Historisches Bild des Monats April

Zita Bugbee
Foto Kirschblütenbäume - Blick zum Hohenneuffen von Nordwesten 1925-1930

Blick zum Hohenneuffen von Nordwesten 1925-1930 | LMZ/Dr. Otto Lossen

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Blick zum Hohenneuffen von Nordwesten 1925-1930

Wenn die dunkle Jahreszeit überstanden ist, zeigen sich die bekannten Motive der Natur wieder in täglich wechselnder, bunter Pracht. Sicherlich gehört die Kirschblüte zu den meistfotografierten Frühlingsmotiven, denn viele versuchen, die schnell vergängliche Schönheit dieser Jahreszeit zumindest mit fotografischen Mitteln festzuhalten.

Dass dies nicht nur mit Hilfe der neuesten Technik und auch ohne Farbfilm erfolgreich gelingen kann und man dafür nicht einmal weit reisen muss, beweist unser Bild des Monats.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme des Fotografen und promovierten Chemikers Dr. Otto Lossen (1875–1938) zeigt die Kirschblüte am Albtrauf vor beinahe hundert Jahren. Dass das Bild auch in Schwarz-Weiß die natürlichen Farben erahnen lässt, liegt zum größten Teil an der speziell beschichteten sogenannten orthochromatischen Glasplatte, die bei dieser Fotografie verwendet wurde.

Diese Silbergelatine-Trockenplatten reagieren durch die Zugabe spezieller Farbstoffmoleküle in der fotografischen Emulsion empfindlicher auf das Licht bestimmter Wellenlängen und können insbesondere die Farben Grün und Blau in nuancierten Graustufen – oder, wie der Name bedeutet, „richtig“ – wiedergeben. Als Chemiker bei der Stuttgart-Feuerbacher Firma Hauff seit 1909, einem wichtigen deutschen Hersteller fotografischer Chemikalien und Materialien, kannte sich Lossen mit der fotografischen Wiedergabe von Licht, Schatten und Tonwerten bestens aus. Dabei hatte er seine Karriere ursprünglich nicht als Fotograf begonnen, sondern fand erst über seine Arbeit bei der Firma zur Fotografie.

Er arbeitete mit den Flavin- und Ultrarapid-Platten, die auch die sogenannte Gelbscheibe überflüssig machten und die Helligkeitswerte blauer und gelber Farben naturgetreu und plastisch wiedergeben konnten. Diese Platten wurden besonders für Naturaufnahmen empfohlen, darunter blühende Bäume und Wiesen. Bald wurden seine eigenen Bilder zu Aushängeschildern der Firma: So gab die Hauff & Co. GmbH Feuerbach beispielsweise 1922 das Album „20 Bilder aus Schwaben nach Originalen in Hauff-Material“ mit seinen Fotografien heraus. Viele der Negative befinden sich heute im Fotoarchiv des Landesmedienzentrums.

1922 gründete er seine eigene Firma, die „Dr. Lossen & Co. Lichtbildgesellschaft GmbH“. Der Kontakt zu Hauff blieb jedoch eng, und er verwendete weiterhin ausschließlich deren Produkte. Zu dieser Zeit war Lossen bereits ein bekannter Fotograf, sodass die Württembergische Bildstelle, unsere Vorgängerinstitution, vermutlich auf ihn aufmerksam wurde. Die Bildstelle war seit ihrer Gründung im Jahr 1923 auf der Suche nach geeigneten Fotografien mit dem Ziel, ein Schwäbisches Bildarchiv aufzubauen. Bereits 1924 befanden sich sämtliche Aufnahmen Lossens in ihren Beständen – allerdings ist ungewiss, um welche und wie viele Bilder es sich dabei handelte.

1932 wurden rund 800 Negativglasplatten der Firma „Lossen & Co. Lichtbildgesellschaft GmbH“ von der Bildstelle käuflich erworben; sie bilden heute die sogenannte „Sammlung Lossen“.

Die Geschichte der Lossen-Sammlung zeigt auch, wie sehr die Bildstelle kurz nach ihrer Gründung auf Fremdbestände angewiesen war. Da das Ziel eines Schwäbischen Bildarchivs allein durch die Übernahme solcher Bestände nicht erreicht werden konnte, führte dies wohl zur Gründung eines eigenen Fotodienstes – mit der Einstellung des Meisterfotografen Robert Bothner Ende 1926. Aber das ist eine andere Geschichte…
 

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Rund 80 000 digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.

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