Historisches Bild des Monats November

Zita Bugbee
Schwarz-weiß Foto. Ein Steg im Nebel in Immenstaad. Aufnahmejahr: 1982.

Nebel am Steg in Immenstaad, 1982. | LMZ (Dieter Jaeger)

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Wenn die Tage kürzer werden, die Sonne immer seltener und schwächer scheint, und sich viele Menschen nach den warmen Sonnenstrahlen sehnen, bricht für manche Landschaftsfotografinnen und -fotografen eine reizvolle und inspirierende Zeit an. Denn wenn die Sonne fast am Boden entlangschleift und im besten Fall nur noch diffuses Licht spendet, bildet sich in Tälern, über Seen und im Wald dichter Nebel, der für stimmungsvolle Bilder sorgt.

Bereits in der Romantik tauchen in Nebel gehüllte Landschaften in der Malerei auf. Sie lassen sich auf Papier oder Leinwand in Gouache, Aquarell, Sepia und sogar in Öl bewundern. Sie tragen eine traumartige Atmosphäre und metaphysische Stimmung in sich und reißen die Zuschauer in die inneren Seelenlandschaften des Künstlers mit. Oft sind sie zugleich symbolträchtig und meditativ. Kein Wunder also, dass sich auch die frühen Fotografen, die oft noch an der Schwelle zwischen Malerei und Fotografie standen und gezielt nach Berührungspunkten zwischen beiden Kunstarten suchten, dieses Thema entdeckten.  Sie versuchten, mit den technischen Möglichkeiten der Fotografie malerische Effekte zu erzeugen: Was in der Malerei durch Lasurfarben, sanfte Farbverläufe und besondere Maltechniken entsteht, lässt sich in der Fotografie durch die richtige Kameraeinstellung, die Auswahl des Films und Hilfsmittel wie Farbfiltern oder Streulichtblenden erreichen. Diese Atmosphäre fotografisch einzufangen, ist allerdings eine Herausforderung – insbesondere in der analogen Farbfotografie.

Als „Bild des Monats“ haben wir ein Farbfoto ausgewählt, das die Stimmung des Novembers auf besonders eindrucksvolle Weise vermittelt. Wenn wir noch bei den Analogien zur Malerei bleiben möchten, erinnert es an Bilder der japanischen Tuschmalerei und knüpft an den erwähnten Piktorialismus aus der Anfangszeit der Fotografie an. 

Das gezeigte Kleinbild-Diapositiv aus dem Jahr 1982 zeigt den Landungssteg am Ende der Uferpromenade in Immenstaad am Bodensee, aufgenommen von Westen, an einem nebeligen Novembervormittag. Der Fotograf der Landesbildstelle Württemberg, Dieter Jaeger, wählte die Kameraeinstellungen seiner Spiegelreflexkamera und die Lichtempfindlichkeit des Filmes mit großer Sorgfalt. Durch das Zusammenspiel einer relativ großen Blendeöffnung (wahrscheinlich f 2.8-f 4), einem Normal-bis leichtem Teleobjektiv und kürzerer Belichtungszeit gelang ihm dieses Bild, wo die fliegenden Möwen besonders scharf vor dem weichen, fast malerischen Hintergrund erscheinen. Die leicht grünlich-graue Farbgebung ist typisch für damalige Agfachrome oder Fujichrome  Filme, da Kodachrome deutlich rötlicher wirkt. 

Dieter Jaeger war während seiner 44-jährigen Dienstzeit vor allem für Reproduktionen zuständig und galt als geschätzter Fotograf im Bereich der Denkmalfotografie. 

Das hier gezeigte Foto bewegt sich im Grenzbereich zwischen Dokumentarfotografie und der poetischen, subjektiven Fotografie. Es zeigt eindrucksvoll, dass es unter seinen Bildern noch viel zu entdecken gibt.

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