Historisches Bild des Monats Februar

Zita Bugbee
Schwarzweiß-Foto Große Ulme bei Denkendorf 1910 (Fotograf: Otto Feucht)

Große Ulme bei Denkendorf 1910 | LMZ (Otto Feucht)

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Das Bild des Monats Februar zeigt die Große Ulme bei Denkendorf. Die Fotografie wurde im Jahr 1910 von Otto Feucht angefertigt, der als einer der Wegbereiter des Naturschutzes in Württemberg gilt.

Otto Feucht wurde am 19. Februar 1879 in Stuttgart geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Calw. Durch seinen Vater, der das seltene Handwerk des Lederschneiders und -treibers ausübte, hatte er von Anfang an einen engen Bezug zum Kunsthandwerk und durch die Nähe zum Schwarzwald auch zur Natur. Seine Berufswahl führte ihn in den Forstberuf, für den er sich in Tübingen einschrieb und 1904 seine Ausbildung für den Staatsforstdienst abschloss. Ab 1906 war er als Forstmann im Schwarzwald tätig, wo die Königliche Württembergische Forstdirektion auf seine fundierten Kenntnisse in der Vegetationskunde aufmerksam wurde. Aus diesem Grund ermöglichte man ihm eine Ausbildung als Fotograf, und er erhielt den Auftrag, bemerkenswerte Bäume und typische Vegetationsbilder zu fotografieren und fachkundlich zu beschreiben. Im Jahr 1908 erhielt er eine Plattenkamera mit einem Stativ, womit er auch im Inneren des Waldes fotografieren konnte.  Sein Gesamtwerk umfasst mehr als 350 Veröffentlichungen, in denen Bild und Text eine Einheit bilden und weit über die sachliche Dokumentation hinausreichen.

Otto Feucht ging erst mit 70 Jahren als Leiter des Forstamtes Solitude in den Ruhestand, war aber auch danach noch als Bezirksbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege in Stuttgart bis 1954 tätig. 

Er verstarb am 25. Juli 1971 in Stuttgart. 

Otto Feucht wird nicht nur als Begründer des sich seit 1910 formierenden Natur- und Heimatschutzes angesehen, sondern auch als Pionier der Pflanzenfotografie. Seine Werke stellen die Pflanzenwelt in ihrem Lebensraum in ganzheitlicher Weise dar.

Ab den 1920er Jahren wandte er sich zunehmend der fotografischen Dokumentation forstlicher Arbeiten zu, doch die Themen des Einzelbaumes und des Waldes begleiteten ihn sein Leben lang.

Die vorliegende Fotografie zeigt den Baum (Ulmus montana) in seiner natürlichen Umgebung und erhebt ihn zum zentralen Merkmal des Ortes, welches das untenliegende Dorf mit dem oben dargestellten Kloster verbindet und das Dorfbild entscheidend prägt. Das Foto erschien 1911 im "Schwäbischen Baumbuch" (Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart) und zeichnet sich durch seinen gut durchdachten Bildaufbau aus.

Der Großteil seines fotografischen Nachlasses, der etwa 2500 Glasplatten umfasst, wird seit den 1930er Jahren im heutigen Landesmedienzentrum Baden-Württemberg aufbewahrt. 

 

Literatur: Feucht, Otto: Schwäbisches Baumbuch. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart, 1911 

H. U. Moosmayer: Otto Feucht, in: Schriftenreihe der Landesforstverwaltung B-W, Band 55, Selbstverlag der Forstverwaltung B-W, S. 152-156 

Dr. Claudia Bieling, Johanna Gässler: 100 Jahre „Schwäbisches Baumbuch“: Die Fotografien von Otto Feucht im Dienste des Natur- und Heimatschutzes in Württemberg“ Manuskript im Archiv des Fotoarchives des Landesmedienzentrum B-W. 2011 
 

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