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Nachgefragt am LMZ: Wie stärkt das Eltern-Medienmentoren-Programm Erziehende im Familienalltag?

Madeleine Hankele-Gauß
Eine vierköpfige Familie mit Vater, Mutter und zwei Töchtern sitzt gemeinsam gemütlich auf dem Sofa und schaut auf ein Tablet.

Im Familienalltag die Medienwelten von Kindern gemeinsam zu erkunden, lohnt sich: Eltern lernen die Hobbies und Interessen ihrer Kindern kennen – und merken frühzeitig, wenn die Mediennutzung in Schieflage gerät. | Foto: peopleimages.com – adobestock.com

Interview zu Medienerziehung in der Familie

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Smartphone? Was macht mein Kind auf Social Media? Wie können wir den Stress durch Medien im Familienalltag reduzieren? Auf diese und viele weitere Fragen der Medienerziehung hat das Eltern-Medienmentoren-Programm Antworten parat und bietet Raum für Austausch unter Eltern. Warum es sich lohnt, als Eltern die Medienwelten der eigenen Kinder kennenzulernen und wie Eltern-Medienmentorinnen und -mentoren dies fördern können, darüber haben wir mit der Projektleiterin des Eltern-Medienmentoren-Programms gesprochen.

„Es stärkt die Eltern-Kind-Beziehung, wenn Erziehende die Medienwelten ihrer Kinder kennenlernen.“

Warum ist es für Eltern wichtig, die Medienwelten ihrer Kinder kennenzulernen?

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit online und erfahren dabei viel Input. Interessierte Eltern können so besser verstehen, für was sich ihre Kinder interessieren und was sie antreibt. Aus der Mediennutzung heraus können ja auch Hobbies wie Filmen oder Fotografieren entstehen, die Eltern aktiv fördern können. Es stärkt die Eltern-Kind-Beziehung, wenn Erziehende die Medienwelten ihrer Kinder kennenlernen. Sie können dabei Medienerfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit teilen und zeigen, dass sie die Perspektive des Kindes verstehen. Dann fällt es Kindern auch leichter, problematische Inhalte oder Vorkommnisse bei der Mediennutzung anzusprechen. Und Eltern können frühzeitig eingreifen, wenn der Medienkonsum in die falsche Richtung läuft.


Das erste Smartphone ist in Familien ein großes Thema. Wie können sich Erziehende mithilfe des Eltern-Medienmentoren-Programms zum Beispiel auf den Umgang damit vorbereiten?

Erziehende könnten sich in einem Elternabend informieren, den wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen, Volkshochschulen oder Familienbildungsstätten anbieten. Hierbei erhalten sie einen Überblick über kindliche oder jugendliche Medienwelten und aktuelle Studien zur Mediennutzung. Alltagstipps zu konkreten Themen wie dem Umgang mit dem ersten Smartphone gehören auch dazu. Das Besondere ist: Eltern können sich in einem geschützten Raum miteinander austauschen und so ein Gefühl für eine alterstypische Mediennutzung bekommen. Darüber hinaus bieten wir Eltern-Kind-Workshops und Eltern-Workshops an: Teilnehmende könnten hier etwa über Mediennutzungszeiten sprechen, mit dem Lasercutter selbst ein „Handybett“ bauen oder Einstellungen am Smartphone ausprobieren.

 
Im Herbst veranstaltet ihr eine Reihe von Online-Elternabenden. Welche Themen-Highlights erwarten die Teilnehmenden?

Besonders spannend finde ich persönlich das Thema des Online-Elternabends am 1. Dezember: „Wenn Social Media zur Belastung wird“. Wie können Jugendliche mit dem Stress und Druck umgehen, den soziale Medien jeden Tag auf sie ausüben? Dieser Stress kann unterschiedliche Auslöser haben: unerreichbare Schönheitsideale, ein nie enden wollender Informationsfluss oder das neueste Online-Game, das andere schon durchgespielt haben. Neben solchen Spezialthemen bieten wir auch Elternabende an, die einen allgemeinen Überblick über die Medienwelten von Kindern und Jugendlichen geben. Zum ersten Mal kooperieren wir außerdem mit dem Programm „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ und bieten zum Beispiel einen Online-Elternabend zu „Respekt im Netz“ an.

Jetzt anmelden zu den Online-Elternabenden

„Die Schulung hat stets Workshop-Charakter: Die Eltern sollen möglichst viel selbst ausprobieren“

Wie und wo können sich Erziehende zu Eltern-Medienmentorinnen oder -mentoren ausbilden lassen?

Für die Eltern-Medienmentoren-Schulung sollten sich Teilnehmende insgesamt zwölf Stunden Zeit nehmen, an drei bis vier Abenden oder Wochenendterminen. Die Schulungstermine finden entweder online statt oder vor Ort an einem regionalen Medienzentrum, in einer Bibliothek oder auch an einer Schule. Wichtig zu wissen: Interessierte Eltern benötigen keinerlei Vorkenntnisse. Sie sollten jedoch Lust haben, mit anderen Erziehenden ins Gespräch zu gehen. Im laufenden Jahr haben sich bei uns bereits 60 Erziehende zu Eltern-Medienmentorinnen und -mentoren ausbilden lassen.


Was lernen Teilnehmende in den Eltern-Medienmentoren-Schulungen – auch für ihren Familienalltag?

Teilnehmende erhalten einen allgemeinen Überblick darüber, was in der Medienwelt ihrer Kinder „en vogue“ ist und wie sie sich im Netz bewegen – unter anderem anhand von Mediennutzungsstudien. Ob sich eine Gruppe im Rahmen der Mentorenschulung tiefergehender mit Gaming, Jugendsexualität im Netz, Datenschutz oder KI beschäftigen möchte, entscheiden die Teilnehmenden selbst mit. Die Schulung hat stets Workshop-Charakter: Die Eltern sollen möglichst viel selbst ausprobieren und erhalten manchmal auch kleine Hausaufgaben. Tipps für den Familienalltag werden auch unmittelbar ausprobiert und die unterschiedlichen Erfahrungen damit in der Gruppe reflektiert. Dieser Austausch ist für die Tätigkeit als Mentorin oder Mentor später sehr wertvoll.

Elternmedienmentoren-Schulung im November

„Eltern-Medienmentorinnen und -mentoren können auch dazu beitragen, Sprachbarrieren oder kulturelle Barrieren abzubauen.“

Welche Vorteile hat es, wenn Eltern andere Eltern zu Medienerziehung beraten und informieren?

Eltern können auf Augenhöhe miteinander sprechen: In ihrem Familienalltag sind sie mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Im Austausch unter vier Augen fällt es vielen Erziehenden außerdem leichter, Vertrauen zu fassen, von Problemen mit der Medienerziehung zu berichten und Fragen zu stellen. Eltern-Medienmentorinnen und -mentoren können auch dazu beitragen, Sprachbarrieren oder kulturelle Barrieren abzubauen. Wie die Mentorinnen und Mentoren ihre Rolle ausfüllen, hängt dabei von ihnen selbst und der Bildungseinrichtung ihres Kindes ab: Manche suchen eher in Alltagssituationen das Gespräch mit anderen Eltern, andere stellen Infomaterialien für Lehrkräfte zusammen oder richten sogar selbst Workshops, Austauschrunden oder Elternabende aus.  
 

Was können Kindergärten und Schulen für die Medienbildung in Familien tun? Wie unterstützt euer Programm sie dabei?

Kindergärten und Schulen fördern Medienbildung von Kindern und Jugendlich ja bereits im Rahmen von Medienbildungsplänen oder als Teil des neuen Fachs Informatik und Medienbildung. Wir möchten eine Anlaufstelle für sie sein, um auch Erziehende ins Boot zu holen und zum Beispiel Elternabende zu Spezialthemen wie Medienzeiten oder Cybermobbing umzusetzen. Wichtig ist uns, vor Ort einen Austausch über Medienthemen anzustoßen und eine positive Grundhaltung gegenüber Medien zu fördern. Denn Kinder und Jugendliche bewältigen heutzutage viele Entwicklungsaufgaben mithilfe von Medien: Wer bin ich? Wie bin ich? Zu wem gehöre ich? Wir ermutigen Eltern, genau darüber mit ihren Kindern zu sprechen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Ausführliche Infos zum Eltern-Medienmentoren-Programm sowie zur Anmeldung für die Mentorenschulung und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

Madeleine Hankele-Gauß

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