So erleichtert ChatGPT den Arbeitsalltag als Lehrkraft – Eine Buchempfehlung

Madeleine Hankele-Gauß
Lehrer lehnt an einer Tafel und schaut angestrengt in die Ferne. Auf der Tafel ist ein Chatbot zu sehen, der in fragt: "Wie kann ich helfen?"

In hektischen Arbeitswochen kann schnell alles zu viel werden: In seinem Praxisratgeber gibt Wolfgang Fessler Tipps für Lehrkräfte, wie sie ChatGPT als KI-Assistenten nutzen können. | Foto: stockfour/iStock/Getty Images Plus via Getty Images

Praxisratgeber ChatGPT im Beruf

Eine volle Arbeitswoche liegt vor Ihnen und Sie müssen noch Unterrichtsstunden vorbereiten, Aufsätze korrigieren und einen Elternabend vorbereiten? In solchen Momenten könnte Ihnen der populäre KI-Chatbot ChatGPT zukünftig einen Teil der Arbeit abnehmen – als KI-Assistent. Wie ChatGPT im Lehrberuf und in 99 weitere Berufen unterstützen kann, beschreibt KI-Anwendungstrainer und Business-Coach Dr. Roman Fessler in seinem Praxisratgeber ChatGPT im Beruf. Im rund 500 Seiten starken Buch liefert er geballtes Fachwissen und praktisches Handwerkszeug für den Arbeitsalltag.

Mein KI-Assistent: Wie erleichtert ChatGPT meinen Arbeitsalltag?

Als KI-Assistent ist ChatGPT ein wahres Chamäleon. So eignet er sich laut Fessler nicht nur dafür, Informationen zu recherchieren, zu filtern und zusammenzufassen. Als Organisationstool ist das KI-System ebenfalls hilfreich, indem es Checklisten, Tabellen oder Budgetpläne erstellen kann. Sogar menschenähnliche Konversationen, z.B. Gespräche mit Eltern zu Übungszwecken, lassen sich simulieren. Nicht zuletzt „kennt“ das KI-System auch Kreativitätstechniken wie Brainstorming und kann somit bei der Ideenfindung, Problemlösung und Entscheidungsfindung unterstützen. Auf diese Weise können die Antworten des KI-Chatbots Lehrer/-innen und andere Arbeitnehmer/-innen bei einer Vielzahl von Aufgaben entlasten. Die Antworten sollten dabei jedoch kritisch auf mögliche Fehler, Ungenauigkeiten, veraltete Informationen oder Vorurteile hin überprüft werden.

Das richtige „Kochrezept“ finden: Wie formuliere ich einen guten Prompt?

Wer hochwertige Antworten von ChatGPT erhalten möchte, muss ebenso hochwertige Fragen stellen oder Anweisungen geben, was man auch als „Prompt“ bezeichnet. Aus diesem Grund widmet sich der Großteil des Buchs der Frage, wie Nutzer/-innen einen guten, zielführenden Prompt formulieren können. Fessler vergleicht sie hierbei mit „Köchen“, die ohne Kochkurs oder Kochbuch „nicht alle Techniken und Möglichkeiten der Kochkunst optimal nutzen können“ (S.27). Generell sollte jeder Prompt einen klaren Zweck haben, z.B. Ideen sammeln oder einen Text verfassen, und keine komplexen oder mehrdeutigen Begriffe enthalten. Von offenen Fragen sollte man ebenfalls absehen.

Um zu zeigen, was mit ChatGPT alles möglich ist, stellt Fessler in Kapitel II zehn verschiedene Kategorien von Prompts vor – vom „Anweisungs-Prompt“ über den „Listen-Prompt“ bis hin zum „Text-Analyse-Prompt“. Für jede Prompt-Kategorie erklärt er nicht nur ausführlich, für welche Zwecke sie im Arbeitskontext eingesetzt werden kann. Er gibt auch Tipps für die Formulierung und stellt konkrete Beispiel-Prompts als „Kochrezepte“ für eigene Fragen vor.

Die richtige „Kochmütze“ aufsetzen: Persona-Priming-Prompt für Lehrkräfte

Um relevante Antworten von ChatGPT für das eigene Berufsfeld zu erhalten, empfiehlt Fessler außerdem sogenannte Persona-Priming-Prompts. Priming ist ein psychologisches Konzept, bei dem Reaktionen auf einen Reiz durch vorherige Reize beeinflusst werden. So kann ein KI-System durch gezielte Vorinformationen besser auf eine gestellte Frage reagieren. Beim „Persona-Priming“ bittet man ChatGPT, eine bestimmte berufliche Rolle einzunehmen und beschreibt hierfür deren Eigenschaften und Fähigkeiten. Erst danach stellt man die eigentliche Frage oder gibt eine Anweisung.  

In Teil V des Ratgebers hat der Autor für 100 Berufe jeweils einen maßgeschneiderten Persona-Priming-Prompt vorformuliert, unter anderem den folgenden für Lehrkräfte: „ChatGPT, ich möchte, dass du die Rolle eines Lehrers einnimmst. Du verfügst über fundiertes Wissen in Pädagogik, Fachdidaktik und Schülerbetreuung. Du bist in der Lage, Fragen zu Lehrmethoden, Unterrichtsplanung und schulischen Herausforderungen zu beantworten sowie Hilfestellungen bei Lernschwierigkeiten zu geben.“ (S. 324) Lehrer/-innen können diesen Prompt als Ausgangsbasis nutzen und ihn um fachliche Fähigkeiten ergänzen.

Arbeitszeit sparen: Bei welchen Aufgaben kann ChatGPT Lehrkräfte entlasten?

Außerdem zeigt er für jeden der Berufe auf, bei welchen Aufgaben der KI-Chatbot unterstützen kann und gibt Beispiele für idealtypische Fragen und Anweisungen. Lehrer/-innen kann ChatGPT laut Fessler unter anderem dabei unterstützen:

  • Arbeitsblätter zu erstellen,
  • kreative Unterrichtsideen zu entwickeln,
  • Schulaktivitäten zu planen und zu organisieren,
  • Elternbriefe zu verfassen oder
  • sich zu pädagogischen Themen fortzubilden.

Alles in allem überzeugt der Praxisratgeber ChatGPT im Beruf durch seine hochaktuellen Informationen und konkreten Tipps, die auch ChatGPT-Neulinge direkt in die Praxis umsetzen können. Mit ein wenig Übung können Sie so als Lehrkraft wertvolle Arbeitszeit sparen und haben dadurch mehr Zeit für die individuelle Betreuung Ihrer Schülerinnen und Schüler.
 

Dr. Roman Fessler (2023): ChatGPT im Beruf – Der große Praxisratgeber. Wie die Künstliche Intelligenz Ihren Arbeitsalltag erleichtert. Verlag Mensch. 2. Aufl. ISBN 9783903390935. 460 Seiten.

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Madeleine Hankele-Gauß

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