Stellungnahme des Personalrats und der Beauftragten für Chancengleichheit zur aktuellen Situation des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg
20. Oktober 2026
Die aktuelle Berichterstattung über das Haushaltsdefizit des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) und die damit verbundenen Diskussionen über weitere Einsparungen veranlassen uns als Personalrat und Beauftragte für Chancengleichheit (BfC), erneut öffentlich Stellung zu beziehen.
Wir können nachvollziehen, dass das Land Baden-Württemberg angesichts der bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Haushalts- und Projektmitteln die Finanzführung des LMZ einer besonders kritischen Prüfung unterzieht. Die festgestellten Missstände müssen konsequent aufgearbeitet, Verantwortlichkeiten geklärt und geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um vergleichbare Entwicklungen künftig zu verhindern.
Mit Sorge beobachten wir jedoch, dass sich die öffentliche Debatte zunehmend auf weitere Personaleinsparungen als vermeintlich naheliegende Lösung der finanziellen Probleme konzentriert.
Sowohl in der Plenarsitzung des Landtags am 7. Oktober 2026 als auch im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung über den angekündigten Rückzug unseres Direktors wird der Abbau von Personal als möglicher Weg zur Haushaltskonsolidierung thematisiert. Dabei gerät aus unserer Sicht eine wesentliche Tatsache in den Hintergrund: Das LMZ befindet sich bereits seit Jahren in einem erheblichen personellen und strukturellen Veränderungsprozess.
Allein im Zeitraum von Sommer 2024 bis Sommer 2026 haben insgesamt 69 Personen das Landesmedienzentrum verlassen. Dazu zählen sowohl angestellte Mitarbeitende, einschließlich Pädagoginnen und Pädagogen, als auch pädagogische Fachkräfte, die auf Anrechnungsstundenbasis tätig waren. Gleichzeitig wurden zahlreiche Projekte und Angebote eingestellt, die Schulen und Lehrkräfte bei der Medienbildung unterstützt haben – vielfach ohne gleichwertigen Ersatz.
In einer Vielzahl von Bereichen wurden Einsparungen vorgenommen und Ausgaben reduziert. Der Personalrat hat notwendige und nachvollziehbare Konsolidierungsmaßnahmen konstruktiv begleitet, um zu einer verantwortungsvollen Verwendung öffentlicher Mittel beizutragen.
Diese bereits erfolgten Einschnitte finden in der aktuellen Diskussion jedoch kaum Beachtung. Stattdessen entsteht zunehmend der Eindruck, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen und weitere Personalkürzungen nahezu zwangsläufig folgen müssten.
Diese Entwicklung sehen wir kritisch. Denn hinter den diskutierten Stellen und Einsparpotenzialen stehen Menschen, die sich seit Jahren mit großem Engagement, hoher fachlicher Kompetenz und persönlicher Überzeugung für die Medienbildung in Baden-Württemberg einsetzen. Ihre Arbeit ist für Lernende, Lehrkräfte, Eltern und ältere Menschen von großer Bedeutung und wird hochgeschätzt.
Deshalb fordern wir als Personalrat und BfC, die Personalsituation des LMZ umfassend und differenziert zu betrachten. Dies gilt umso mehr, als der vom Land eingesetzte Berater Herr Dr. Kurz derzeit Vorschläge für die zukünftige Ausgestaltung der Medienbildung in Baden-Württemberg und die Rolle des LMZ erarbeitet.
Es wäre aus unserer Sicht widersprüchlich, bereits jetzt durch weiteren Personalabbau unumkehrbare Fakten zu schaffen, bevor diese Empfehlungen vorliegen und eine fundierte Entscheidung über die zukünftigen Aufgaben und Strukturen getroffen wurde.
Eine verantwortungsvolle Neuaufstellung des LMZ muss sowohl den Anforderungen an eine wirtschaftliche Haushaltsführung als auch der Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Medienbildung für das Land Baden-Württemberg gerecht werden.
Als Personalrat und Beauftragte für Chancengleichheit erwarten wir deshalb, dass die Perspektiven der Beschäftigten bei allen weiteren Überlegungen angemessen berücksichtigt werden und ihre fachlichen Leistungen, ihre Erfahrungen und ihre berufliche Zukunft nicht hinter einer ausschließlich auf Einsparungen ausgerichteten Diskussion zurückstehen.
Die Zukunft des LMZ darf nicht allein anhand von Haushaltszahlen entschieden werden. Sie muss sich auch daran messen lassen, welche Aufgaben das Land künftig in der Medienbildung erfüllen will – und welche Menschen und Kompetenzen dafür gebraucht werden.
Personalrat und Beauftragte für Chancengleichheit
Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

