Sibylla Augusta (1675–1733) zeigt. Anlässlich ihres 350. Geburtstags rückt nun die Markgräfin selbst in den Mittelpunkt.
Sie erscheint in einem herbstlichen Kostüm, geschmückt mit Weintrauben, und trägt eine aufwendig frisierte und ebenfalls mit Weintrauben geschmückte Perücke. Im Hintergrund ist eine Mauer zu sehen, die ebenfalls von Weinreben umrankt ist. Das kleine Gemälde stammt aus den Jahren 1700 bis 1706, wurde mit Tempera / Gouache auf Pergament gemalt und anschließend auf Holz aufgezogen. Das Foto stammt von Steffen Hauswirth.
Das Gemälde gehört zu einer Serie von ursprünglich 73 sogenannten „Masqueraden“ (Kostümbildern), die die Markgräfin, ihren Ehemann, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707), sowie zwei ihrer insgesamt neun Kinder in verschiedenen Verkleidungen zeigen. Vermutlich stammen diese Werke von ihrem Hofmaler Ludwig Ivenet. Heute sind noch 56 dieser Bilder erhalten.
Diese Kostümbilder sind ein Beispiel barocker Selbstdarstellung. Wie auch die Fresken und Stuckdekorationen im Schloss Rastatt dienen sie der Verherrlichung des Hauses Baden. Dort wird der Markgraf – bekannt als „Türkenlouis“ – in verschiedenen Gestalten antiker Götter und Helden dargestellt. So werden seine Erfolge im Großen Türkenkrieg (1683–1699) eindrucksvoll inszeniert.
Auch in den Kostümbildern schlüpften die Herrscher selbst in verschiedene Rollen und verkörperten so Macht und Stil im Rahmen barocker Maskenspiele. Eines der Bilder zeigt die Markgräfin beispielsweise als Sklavin – allerdings in prachtvoller Kleidung und mit einer zarten Kette, die wie ein modisches Accessoire um das Handgelenk gelegt ist. Andere Bilder zeigen das Markgrafenpaar in osmanischer Kleidung, was wohl auf einen Herrschaftsanspruch anspielt.
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Sibylla Augusta als junge Witwe die Regentschaft. Mit dem Einsatz ihres Privatvermögens, kluger Sparpolitik und Verhandlungsgeschick gegenüber dem Kaiserhaus gelang es ihr, die vom Krieg schwer mitgenommene Markgrafschaft finanziell zu stabilisieren und zu neuer Blüte zu führen.
Neben dem Bau des Lustschlosses Favorite in Rastatt-Förch förderte sie auch Bildung und Religion, indem sie Schulen, Kirchen und weitere Bildungseinrichtungen finanzierte. Auch nach dem Ende ihrer Regentschaft im Jahr 1727, als sie sich ins Schloss Ettlingen zurückzog, feierte die fromme Markgräfin dort fröhliche und fantasievolle Maskenfeste und Mottopartys – ein Ausdruck ihrer Lebensfreude und Kreativität.
Weitere Kostümbilder finden Sie hier:
Viele digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.
Hier gehts zur SESAM-Mediathek

