Nachgefragt am LMZ: BITTE WAS stärkt Kinder und Jugendliche im Umgang mit Fake und Hass?
Challenges auf Social Media, Workshops an Schulen und Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte: So stärkt das Programm BITTE WAS?! Kinder und Jugendliche im Umgang mit Fake und Hass. Christian Heneka leitet das Programm und erzählt im Interview von der Arbeit seines Teams. | Foto: Christian Heneka
Interview mit Christian Heneka
Hass, Hetze und Halbwahrheiten im Netz: Dem tritt das Team von „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ mit Wissen, Kreativität und Haltung entgegen, seit mehr als sechs Jahren. Challenges auf Social Media, Workshops an Schulen und Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte sind Teil des Programms für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander. Über die Arbeit von BITTE WAS?! haben wir mit Christian Heneka gesprochen, der das Programm BITTE WAS?! leitet.
Zwei Drittel der Jugendlichen gab in der JIM-Studie 2025 an, im Monat vor der Befragung Fake News im Netz begegnet zu sein. Bei Hassbotschaften waren es knapp die Hälfte. Wie können Kinder und Jugendliche selbst gegen Fake und Hass aktiv werden?
Kinder und Jugendliche können selbst viel gegen Fake News und Hass tun, indem sie Informationen kritisch prüfen, nicht vorschnell teilen und menschenfeindliche Inhalte melden. Sie können sachlich widersprechen, Betroffene unterstützen und in Chats oder sozialen Netzwerken für einen respektvollen Umgang eintreten, natürlich immer unter dem Aspekt des Selbstschutzes. Wichtig ist auch, das eigene Wissen weiterzugeben – an Freundinnen und Freunde oder jüngere Schülerinnen und Schüler.
„So erfahren Schülerinnen und Schüler, dass Medien nicht nur konsumiert, sondern auch genutzt werden können, um sich einzumischen“
Welche Werte und Fähigkeiten vermittelt das Programm BITTE WAS?! an Kinder und Jugendliche?
Im Programm BITTE WAS?! geht es neben der Wissensvermittlung vor allem darum, Medien selbst aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten. In unseren Workshops lernen Kinder und Jugendliche, eigene Ideen zu entwickeln, Botschaften zielgruppengerecht aufzubereiten und passende Formate einzusetzen. Dabei erwerben sie praktische Fähigkeiten in der Medienproduktion. So erfahren Schülerinnen und Schüler, dass Medien nicht nur konsumiert, sondern auch genutzt werden können, um sich gesellschaftlich einzumischen. Gleichzeitig stärken sie ihre Kreativität, Teamfähigkeit und ihr Bewusstsein für Datenschutz, Urheberrecht und die Wirkung medialer Botschaften.
Von „Hatespeech kontern“ bis „Schönheitsideale im Internet“: Ihr bietet vielfältige Workshops für Schülerinnen und Schüler an. Wie laufen sie ab? Und was ist dir und dem Team bei der Workshop-Arbeit besonders wichtig?
Die Workshops beginnen meist mit einem gemeinsamen Einstieg ins Thema und greifen anschließend die Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler auf. Gerade in Klassenverbänden können sie offen über Situationen sprechen, die sie selbst erlebt haben – etwa Fake News in Gruppenchats, Hasskommentare oder den Druck durch Schönheitsideale im Internet. Dadurch arbeiten wir nicht an abstrakten Beispielen, sondern an echten Problemen. Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen konkrete Strategien kennenlernen und ausprobieren, mit denen sie sich sicher, kritisch und respektvoll einbringen können.
„Unsere Materialien wurde bereits mehrfach ausgezeichnet“
Unterstützt ihr auch Lehrkräfte? Was können sie tun, um einen respektvollen Umgang im Netz zu stärken?
Ja, Lehrkräfte können sehr viel für einen respektvollen Umgang im Netz tun: Sie können mit ihren Klassen Regeln für die digitale Kommunikation entwickeln, aktuelle Fälle von Hatespeech oder Fake News aufgreifen und Raum für Austausch schaffen. BITTE WAS?! unterstützt sie dabei mit kostenfreien Unterrichtsmaterialien für verschiedene Fächer und Klassenstufen. Diese sind bildungsplankonform und fördern die Umsetzung der Leitperspektive Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt, die früher die Leitperspektive Medienbildung war. Unsere Materialien wurde bereits mehrfach vom Materialkompass des Verbraucherzentralen Bundesverbands ausgezeichnet – dreimal mit der Bewertung „Sehr gut“.
Auf Instagram folgen BITTE WAS?! mehr als 7.000 Menschen, auf YouTube rund 1.300. Wie erreicht ihr Kinder und Jugendliche in den sozialen Medien mit euren Themen?
Auf YouTube veröffentlichen wir unter anderem Erklärfilme und Tutorials, die medienpädagogische Inhalte anschaulich vermitteln. In einem besonders erfolgreichen Tutorial lernen Kinder und Jugendliche, wie sie sich mit einem eigenen Rap kreativ und wirkungsvoll gegen Fake News und Hate Speech einsetzen können. Über unseren Instagram-Kanal erreichen wir vor allem Lehrkräfte und Eltern mit aktuellen Informationen, praktischen Handreichungen und Anregungen rund um Fake, Hate und Medienbildung. Apropos Eltern: Im Herbst können sich Erziehende an zwei Online-Elternabenden über Respekt im Netz und Grenzüberschreitungen im digitalen Raum informieren und austauschen. Die Anmeldung hierfür läuft.
An eurer Challenge „Mitreden im Netz!“ haben im letzten Schuljahr fast 200 Schülerinnen und Schüler aus ganz Baden-Württemberg teilgenommen. Welche kreativen Beiträge sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die beiden Gewinnerbeiträge unserer Challenge „Mitreden im Netz!“. Die Klasse 1/2 der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Karlsruhe hat im Trickfilm „Ekelpaket“ gezeigt, wie man Negativität gemeinsam etwas entgegensetzen kann – und am Ende wird sogar zum gemeinsamen Spielen eingeladen. Sehr beeindruckt hat uns auch der Song „Komm, wir schauen den Helden zu“ von Rebecca und Lara vom Hohenstaufen-Gymnasium Göppingen. Darin machen sie deutlich, dass echte Heldinnen und Helden keine Superkräfte brauchen, sondern Mut, Mitgefühl und den Einsatz für Gerechtigkeit.
„Unser Ziel ist, Kinder und Jugendliche auf eine digitale Welt vorzubereiten, in der nicht alles echt ist, was echt aussieht.“
KI und Deepfakes machen Desinformationen immer überzeugender. Hat diese Entwicklung die Arbeit von dir und deinem Team verändert?
Ja, KI und Deepfakes haben unsere Arbeit deutlich verändert. Bei der Entwicklung unserer Materialien ziehen wir regelmäßig Fachexpertinnen und -experten hinzu. Gleichzeitig bilden wir uns als Team kontinuierlich weiter, damit wir technische Entwicklungen und neue Formen von Manipulation möglichst gut einschätzen können. In unseren Angeboten vermitteln wir nicht nur konkrete Prüfstrategien, sondern stärken die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu hinterfragen und Unsicherheiten auszuhalten. Unser Ziel ist, Kinder und Jugendliche auf eine digitale Welt vorzubereiten, in der nicht alles echt ist, was echt aussieht.
Kurz und knapp: Welche drei Dinge würdest du Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg geben, um gut in der digitalen Welt aufwachsen zu können?
Erstens: Nicht alles glauben, was online zu sehen oder zu lesen ist – erst prüfen, dann teilen. Zweitens: Respektvoll bleiben, Haltung zeigen und andere unterstützen, wenn ihnen Hass oder Ausgrenzung begegnet. Und drittens: Die eigenen Möglichkeiten nutzen und aktiv mitgestalten – also kreative Ideen entwickeln, die eigene Stimme einsetzen und sich gemeinsam mit anderen für eine faire und sichere digitale Welt engagieren.
Lieber Christian, herzlichen Dank für das Gespräch.
Weitere Infos zum Programm BITTE WAS?! finden Sie hier.

