Tüfteln unter dem Weihnachtsbaum – Interview über Geschenkideen aus dem Bereich Robotik
Blue-Bot (links unten) und Bee-Bot (rechts oben) für jüngere Kinder, LEGO SPIKE (rechts unten) und mBot (links oben) für ältere Kinder: Diese Robotik-Sets empfiehlt die Projektleiterin für Coding und Robotik am LMZ, Silke Schick. | Foto: Romy Göhner/LMZ, Roboter in der Bild-Montage: Tanja Waculik/Wiener Bildungsserver/CC-BY
Mit Silke Schick im Gespräch
Gemeinsam tüfteln, schrauben, programmieren und kleine Roboter zum Laufen bringen: Wenn es nach Silke Schick geht, ist gemeinsame Zeit mit Robotik das ideale Weihnachtsgeschenk. Mit der Projektleiterin für Coding und Robotik am Landesmedienzentrum haben wir darüber gesprochen, welche Robotik-Sets sie Eltern empfehlen würde und auf was diese beim Kauf achten sollten. Aktuell kümmert sie sich schwerpunktmäßig um das Projekt „Robotik an der Grundschule“, das im Rahmen des DigitalPakt Schule 101 Grundschulen mit Robotik-Sets in Klassenstärke ausstatten wird.
Als Grundschule für Robotik-Sets bewerben
„Es ist definitiv ein spielerischer Ansatz, um eine eventuelle ‚Scheu vor Technik‘ zu nehmen“
Warum sollten Eltern ihren Kindern dieses Jahr an Heiligabend einen Robotik-Baukasten unter den Weihnachtsbaum legen?
Ich fände es schön, wenn gemeinsame Zeit mit Robotik unter dem Weihnachtsbaum läge. Es muss nicht unbedingt ein Robotik-Baukasten sein. Vor Kurzem war ich zum Beispiel mit meiner siebenjährigen Tochter auf der experimenta in Heilbronn. Im Maker Space haben wir gemeinsam ein Propeller-Flugzeug aus kleinen Streichholzschachteln gebaut, das mit einem batteriebetriebenen Antrieb versehen war. Meine Tochter konnte dabei lernen, wie man einen Stromkreislauf erstellt, eine Steuerung an das Flugzeug anschließt und es mithilfe von Programmiercode zum Leben erweckt. Am Ende haben sich die Propeller unseres Streichholz-Flugzeugs tatsächlich gedreht – ein tolles Erfolgserlebnis für Eltern und Kind!
Das hätte ich gerne gesehen. Da du gerade von den Lerneffekten gesprochen hast: Was können Kinder noch lernen, wenn sie sich mit Robotik beschäftigen?
Es ist definitiv ein spielerischer Ansatz, um eine eventuelle „Scheu vor Technik“ zu nehmen oder diese erst gar nicht aufkommen zu lassen. Kinder lernen bei der Beschäftigung mit Robotik zum Beispiel, was Sensorik bedeutet und wie sie die Technik ansteuern und regeln können – und dass das alles „kein Hexenwerk“ ist. Später kommt dann auch der Aspekt der Kreativität hinzu. Kinder überlegen sich selbst, welche Idee sie mit Robotik umsetzen möchten und suchen dann eine Lösung für ihren Plan. Problemlösekompetenz wird also ganz nebenbei gefördert. Und wenn die Eltern, das Geschwisterchen oder Freundinnen und Freunde mittüfteln, wird außerdem die Teamfähigkeit gestärkt. Dann muss man auch über die Technik, mögliche Probleme und Lösungswege sprechen.
„Ganz grundsätzlich ist Robotik alles, was Technik und Informatik miteinander verbindet.“
Wenn man sich als Eltern nun doch für materielle Robotik-Sets als Weihnachtsgeschenke interessiert: Kannst du einen kleinen Überblick geben, welche zur Auswahl stehen?
Ganz grundsätzlich ist Robotik alles, was Technik und Informatik miteinander verbindet. Schon im Kindergartenalter kann man dies den Kleinsten mit sogenannten Bodenrobotern näherbringen. Empfehlen würde ich für dieses Alter den Bee-Bot oder Blue-Bot. Diese haben den klaren Vorteil, dass sie direkt am Roboter selbst Programmierknöpfe haben. Man könnte zum Beispiel einen kleinen Parcours im Wohnzimmer aufbauen, durch den die Kinder den Bee oder Blue Bot hindurch navigieren sollen. Für die Älteren könnte ein mBot spannend sein, den man in verschiedenen Varianten zusammenbauen kann. Auch der Controller ist relativ flexibel: Man kann Calliope oder Arduino dafür nutzen.
Kannst du kurz erklären, was Calliope oder Arduino sind?
Das sind beides Controller. Wenn man programmieren möchte und die Technik im Anschluss etwas tun soll, braucht man eine Einheit, die die verschiedenen Bauteile – zum Beispiel Motoren oder LEDs – ansteuert. Ein Controller ist der „Kopf“ eines Roboters. Man baut sein kleines Programm in Programmiercode, packt es auf den Controller und der Controller bringt die Technik zum Laufen, indem er zum Beispiel die Motoren ansteuert.
So weit, so gut. Wir waren gerade beim Überblick über verschiedene Robotik-Sets.
Genau. Wenn man die Kinder relativ schnell selbst loslaufen lassen will, gibt es von LEGO ein sehr schönes System. Das „SPIKE Essential“-Set richtet sich an Grundschulkinder und verfügt über eine App, die auf einem Bluetooth-fähigen Tablet oder Laptop läuft. In der App können sich die Kinder aus vielen Challenges eine aussuchen, zum Beispiel den Bau eines Karussells. Um die Challenge umzusetzen, erhalten sie direkt in der App eine kindgerechte Bauanleitung für die Technik und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Programmierung. Jede Challenge ist dabei eingebettet in eine Geschichte der Lego-Figuren, die sich zum Beispiel ein Karussell zum Spielen wünschen. Für Ältere ab 11 Jahren eignet sich dann das Nachfolgeset „SPIKE Prime“. Mit diesem kann sehr viel offener, freier und kreativer gebaut werden. Der einzige Haken: Beide Sets von Lego sind nicht günstig. Da sie aber für zwei Kinder ausgelegt sind, eignen sie sich auch als Geschwister- oder Familiengeschenk.
„Die Programmierbefehle sehen dabei aus wie Puzzleteile.“
Lass uns nochmal zu den Grundlagen zurückkehren. Wie muss man sich das als Eltern vorstellen, wenn Kinder programmieren? Sie können ja noch keinen richtigen Programmiercode eintippen.
Nein, das müssen sie auch nicht. Kinder im Grundschulalter können stattdessen grafische Programmiersprachen nutzen. Eine davon ist „Scratch Junior“, die Kinder in der gleichnamigen App oder als Software am Computer ausprobieren können. Die Programmierbefehle sehen dabei aus wie Puzzleteile. Wenn ich die Puzzleteile aneinanderfüge, macht das Programm etwas. Das Schöne ist: Figuren auf dem Bildschirm reagieren unmittelbar auf die Puzzleteil-Befehle und die Kinder sehen sofort, was sie programmiert haben. Theoretisch kann man damit sogar ein Buch im Deutschunterricht oder ein Tier im Sachkundeunterricht vorstellen, indem man die Figuren am Bildschirm die Buchhandlung nachspielen oder eine Tierfigur sprechen lässt.
Und wie schlägt man jetzt wieder die Brücke zurück zur Robotik? Kann man Scratch auch nutzen, um kleine Roboter zum Laufen zu bringen?
Absolut! Wenn man nun die Technik mit dazu nehmen möchte, wechselt man zu Open Roberta Lab. Das ist auch eine blockbasierte Programmierumgebung wie Scratch. Nur hier kann man zum Beispiel seinen mBot mit den Programmierbefehlen verknüpfen und dann fahren lassen.
„Nicht alles, was als Robotik verkauft wird, ist auch Robotik.“
Worauf sollten Eltern bei der Auswahl eines Robotik-Sets achten, damit das Weihnachtsgeschenk zu langfristiger Freude im Kinderzimmer führt?
Ich würde empfehlen, in ein nachhaltiges System zu investieren, das „mitwachsen“ kann. Beim Blue-Bot ist es zum Beispiel ganz schön. Wenn Kinder schon ein bisschen Erfahrung mit dem Bodenroboter gesammelt haben, gibt es eine zugehörige App, mit der man am Tablet Challenges lösen kann. Die neuen Blue-Bot-Modelle können sich auch gegenseitig entdecken. Das heißt, wenn eine Freundin oder ein Freund auch einen Blue-Bot hat, können die Kinder gemeinsam weitertüfteln. Auch beim Lego-SPIKE-System können die Nachwuchs-Tüftler/-innen mit kleinen Challenges beginnen und dann immer eigenständiger, größer und freier bauen. Grundsätzlich sollten Eltern außerdem darauf achten, dass ein Robotik-Set altersgerecht ist und ein programmierbares Teil enthält. Nicht alles, was als Robotik verkauft wird, ist auch Robotik. Manchmal ist es auch nur Technik, die man zusammenschrauben und steuern, aber nicht programmieren kann.
Hand auf‘s Herz: Über welche Art von Roboter hättest du dich als Kind am meisten gefreut?
Ich habe mir als Kind immer einen Hund gewünscht, nur leider waren meine Eltern dagegen. Ich hätte mir wahrscheinlich einen Roboter-Hund gebaut, der mich morgens an der Tür verabschiedet und nachmittags begrüßt hätte, wenn ich von der Schule nach Hause gekommen wäre. Als Jugendliche hätte ich mir dann wahrscheinlich eine Alarmanlage für meine Zimmertür gebaut: „Achtung, Eltern vor der Tür!“.
Liebe Silke, herzlichen Dank für deine Zeit und bereits ein frohes Weihnachtsfest dir und deiner Familie!

