Unser Tool-Tipp: RE:think
In insgesamt 12 Mini-Spielen bietet die App RE:think spielerische Impulse, um über Vorurteile, Diskriminierung und Hatespeech nachzudenken und zu diskutieren. | Bildschirmgrafik: © Bildungsstätte Anne Frank, Foto: Yuganov Konstantin via Canva Pro, Grafik: LMZ
Demokratie stärken – aber wie?
Eine offene und demokratische Gesellschaft lebt von Respekt, Fairness und dem gleichwertigen Umgang mit allen Menschen. Doch genau diese Werte geraten unter Druck, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Aussehens, ihres Geschlechts oder ihrer politischen Überzeugung abgewertet oder ausgegrenzt werden. Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit verletzen nicht nur einzelne Personen, sondern gefährden auch das Zusammenleben und die Demokratie.
Gerade im Internet begegnen Jugendliche solchen Inhalten immer häufiger: Fake News, Beleidigungen, Hassbotschaften oder extreme politische Ansichten sind für viele Teil des digitalen Alltags. Werden diese Inhalte nicht hinterfragt, können sie Vorurteile verstärken, Angst schüren und dazu führen, dass Ausgrenzung als normal erscheint.
Doch wie kann man Jugendliche für Vorurteile, Diskriminierung und Hatespeech sensibilisieren? Die kostenlose App „RE:think – Das digitale Lernlabor der Bildungsstätte Anne Frank“ bietet einen niederschwelligen Zugang zu diesen Themen und ist besonders für den Unterrichtseinsatz in den Klassen 7 bis 10 geeignet.
Interaktive App für Jugendliche zum Umgang mit Rassismus und Antisemitismus
Das Lernlabor „Anne Frank. Morgen mehr.“ wurde 2018 in Frankfurt am Main eröffnet. In der interaktiven Ausstellung setzen sich Jugendliche mit verschiedensten Formen der Menschenfeindlichkeit – wie beispielsweise Rassismus und Antisemitismus – auseinander. Damit das Lernlabor auch ohne Besuch der Ausstellung genutzt werden kann, wurde eine digitale Version in Form der App Re:think entwickelt.
Aus welchem Land stammt der Gartenzwerg? Was wäre eigentlich, wenn ich an einem anderen Ort geboren worden wäre? Was ist Hatespeech und was nicht? Das sind Fragen, die die App RE:think mit ihren zwölf Mini-Spielen unter anderem aufwirft. Sie fokussieren jeweils ein Thema und können unabhängig voneinander genutzt sowie im pädagogischen Kontext eingebettet werden.
Foto: Marlene Feller/LMZ, Grafik: LMZ
Einblicke in die Mini-Spiele
Beim Mini-Spiel „Wort & Bildgewalt“ ordnen die Spielenden zum Beispiel verschiedene Begriffe ein und müssen entscheiden, obder Begriff oder das Bild jeweils neutral, kritisch oder diskriminierend ist. Anschließend erhalten sie eine Rückmeldung, die erläutert, warum die Begriffe problematisch sind oder nicht. Durch Sprache wird auch unsere Sicht auf die Welt geprägt und die Spielenden werden so sensibilisiert.
Mit einem Swipe nach links oder rechts können Jugendliche im Spiel „Was ist normal?“ entscheiden, welche Deutung sie verschiedenen Bildausschnitten von Personen geben. Beispielsweise erscheint eine Frau in Uniform und die Deutungen „Pilotin“ oder „Flugbegleiterin“. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch: Man bekommt danach nur die Rückmeldung, welche Deutung wie oft von anderen Personen gewählt wurde. So werden die Spielenden mit möglichen eigenen Vorurteilen konfrontiert und können diese reflektieren, ohne dafür selbst verurteilt zu werden.
Im Mini-Spiel „Wo kommt das her?“ markieren die Spielenden auf einer Weltkarte, wo ihrer Ansicht nach bestimmte Alltagsobjekte ursprünglich herkommen. Dabei erfährt man beispielsweise, dass der Gartenzwerg aus Anatolien in der heutigen Türkei stammt.
Beispiel-Slides aus dem Spiel „Wort und Bildgewalt“, bei dem Spielende zum Beispiel entscheiden müssen, ob sie das Wort „behindert“ als „okay“, „kritisch“ oder „diskriminierend“ einordnen. Im Chat mit dem Spiele-Avatar erfahren sie unter anderem die Spielregeln. | Foto & Screenshots: © Bildungsstätte Anne Frank
Spielerische Impulse für Reflexion und Sensibilisierung
Die App ist in erster Linie für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren beziehungsweise der 7. bis 10. Klasse sowie ihre Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte gedacht. Sie kann direkt im Unterricht eingesetzt werden, ist aber auch ohne pädagogische Begleitung nutzbar. Für pädagogische Fachkräfte wird in Kürze auf der zugehörigen Website kompaktes Begleitmaterial mit Unterrichtsideen und weiterführenden Informationen bereitgestellt.
Die App ist übersichtlich aufgebaut. Beim Öffnen gelangt man direkt zu einem Slider mit den zwölf Mini-Games. Man kann sich aussuchen, mit welchem Spiel man starten möchte. Die Spiele sind alle unabhängig voneinander nutzbar:
- Vor Beginn jedes Spiels öffnet sich zunächst ein Chat mit einem Spiel-Avatar, der kurz über ein paar Chat-Nachrichten in die Thematik des Spiels einführt.
- Die spielende Person kann durch Klicken auf Antwortvorgaben interagieren und erfährt so, wie das Spiel funktioniert.
- Auch nach dem Spiel gelangt man wieder in den Chat mit dem jeweiligen Spiel-Avatar. Dieser ordnet das Spielegeschehen ein, vermittelt weiteres Hintergrundwissen zum Thema und gibt Tipps zum Umgang.
Ausgezeichnete Lern-App für Vielfalt und demokratische Werte
RE:think ist für den Deutschen Kindersoftwarepreis TOMMI 2025 nominiert und wurde von der Jury der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur außerdem zur App des Monats Februar 2026 gewählt.
Mit dieser innovativen Anwendung können Jugendliche auf spielerische und interaktive Weise lernen, Antisemitismus, Rassismus, Hatespeech und Verschwörungsmythen zu erkennen und zu reflektieren. Wenn Sie sich rund um das Thema weiterbilden möchten, bietet unser Selbstlernkurs für Lehrkräfte „Vielfalt & Benachteiligung – Diskriminierung in Gesellschaft & Medien“ einen idealen Einstieg.
Selbstlernkurs „Vielfalt & Benachteiligung“ für Lehrkräfte starten
Die App auf einen Blick
- Art des Tools: App
- Registrierung nötig: nein
- Internetverbindung nötig: nein
- Werbung: nein
- Datenschutz: DSGVO-konform
- Urheber: Bildungsstätte Anne Frank e.V. in Zusammenarbeit mit Playing History, unter Förderung der Deutschen Bank Stiftung



