Abi vorbei und nun? Digitale Selbsttests zur Beruflichen Orientierung
Schule erfolgreich beendet, Auslandsreise genossen und dann? Was tun, wenn einem die berufliche Orientierung noch fehlt? | Patrick Daxenbichler Studio/Adobe Stock
Wie soll es nach der Schule weitergehen?
Was kommt nach der Schule? Ausbildung, Studium, FSJ – oder doch erst einmal etwas ganz anderes? Viele Jugendliche stehen vor genau dieser Frage. Digitale Selbsttests können dabei eine erste Orientierung bieten und helfen, eigene Stärken, Interessen und mögliche Berufswege besser einzuschätzen.
In diesem Artikel finden Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler eine Auswahl digitaler Selbsttests zur Studiums- und Berufswahl. Passend zum Thema stellen wir ausgewählte Materialien aus der SESAM-Mediathek vor. Wir informieren über "Future Skills" und geben Link-Tipps zu Messen und Veranstaltungen, die weitere Impulse für die berufliche Orientierung setzen können.
Der Moment ist da: Die letzten Prüfungen sind geschrieben, das Abitur fast in der Tasche. Endlich wieder durchatmen, Reserven auftanken, gedanklich neu sortieren. Während die einen ihre neu gewonnene Freiheit noch in vollen Zügen genießen, drückt bei den anderen schon längst der Schuh, insbesondere dann, wenn aus dem familiären Umfeld immer häufiger die Frage gestellt wird: „Schon eine Idee, wie es weitergehen soll?“
Manche Jugendliche haben ihren Traumberuf bereits klar vor Augen, andere nur eine vage Vorstellung und viele haben noch gar keinen Plan. Glücklicherweise ist das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten riesig, was die Entscheidung für die Zukunft nicht unbedingt einfacher macht: In Deutschland gibt es ungefähr 22.700 Studiengänge, 3.800 Studienprofile und über 300 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Hinzu kommen tausende Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), wie sie beispielsweise auch das Landesmedienzentrum und die regionalen Kreismedienzentren in Baden-Württemberg mit dem FSJ digital anbieten.
Viele Schulabsolventinnen und -Absolventen sehen sich mit einem kaum überschaubaren Angebot konfrontiert, verbunden mit der Erwartung, möglichst schnell die richtige Entscheidung zu treffen. Wer Unterstützung für diese Weichenstellung benötigt, kann sich an die Agentur für Arbeit wenden. Sie leistet Hilfe mit Berufsberatung, Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung. Auch viele Hochschulen bieten spezielle Studienberatungen an, die man nutzen kann.
Digitale Selbsttests zur Beruflichen Orientierung
Zur Vorbereitung auf solche Berufs- und Studienberatungen sollten sich Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit ihren persönlichen Interessen, Neigungen und beruflichen Erwartungen auseinandersetzen. Digitale Selbsttests und Online-Orientierungstests können helfen, bei der Berufswahl in die richtige Richtung zu denken.
Viele Hochschulen verlangen den Nachweis eines Studienorientierungsverfahrens
In Baden-Württemberg ist die Teilnahme an einem Studienorientierungsverfahren für angehende Studierende gesetzlich vorgeschrieben: Wer sich für einen grundständigen Studiengang (insbesondere Bachelorstudiengang) bewerben oder einschreiben möchte, muss einen entsprechenden Nachweis über die Teilnahme vorlegen (vgl. Serviceportal Baden-Württemberg). Es kann also sehr sinnvoll sein, bereits in der Schule auf digitale Orientierungstests hinzuweisen. Hier finden Lehrkräfte einige Vorschläge, die sie im Rahmen der Beruflichen Orientierung im Unterricht vorschlagen können.
Was kann ich? Für was interessiere ich mich? Wie will ich meine berufliche Zukunft gestalten? Digitale Selbsttests zur Berufsorientierung können helfen, in die richtige Richtung zu denken. | cherryandbees-AdobeStock/AdobeStock
Studium Interessentest (SIT)
Der Studium-Interessentest (SIT) ist ein gemeinsames Angebot der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und ZEIT ONLINE. Auf Basis von 72 kurzen Selbsteinschätzungsfragen erstellt SIT ein Interessenprofil. Sechs Interessenfelder werden abgefragt: 1. Kreativ-kulturelle Interessen; 2. Soziale Interessen; 3. Wirtschaftlich-unternehmerische Interessen; 4. Administrativ-verwaltende Interessen; 5. Technisch-praktische Interessen; 6. Theoriegeleitet-forschende Interessen. Das Interessensprofil wird anschließend mit tausenden, staatlich anerkannten Studiengängen in Deutschland abgeglichen, um passende Vorschläge zu generieren. SIT zeigt die Verteilung der Studieninteressen, was diese bedeutet und welche Studienrichtungen zu dir passen. Der Test ist weit verbreitet, kostenfrei, unverbindlich und anonym. Eine Registrierung ist erforderlich. Das Teilnahmezertifikat kann einer Studienbewerbung beigelegt werden.
Was studiere ich?
Der Selbsttest zur Studienorientierung auf dem Schulportal was-studiere-ich.de wird von der Universität Heidelberg betreut und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert. Er besteht aus einem Interessenstest (Pflicht) sowie drei Fähigkeitstests zum sprachlichen, rechnerischen und bildhaften Denken (freiwillig). Ergänzend gibt es einen Test für alle, die noch nicht wissen, ob sie eine Ausbildung oder ein Studium anstreben sollen.
Aus den Ergebnissen erstellt der Orientierungstest ein persönliches Profil aus Interessen und Fähigkeiten und schlägt passende Studiengänge und Berufe vor. Für den Interessenstest erhalten die Teilnehmenden ein Teilnahmezertifikat, das einer Studienbewerbung beigelegt werden kann. Die Ergebnisse bleiben anonym und erscheinen nicht auf der Bescheinigung. Es empfiehlt sich also, ehrlich und spontan zu antworten. Nach dem Start erhalten die Teilnehmenden eine persönliche Login-ID. Damit kann der Test jederzeit unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. Für den Durchlauf sollten die Teilnehmenden etwa 70 Minuten einplanen, davon entfallen rund 10 Minuten auf den Interessenstest. Der Test ist kostenlos, seriös, ohne Registrierung nutzbar und bei Hochschulen anerkannt.
Check-U: Erkundungstool für Ausbildung und Studium
Check-U ist ein Angebot der Bundesagentur für Arbeit. Der umfassende Online-Berufswahltest besteht aus drei Schritten: Beim Kompetenz-Check „Was kann ich?“ bearbeiten die Teilnehmenden Aufgaben, etwa zum logischen Denken, zum Textverständnis und zur Rechenfertigkeit. Außerdem sollen soziale Kompetenzen eingeschätzt werden. Im zweiten Schritt folgt die „Personalisierung“. Dabei geht es um die Frage: „Was will ich?“. Individuelle Talente, gewünschte Arbeitsbedingungen und berufliche Interessen werden gefragt. Im letzten Schritt ermittelt Check-U die Ergebnisse mit passenden Ausbildungen und Studienfächern. Die mit „TOP“ gekennzeichneten Ergebnisse haben die höchsten Überschneidungen.
Check-U ist anonym. Für die Teilnahme ist keine Registrierung mit Namen erforderlich. Einige Angaben (wie Alter, Geschlecht, PLZ und angestrebter Schulabschluss) sind beim ersten Aufruf erforderlich, um einen persönlichen Zugangscode zu erhalten.
Tipp: Code unbedingt notieren oder als Screenshot speichern! Nur mit diesem Code sind die Ergebnisse später abrufbar. Wer den Test unterbricht, braucht den Code für die Wiederaufnahme.
Wichtig: Die Teilnehmenden sollten ausreichend Zeit und Ruhe einplanen. Für den Kompetenztest benötigt man mindestens 80 Minuten, die Personalisierung erfordert weitere fünf Minuten. Die Daten werden nicht an andere Bereiche der Agentur weitergegeben. Nur mit Zustimmung darf die Berufsberatung die Ergebnisse einsehen. Die Ergebnisse können alternativ als PDF gespeichert und gedruckt werden. Wer möchte, kann dann einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren und die Ergebnisse für die weitere Planung besprechen. Der Test ist kostenfrei, das Zertifikat ist bei Hochschulen anerkannt.
Berufswahltest von Einstieg
Der Online-Berufswahltest ist kostenlos und ein Angebot der Einstieg GmbH. Die Teilnehmenden bewerten 60 verschiedene Tätigkeiten, um daraus ein persönliches Interessenprofil und eine individuelle Stärkenanalyse sichtbar zu machen. Anschließend erhalten die Nutzerinnen und Nutzer passende Vorschläge für Ausbildungsberufe und Studiengänge, die sie speichern oder für eine Bewerbung nutzen können. Zusätzlich zum Testergebnis erhalten die Teilnehmenden eine Liste mit Ausbildungsplätzen und Studiengängen, die auf sie abgestimmt sind. Der Test gilt als seriös, es gibt aber keine Hinweise darauf, dass der „Interessencheck“ als offizielles Studienorientierungsverfahren für Hochschulbewerbungen anerkannt wird.
Orientierungstest von Stuzubi
Die Stuzubi GmbH organisiert bundesweit Studien- und Ausbildungsmessen, veröffentlicht Ratgeberinhalte und bietet einen Orientierungstest zur Berufs- und Studienwahl. Der Stuzubi-Test basiert auf dem RIASEC-Berufsinteressenmodell von John Holland. 30 Selbsteinschätzungsfragen müssen auf einer Skala von 1 bis 10 beantwortet werden. Der Test ordnet die Antworten sechs Interessenbereichen zu (sozial, kreativ, verwaltend, praktisch, wissenschaftlich und unternehmerisch). Für jeden der sechs Bereiche wird ein Wert berechnet. Die Bereiche mit den höchsten Ausprägungen bilden das persönliche Profil. Daraus werden passende Berufs- und Studienfelder vorgeschlagen. Der Test dient der ersten Orientierung und ersetzt keine professionelle Eignungsdiagnostik oder individuelle Berufsberatung.
Koldo Studio/AdobeStock
Die richtige Berufswahl ist ein Prozess – Ergebnisse richtig einordnen
So hilfreich digitale Tests sein können, eine fertige Entscheidung liefern sie nicht. Die Ergebnisse zeigen Tendenzen, die Verteilung von Studieninteressen und Möglichkeiten mit passenden Studiengängen auf. Sie ersetzen aber weder persönliche Erfahrungen noch Beratungsgespräche. Fachleute empfehlen deswegen, die Testergebnisse als Ausgangspunkt zu nutzen und mit weiteren Schritten zu kombinieren:
- Gespräche mit Berufsberaterinnen und -beratern (z.B. Agentur für Arbeit)
- Recherchen zu konkreten Ausbildungs- und Studienwegen
- Weitere Selbsttests und Fragebögen zu hochschulspezifischen Studiengängen
- Praktika, FSJ (Erfahrungen sammeln).
Fazit: Berufliche Orientierung ist kein einmaliger Test, sondern ein längerer Prozess. Digitale Tools können dabei unterstützen, eigene Interessen zu reflektieren und weitere Schritte für die Ausbildung oder das Studium anzudenken.
Ausblick: Future Skills – welche Kompetenzen werden künftig wichtig?
Wer sich mit der Frage beschäftigt, wie es nach der Schule weitergeht, fragt sich oft auch: Welche Fähigkeiten werden in Zukunft besonders gefragt sein?
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Transformationsprozesse wirken sich bereits heute auf nahezu alle Branchen aus. Dabei entstehen nicht nur neue Berufsbilder. Auch in bestehenden Berufen verändern sich Anforderungen und Aufgaben. Aktuelle Studien, darunter der Future-Skills-Report 2030 des Stifterverbands, zeigen: Fachwissen bleibt wichtig, reicht allein jedoch nicht mehr aus. Gefragt sind vor allem Kompetenzen, die Menschen dabei helfen, mit Veränderungen umzugehen, neue Technologien sinnvoll einzusetzen und komplexe Herausforderungen zu bewältigen. Dazu zählen insbesondere:
- kritisches Denken und Problemlösefähigkeit,
- digitale und KI-bezogene Kompetenzen,
- Kreativität und Innovationsfähigkeit,
- Kommunikations- und Teamfähigkeit,
- Selbstorganisation, Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit,
- verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Handeln.
Für die Berufs- und Studienwahl bedeutet das: Nicht nur die Frage „Welcher Beruf passt zu mir?“ ist entscheidend, sondern auch „Welche Fähigkeiten möchte ich weiterentwickeln?“. Zukunftssichere Bildungswege zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie fachliche Kenntnisse mit digitalen, sozialen und persönlichen Kompetenzen verbinden. Wer also neugierig bleibt, lebenslang lernt und offen für Veränderungen ist, bringt bereits wichtige Voraussetzungen für die Arbeitswelt von morgen mit.
Die SESAM-Mediathek bietet Medien und Materialien zum Thema "Berufsorientierung". Diese sind von den zuständigen Fachkommissionen der Medienbegutachtung für den schulischen Einsatz besonders empfohlen. | Alder/Adobe Stock
Angebote des LMZ zur Berufsorientierung
Wie finde ich den passenden Beruf? Welche Ausbildungswege gibt es? Und wie gelingt eine überzeugende Bewerbung? Auf dem LMZ-Portal finden Sie die Themenseite „Berufsorientierung“ mit Materialien aus der SESAM-Mediathek.
SESAM bietet Lehrkräften und Lernenden eine sorgfältig ausgewählte Sammlung von Filmen und Unterrichtsmaterialien rund um die Berufs- und Studienwahl. Ergänzt wird das Angebot durch Lernportale wie Azubinet (für Berufliche Schulen) und Plegias (für Pflegeberufe).
Berufsorientierung mit der SESAM-Mediathek (LMZ-Portalbereich)
FSJ digital: Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich digitaler Medien
Mit dem FSJ digital bietet das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) gemeinsam mit den regionalen Stadt- und Kreismedienzentren jungen Menschen die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich digitaler Medien zu absolvieren. Die FSJlerinnen und FSJler werden während ihres 12-monatigen Freiwilligendienstes an vielfältigen Projekten der Medienbildung, der aktiven Medienarbeit und des Jugendmedienschutzes mitarbeiten. Das Angebot richtet sich an Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Alter von 16 bis 26 Jahren. Durch ihr freiwilliges soziales Engagement können sie ihre persönlichen und digitalen Kompetenzen weiterentwickeln und Einblicke in pädagogische Berufsfelder sammeln.
KI im Unterricht – Berufsorientierung und -vorbereitung (LMZ-News)
Wie KI-Textgeneratoren in der Berufsorientierung und -vorbereitung genutzt werden können, zeigen drei Lernideen aus der SESAM-Mediathek für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9. Entwickelt hat sie die Stabsstelle „Zukunft des Lernens“ am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg als Teil von insgesamt 21 Lernideen zum Thema Künstliche Intelligenz.
KI im Unterricht – Berufsorientierung und -vorbereitung (LMZ-News)
Veranstaltungen und Messen zur Beruflichen Orientierung
Hier finden Schülerinnen und Schüler sowie Absolventinnen und Absolventen einige Link-Tipps zu Ausbildungsmessen 2026/2027: Vocaticum; Stuzubi; ABI Zukunft; Einstieg
Aktualisierung vom 11. Juni 2026




