Historisches Bild des Monats April

Zita Bugbee
Bild des Monats April Plünderung des Klosters Weißenau durch die Bauern im Bauernkrieg, 1525.

Plünderung des Klosters Weißenau durch die Bauern im Bauernkrieg, 1525. | LMZ

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Unser Bild des Monats ist eine 500 Jahre alte Federzeichnung – ein wertvolles Zeugnis des Bauernkriegs in Oberschwaben. Es handelt sich dabei um ein nachkoloriertes doppelseitiges Blatt aus einer Reihe von insgesamt elf Doppelseiten, die die von Abt Jakob Murer (1468–1533) verfasste Weißenauer Chronik illustrieren. Diese Bilder schildern eindrucksvoll den Verlauf des Bauernkrieges: von den ersten Unruhen über die Versuche des Abtes, die Bauern zu beschwichtigen, bis hin zum Eingreifen des Bundesheeres, dem Abschluss des Weingartener Vertrags und der endgültigen Niederlage der Aufständischen. Dabei werden oft mehrere aufeinanderfolgende Ereignisse in einer Darstellung zusammengefasst.

Die Originalhandschrift der Chronik wird heute im Fürstlich-Waldburg-Zeil’schen Gesamtarchiv in Leutkirch im Allgäu (Landkreis Ravensburg) aufbewahrt. 1934 wurde sie in der Ausstellung „1534–1934. Die Reformation in Württemberg. Die Bibel“ im Stuttgarter Neuen Schloss gezeigt und dort von Robert Bothner, dem Fotografen der Württembergischen Bildstelle, im Format 13 × 18 cm aufgenommen. 

Das hier gezeigte Blatt stellt die Plünderung des Prämonstratenser-Klosters Weißenau durch die Aufständischen, den Höhepunkt der Unruhen, schonungslos dar.  Abt Murer klagt in seiner Chronik: „Essen und Trinken, voll sein, einander schlagen. Türen zerschlagen (…) nehmen, was ihnen gefiel…" 

Klöster waren bevorzugte Ziele der aufständischen Bauern, und so wurde auch das südlich von Ravensburg gelegene Kloster Weißenau (heute ein Stadtteil Ravensburgs) zum Schauplatz der Revolte. Als im März bewaffnete Bauern vor den Klostermauern auftauchten, floh der Abt, gefolgt von den Mönchen nach Ravensburg. Vier Mönche mussten jedoch später ins Kloster zurückkehren – sie sind in der Prälatur (obere Bildmitte) von feiernden Bauern umringt zu sehen. Diese bildliche Quelle belegt zugleich, dass das Leben der Geistlichen während des Bauernkriegs nicht unmittelbar bedroht war. 

Besonders bemerkenswert ist die ironische Darstellung der plündernden Bauern: Im Mittelpunkt des Blattes lehnt ein betrunkener Aufständischer über das Gesims eines Gebäudes und übergibt sich schwallartig. Darunter treiben Menschen und Hunde ihr Unwesen – sie raufen, plündern Getreidespeicher, schleppen Brot und Wein fort, fischen die Klosterteiche leer oder liegen bereits erschöpft von Alkohol und Streit auf dem Boden. 

Die Zeichnung, die auch im Kloster Weißenau von einem unbekannten Illustrator angefertigt wurde, gibt die Ereignisse aus der Perspektive des Abtes wieder. Doch Jakob Murer war keineswegs durchweg feindselig gegenüber den Bauern. Zu Beginn versuchte er, die Situation zu beruhigen. Dies spiegelt sich auch in der letzten Doppelseite der Chronik wider: Dort schwören friedlich gestimmte Bauern dem Abt den Huldigungseid, was Versöhnung und Vergebung zum Ausdruck bringt.
 

Zum Bild des Monats

Weitere Bilder aus der Weißenauer Chronik finden Sie hier.

Viele digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.

Hier gehts zur SESAM-Mediathek

Weitere Informationen zum Bildarchiv erhalten Sie hier:

Weitere Informationen

Zita Bugbee

Diese Seite teilen: