5 überraschende Erkenntnisse über das Medienverhalten von Jugendlichen: welche Zahlen aus der JIM-Studie 2023 wirklich bemerkenswert sind
Jugendliche kommunizieren gerne mit Freunden. | Getty Images
JIM-Studie 2023
Jedes Jahr grüßt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (kurz mpfs) mit der JIM-Studie. Zu den Themen „Jugend, Information und Medien“ werden insgesamt 1.200 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 in ganz Deutschland befragt. Die Fragen reichen von der Medienausstattung, -nutzung bis hin zu problematischen Medienerfahrungen oder der Freizeitgestaltung. Wir haben die Zahlen durchgelesen und die erstaunlichsten Fakten für euch zusammengefasst.
JIM-Studie 2023 in a nutshell
Hier die wichtigsten Zahlen für Überflieger:
- Jedes dritte Mädchen und jeder vierte Junge wurde 2023 im Netz schon einmal sexuell belästigt.
- Jeder Dritte Jugendliche ist im letzten Monat mit Fake News in Kontakt gekommen, fast jeder Zweite mit beleidigenden Kommentaren.
- 38 Prozent der Jugendlichen kennen ChatGPT und haben es bereits ausprobiert. Fast jeder zweite Gymnasiast hat bereits ChatGPT ausprobiert. Von allen Jugendlichen hat jeder Zweite ChatGPT noch nicht genutzt.
- Ein Drittel der Zwölf- bis 19-Jährigen informiert sich mehrmals in der Woche im Familienkreis zum Weltgeschehen. Ein Drittel informiert sich via TikTok, Instagram oder YouTube. Knapp 15 Prozent informieren sich mithilfe gedruckter Zeitungen oder Zeitschriften.
- 2023 lesen 35 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Bücher. 1998 lasen 38 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen regelmäßig Bücher.
Sexuelle Belästigung ein großes Thema
Fangen wir mit dem alarmierenden Teil der JIM-Studie 2023 an. Stand 2023 haben 30 Prozent der befragten Jugendlichen bereits sexuelle Belästigung im Internet erlebt. Mädchen (36 %) sind dabei häufiger betroffen als Jungen (24 %). Sechs Prozent berichten, dass dies regelmäßig, also mehrmals pro Woche, geschieht. Ältere Jugendliche sind häufiger von sexueller Belästigung betroffen.
Instagram hat, was sexuelle Belästigung angeht, den toxischsten Ruf und wird als Schauplatz von sexuellen Belästigungen am häufigsten genannt. Instagram (35 %) wird gefolgt von TikTok (20 %) und Snapchat (14 %). Besonders bei älteren Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 scheint Instagram ein Problem zu sein. Vierzig Prozent in dieser Altersklasse wurden auf Instagram mit sexueller Belästigung konfrontiert.
Fake News, Beleidigungen sowie Hassnachrichten ein großes Thema
Nur ein Viertel aller Jugendlichen haben im letzten Monat keine negativen Erfahrungen mit Themen wie Fake News, Beleidigungen, Hassbotschaften oder ungewollten pornografischen Inhalten gemacht. Im Umkehrschluss: Drei Viertel wurden im letzten Monat online mit negativen Inhalten konfrontiert.
Im Detail:
- In den letzten Monaten vor der Befragung wurden 58 Prozent der Jugendlichen mit Fake News konfrontiert.
- Gut die Hälfte erlebte beleidigende Kommentare.
- Etwa zwei von fünf Jugendlichen stießen auf extreme politische Ansichten, Verschwörungstheorien oder Hassbotschaften.
- Unfreiwillig auf pornografische Inhalte stießen 23 Prozent.
- 14 Prozent erfuhren persönliche Anfeindungen.
Mehr als jeder Dritte Jugendliche hat bereits ChatGPT ausprobiert
2023 sorgte künstliche Intelligenz in Form von ChatGPT für reichlich Furore. Der Chatbot hielt auch Einzug in die Kinderzimmer und wurde von vielen Jugendlichen bereits ausprobiert. In Zahlen: 38 Prozent der Jugendlichen kennen ChatGPT und haben es bereits ausprobiert. Unter Gymnasiastinnen und Gymnasiasten hat bereits jeder zweite den Chatbot ausprobiert. Mit diesen Nutzungszahlen zieht ChatGPT damit bereits an Facebook, Discord und Twitch vorbei. Die Zahlen sind aber noch ausbaufähig, da von allen Jugendlichen jeder Zweite ChatGPT noch nicht genutzt hat.
Die wichtigste Nachrichtenquelle unter Jugendlichen: die Familie!
Der Krieg in der Ukraine, die Wahlen in Hessen, der Klimawandel und seine wirtschaftlichen Auswirkungen: die Mehrheit der Jugendlichen wird darüber am Esstisch informiert! Denn ein Drittel der Zwölf- bis 19-Jährigen erhält dazu täglich oder mehrmals in der Woche im Familienkreis die nötigen Informationen oder Desinformationen. Das klassische Fernsehen ist noch bei jedem zweiten Jugendlichen eine regelmäßige Nachrichtenquelle. Aber auch die sozialen Netzwerke spielen eine wichtige Rolle: Ein Drittel informiert sich jeweils via TikTok, Instagram oder YouTube. Klassische Printmedien sind deutlich abgeschlagen: Nur noch 15 Prozent informieren sich mithilfe gedruckter Zeitungen oder Zeitschriften.
Mehr darüber, warum die Nachrichtenkompetenz in Deutschland eher „mangelhaft“ ist
Das regelmäßige Lesen von Büchern: seit einem Vierteljahrhundert stabil!
Die JIM-Studie bietet aber auch erfreuliche Zahlen, welche Dystopien über eine verlorene und desinformierte Jugend konterkarieren. 2023 lesen immerhin noch 35 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Bücher. Besonders niedrig sind diese Zahlen nicht. Innerhalb der letzten 25 Jahre, in denen die Zahlen erhoben wurden, hat sich am Bücherleseverhalten nicht sonderlich viel verändert. Denn bereits 1998 lasen 38 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen regelmäßig Bücher.
Weitere spannende Facts
- Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen, besitzen häufiger ein eigenes Tablet, Wearables oder E-Book-Reader. Zwölf- bis 19-Jährige an Haupt- und Realschulen haben hingegen häufiger ein eigenes Fernsehgerät, eine Spielkonsole oder einen Smartspeaker.
- Jeder zweite Jugendliche nutzt einen Sprachassistenten wie Alexa, Siri, Google Assistent oder Bixby.
- Jeder zweite Zwölf- bis 19-Jährige genießt es, wenn sie/er Zeit ohne Handy und Internet verbringen kann.
- Und zuletzt eine gute (?) Nachricht: Jeder dritte Jugendliche schaltet bewusst sein Smartphone regelmäßig aus, um Zeit für sich zu haben.

