1. Sie befinden sich hier:
  2. Landesmedienzentrum
  3. Aktuelles
  4. Aktuelles
  5. Raus aus dem Social-Media-Rabbit-Hole: So können Eltern und Schule unterstützen

Raus aus dem Social-Media-Rabbit-Hole: So können Eltern und Schule unterstützen

Laura Margara & Madeleine Hankele-Gauß
Eine rothaarige Jugendliche blickt genervt zu ihrem Freund, der auf sein Handy schaut. Beide sitzen auf den Stufen des Pausenhofs einer Schule.

Fast drei Viertel aller Jugendlichen verbringen mehr Zeit auf Social Media, als ihnen lieb ist – das ergab eine aktuelle Studie der Vodafone Stiftung. | Foto: Svitlana - adobestock.com

14- bis 20-Jährige unzufrieden mit Social-Media-Nutzungsverhalten

Eine aktuelle Studie der Vodafone Stiftung zeigt: Viele Jugendliche sind unzufrieden mit ihrem Social-Media-Nutzungsverhalten, schaffen den Absprung aber nicht. Neben eigener Grenzsetzung wünschen sie sich auch Unterstützung durch Elternhaus und Schule.

Soziale Medien gehören fest zum Alltag von Jugendlichen: Zwei Drittel verbringen täglich mehr als zwei Stunden auf Apps wie Instagram, TikTok oder WhatsApp. Ein Drittel ist sogar fast fünf Stunden täglich aktiv. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage unter mehr als 1.000 Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren von Infratest dimap im Auftrag der Vodafone Stiftung hat sie zu ihrem Nutzungsverhalten befragt.

Zu viel Zeit bei Social Media

Unterhaltung, Austausch mit Freundinnen und Freunden und Inspiration gehören zu den Hauptgründen für die Nutzung von sozialen Medien und sorgen für ein überwiegend positives Erleben. Doch nicht immer überwiegt der Spaß- und Wohlfühlfaktor: Gut ein Drittel der Jugendlichen berichtet von negativen Gefühlen wie Einsamkeit, Neid auf andere und Stress nach stundenlangem, intensivem Scrollen.

Dabei reflektieren die Jugendlichen generell ihr Nutzungsverhalten kritisch und bewerten die Zeit, die sie am Handy und auf den Plattformen verbringen, als zu hoch: Drei Viertel (73 %) von ihnen gab an, dass sie täglich mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen, als ihnen lieb ist.

Trotzdem fällt es den Befragten schwer, den eigenen Konsum einzudämmen. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie soziale Medien gerne weniger nutzen würden, es aber nicht schaffen. Sogar von Entzugserscheinungen ist bei einigen die Rede (36 %).

Jugendliche setzen eigene Grenzen bei der Handynutzung

In der Studie wurde auch abgefragt, welche Schritte die Jugendlichen selbst unternehmen, um die eigene Nutzungszeit zu verringern oder sich bei wichtigen Aufgaben nicht stören zu lassen. Die Mehrheit (69 %) hat dafür Mitteilungen deaktiviert, meidet soziale Medien während der Lernzeiten (58 %) oder schaltet das Handy in den „Nicht stören“-Modus (51 %). Die Hälfte verordnete sich selbst täglich handyfreie Zeiten.

Überraschend dabei: Die befragten Jugendlichen wünschen sich Unterstützung durch Schule und Elternhaus. Denn knapp die Hälfte gab an, dass es zuhause keine Regeln in Bezug auf die Handy- und Social-Media-Nutzung gibt. Lediglich bei einem Drittel gibt es vereinbarte Bildschirmzeiten oder eine Sperrung von Apps oder Webseiten durch Eltern.

So können Eltern eine ausgewogene Social-Media-Nutzung unterstützen

Wie können Eltern ihren Kindern einen ausgewogenen Umgang mit den sozialen Medien vermitteln, ohne dass es zu Streit oder sogar Verboten kommt? Darüber haben wir mit der Medienpädagogin Andrea Zeisberg von der Medienpädagogischen Beratungsstelle am LMZ gesprochen. Sie berät Erziehende sowie Pädagoginnen und Pädagogen zu Fragen rund um die digitale Lebenswelt von Heranwachsenden. Ihre Tipps für Eltern:

  • Vorbild in der Mediennutzung sein:
    Wie Eltern im Alltag selbst mit Medien umgehen, ist laut Zeisberg für ihre Kinder richtungsweisend: „Wenn zu Hause ein regulierter Umgang vorgelebt wird und nicht ständig in jeder Situation aufs Handy geschaut wird, können Kinder und Jugendliche daraus viel für ihr eigenes Verhalten ableiten“.
  • Medienfreie Aktivitäten und Hobbys anbieten und fördern:
    Ob Sport, eine kreative Tätigkeit oder ein Hobby im Verein: „All das schafft Gemeinschaft jenseits von Onlinewelten“, so Zeisberg. Medienfreien Aktivitäten nachzugehen kann Kindern und Jugendlichen nicht nur helfen, die Balance zwischen der Online- und Offline-Welt zu halten. Sie sind gerade dann hilfreich, wenn soziale Medien negative Gefühle hinterlassen.
  • Kinder zum „Ausmisten“ und Kuratieren ermuntern:
    Laut Medienpädagogin Zeisberg können Eltern ihre Kinder dazu ermuntern, „auf ihrem Smartphone auszumisten: Welche Apps brauche ich wirklich und reichen mir nicht vielleicht eine oder zwei Social-Media-Apps?“ So könne das quantitative Nachrichtenaufkommen reduziert werden. Qualitativ könne es helfen zu kuratieren, welchen Social-Media-Accounts man folgt. Statt Lifestyle-Kanälen könne man auch Kanälen folgen, die sich um digitales Wohlbefinden oder das eigene Hobby drehen.
  • Proaktiv mit Kindern über Social-Media-Inhalte sprechen:  
    Auf die eigenen Kinder zuzugehen und sie proaktiv danach zu fragen, was sie online beschäftigt, sollte regelmäßig auf der Tagesordnung stehen. „Eltern können sich auch Inhalte zeigen lassen – aber nur die, die Jugendliche auch zeigen wollen. Wichtig ist, auf die Inhalte wertschätzend und nicht abwertend zu reagieren, weil man zum Beispiel etwas albern findet oder nicht nachvollziehen kann.“
  • Regeln zu Mediennutzung und Bildschirmzeiten gemeinsam festlegen:
    Zeisberg empfiehlt Eltern, Regeln zu Mediennutzung und Bildschirmzeiten gemeinsam mit ihren Kindern festzulegen – aus Akzeptanzgründen. „Welche Orientierung Kinder und Jugendliche hier brauchen, hängt nicht nur vom Alter, sondern auch von der individuellen Entwicklung ab“, erklärt die Medienpädagogin. Während für jüngere Kinder technische Jugendschutzlösungen ein gutes „Auffangnetz“ böten, würde sie älteren Kindern eher einen „Vertrauensvorschuss“ geben: „Dabei darf man auch mal einen Fehler machen.“

Weitere Tipps, um Kinder sicher in der digitalen Welt zu begleiten, erhalten Sie in unserer digitalen Veranstaltungsreihe „Eltern-Medien-Wochen im Herbst“. Themen und Termine finden Sie hier.

Schulen sollen verantwortungsvollen Umgang vermitteln

Auch von der Schule wünschen sich vor allem jüngere Befragte mehr Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Smartphones. Mehr als 80 % der Schülerinnen und Schüler wünschen sich Unterricht und Schulprojekte zum besseren Umgang mit sozialen Medien, Tipps für eine ausgewogene Social-Media-Nutzung und Kurse für konzentriertes, effektives Arbeiten.

Mithilfe der folgenden Medienempfehlungen möchten wir Schulen und Lehrkräfte dabei unterstützen, das Thema soziale Medien in Unterricht und Projektarbeit zu behandeln: 

SESAM-Medien zu Social Media entdecken

Zum Materialpaket Social Media & Demokratie

Zum Themenschwerpunkt „Soziale Netzwerke“

Laura Margara & Madeleine Hankele-Gauß

E-Mail senden

Diese Seite teilen: