Historisches Bild des Monats August
Deckenfresko der Göttin Juno im Schloss Rastatt. Gemalt von Giuseppe Roli und seinen Schülern zwischen 1704 und 1707. Fotografie 1989. | LMZ (Lutz Hecker)
Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv
Das Bild des Monats August steht ganz im Zeichen des Sommers. Es ist eine Barock-Darstellung der Göttin Juno, der Namensgeberin des Sommermonates Juni, die hier in einer von Blumen, Früchten und himmlischen Geschöpfen geschmückten Umgebung gezeigt wird. Das Deckenfresko befindet sich im Schloss Rastatt, das 1697- 1707 im Auftrag des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707) nach den Plänen des italienischen Malers und Architekten, Domenico Egidio Rossi erbaut wurde.
Die lebendige Himmelszene zeigt die Hauptgöttin der römischen Mythologie prachtvoll geschmückt und in entspannter Körperhaltung auf einer Wolke sitzend. Mit dem rechten Ellbogen stützt sie sich auf die Wolken und blickt in dieselbe Richtung, während ihr Oberkörper frontal dargestellt ist. Ihr rechtes, angewinkeltes Bein ruht ebenfalls auf einem Wolkenkissen, das unbedeckte Knie zeigt aber nach links, diese Richtung wird auch durch ihren linken Unterarm und Handgeste betont. Dass es sich dabei um Juno handelt, verraten gleich mehrere Details: die Krone, die ein Putto über ihrem Haupt hält und das Zepter in ihrer rechten Hand. Auf der benachbarten Wolke ist zudem ein Pfau zu sehen – ihr ständiges Attribut. Der prächtige Vogel, der Schönheit und Liebe symbolisiert, wird hier liebevoll von einem Putto mit Beeren gefüttert. Um die Hauptfigur sind weitere Putti zu sehen, die sich pustend an sie wenden und dadurch das Element „Luft“ zum Ausdruck bringen, welches in allegorischen Darstellungen ebenfalls für Juno steht. In den Ecken sind Stuckfiguren von Planetgöttinnen dargestellt, die Sterne in den Händen halten. Gemalt wurde das Fresko zwischen 1704 und 1707 von Giuseppe Roli und seinen Schülern Giuseppe Antonio Caccioli und Pietro Antonio Farina. Sie waren Maler der Bologneser Schule, die bereits ab dem 16. Jahrhundert einen bedeutenden Beitrag zur akademischen Barockmalerei geleistet hatte. Das Deckenfresko ist eines der ersten Dekorationsbeispielen in deutschen Profanbauten, die illusionistische Architekturmalerei, Stuckatur und Hauptgemälde zu einer Einheit verbinden. Das Bild befindet sich auf der Beletage des Schlosses, auf der nördlichen Hofseite, im privaten Bereich des Appartements der Markgräfin Sibylla Augusta (1675-1733). Es ist Teil eines Bildzyklus, der sich von ihrem Schlafzimmer aus über drei Privaträume zieht und den römischen Göttinnen Venus, Tellus, Juno und Flora gewidmet ist. Die etwas freizügigere Darstellung von Juno, die sonst auch als Hüterin der Ehe galt, könnte darauf hindeuten, dass der Bildzyklus Sibylle Augusta als „Beschützerin des Wachstums und glücklichen Lebens“ vergegenwärtigt. *
Das Foto stammt von Lutz Hecker, der zwischen 1987 und 1991 im Dienst der Landesbildstelle Baden stand. Es entstand im Rahmen einer langjährigen Kooperation mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg und wurde auch im Schlossführer veröffentlicht. **
*Jennifer Tamina Afzal
**Schlossanlagen und Schlossausstattungen von Fürstinnen im deutschsprachigen Raum, Dissertation, Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn, 2025, S. 115, Zit. nach Ulrike Grimm, in: Ulrike Grimm, Die Dekorationen im Rastatter Schloss. 1700–1771. Diss.-Schr. Freiburg 1977/ Karlsruhe 1978, S. 88.
Viele digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden:
Hier gehts zur SESAM-Mediathek

