Nachgefragt am LMZ: Was sind Media Peers?
Als Media Peer unterstützt Pelle Krüger seine Mitschülerinnen und Mitschüler im Umgang mit Social Media und Co. Sandra Tell, Medienpädagogische Referentin am LMZ, bildet Media Peers aus. | Foto Pelle Krüger: LMZ/Marlene Feller, Foto Sandra Tell: privat
„Man muss nicht unbedingt komplett technikbegeistert sein“ – Im Gespräch mit Sandra Tell und Pelle Krüger
Souverän und selbstständig digitale Technologien und Social Media nutzen: Das lernen Kinder und Jugendliche ab Klasse 7 in der Media Peer Academy. Sandra Tell, Medienpädagogische Referentin am LMZ, bildet selbst Media Peers aus. Im Interview verrät sie, was ihr dabei besonders wichtig ist und warum Schulen die jungen Mentorinnen und Mentoren brauchen. Einblicke in den Alltag eines Media Peers gibt außerdem Pelle Krüger, Schüler am Evangelischen Heidehof-Gymnasium Stuttgart.
Bis einschließlich 23. Februar 2026 können sich weiterführende Schulen für die Media Peer Academy im Schuljahr 2026/27 bewerben. Ausführliche Informationen über die Ausbildung von Media Peers und die Rahmenbedingungen der Bewerbung finden sie hier.
Media Peers als authentische „Bindeglieder“ in der Medienbildung
Warum brauchen Schulen heutzutage Media Peers?
Sandra Tell: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass wir ein „Bindeglied“ haben: jemanden, der sich noch selbst in der jugendlichen Medienwelt befindet. Um die problematischen Seiten oder Trends wahrzunehmen, reicht es nicht, nur auf Roblox oder TikTok vorbeizuschauen. Man muss schon Teil dieser Welt sein. Media Peers können anderen Kindern und Jugendlichen von ihren eigenen Erfahrungen auf Social Media erzählen – und wie sie auch aus unangenehmen Situationen wieder herausgefunden haben. Daher sind sie als Mentorinnen und Mentoren einfach authentischer als Erwachsene.
Welche Vorteile hat es, dass Schülerinnen und Schüler anderen Schülerinnen und Schülern helfen?
Pelle Krüger: Es hat auf jeden Fall Vor- und Nachteile. Wir sind viel näher an anderen Kindern und Jugendlichen dran, da wir selbst viel auf Social Media und Online-Plattformen unterwegs sind. Dadurch vertrauen sie uns schneller und öffnen sich, wenn wir Fragen stellen. Der Nachteil ist, je nach Klasse nimmt man uns nicht ganz so ernst. Daher ist es am Anfang immer ein bisschen „challenging“, die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen zu bekommen. Es braucht dann zum Beispiel einen mitreißenden Einstieg, damit sie bei einem Workshop mitarbeiten und sich nicht darüber lustig machen.
Neues lernen und Wissen an andere weitergeben
Was können Kinder und Jugendliche in der Media Peer Academy lernen?
Sandra Tell: Viele Jugendliche denken, sie wissen schon viel über die Medienwelten, in denen sie sich bewegen. Bestimmte Themen sind ihnen aber dann doch nicht so geläufig, wie zum Beispiel: Wer sammelt meine Daten und warum? Wo werde ich überall getrackt? Wie können Apps per Design süchtig machen? Media Peers lernen also, tiefergehend über die Mechanismen von Medien nachzudenken, ihre Konsequenzen zu reflektieren und Fragen zu stellen. Nur so können sie sich eine Meinung bilden und eine eigene Entscheidung darüber treffen, ob sie bestimmte Apps nutzen möchten – und wie häufig.
Wie ist die Ausbildung als Media Peer aufgebaut?
Sandra Tell: Am Anfang steht ein Ideenworkshop. Hier brainstormen die Lernenden, in welche Richtung der Kurs gehen soll und welche Themen sie interessieren. Danach folgt die zehnstündige Basisausbildung. In zwei Selbstlernkursen erfahren die Teilnehmenden Wissenswertes zur Peer-to-Peer-Bildung und wie sie Medienprojekte planen und umsetzen können. Außerdem gibt es zwei Workshops mit uns Referierenden: einen Moderationsworkshop und einen Startkurs zu digitalen Medien, in dem es zum Beispiel um Datenschutz geht. Nach der Basisausbildung können sich die Media Peers dann auf einem Themengebiet ihrer Wahl spezialisieren. Als Abschluss folgt ein zwölfstündiges Medienprojekt, bei dem sie von uns Referierenden begleitet werden und erlernte Inhalte praktisch umsetzen: das sogenannte Startprojekt.
Was sollten Kinder und Jugendliche mitbringen, die Media Peers werden wollen?
Pelle Krüger: Man musst nicht unbedingt komplett technikbegeistert sein. Vor allem ist es wichtig, sich darauf einzulassen, Neues zu lernen und Wissen an andere weiterzugeben. Gerne vor einer Gruppe zu sprechen, ist definitiv ein Vorteil. Wer außerdem ein gewisses Interesse an Social Media und Online-Themen hat, dem wird es in jedem Fall Spaß machen. Und durch die Ausbildung kann man auch gut Kontakte knüpfen, kleine Jobs in diesem Bereich bekommen und Verantwortung übernehmen.
Wie werden in der Ausbildung auch Future Skills gefördert?
Sandra Tell: Ein Themenbereich, wo ich auf jeden Fall Bedarf sehe, ist der kritische Umgang mit KI. Alle Lernenden nutzen sie in irgendeiner Form und bei Aufgabenstellungen ist KI „der große Problemlöser“. Doch wenn ich immer alles an ChatGPT abgebe, kommen natürlich kaum eigene Ideen, Denk- und Lernprozesse zustande. Kritische Fragen stellen, Dinge reflektieren, aber auch prompten: Das sollten wir mehr trainieren und hier können wir in der Media Peer Academy Impulse setzen.
Vielfältige Einsatzbereiche von Media Peers
Wie bringst du dich als Media Peer an deiner Schule ein? Gibt es ein Team?
Pelle Krüger: Mit den anderen Media Peers an meiner Schule treffe ich mich mehr oder weniger regelmäßig und immer wieder planen wir kleine Aktionen. Für jüngere Klassen haben wir schon mehrere Workshops durchgeführt. Im Workshop für eine sechste Klasse ging es zum Beispiel um Kontakte im Internet und Cybergrooming. Außerdem helfen viele Media Peers an meiner Schule dabei, den Instagram-Kanal des Heidehof-Gymnasiums zu betreuen.
Welche Aufgaben können Media Peers nach ihrer Ausbildung an ihren Schulen übernehmen?
Sandra Tell: An vielen Schulen setzen Media Peers Workshops für die Klassen 5 und 6 um. Von einigen weiß ich, dass sie in engem Austausch mit den Lehrkräften stehen, die das neue Fach „Informatik und Medienbildung“ ausgestalten. An Elternabenden können Media Peers ebenso mitwirken wie an Sprechstunden der Schulsozialarbeit. In Schopfheim unterstützen Schülerinnen und Schüler sogar über die Schulgrenze hinweg: Hier geben Kinder und Jugendliche Seniorinnen und Senioren in einem Freiwilligencafé digitale Hilfestellung.
Was war für dich ein Highlight als Media Peer?
Pelle Krüger: Ein Highlight für mich war der Radio-Workshop des SWR in diesem Sommer. Die Workshop-Leiterin Birgit Wächter aus der SWR-Verkehrsredaktion hat mich gefragt, ob ich sie dabei unterstütze – und das war dann mein erster richtiger Auftrag als Media Peer. Beim Workshop konnten die Teilnehmenden selbst eine Radiosendung produzieren und durften bei allem mitwirken: Themen überlegen, Expertinnen und Experten interviewen, Umfragen in der Stadt machen usw. Als Media Peer konnte ich dabei Anregungen und Tipps geben. Das war eine supercoole Erfahrung und die Sendung wurde sogar bei einer Challenge der Kampagne BITTE WAS?! eingereicht.
Liebe Sandra, lieber Pelle, herzlichen Dank für das Gespräch.
Bis einschließlich 23. Februar 2026 können sich weiterführende Schulen für die Media Peer Academy im Schuljahr 2026/27 bewerben. Ausführliche Informationen über die Ausbildung von Media Peers und die Rahmenbedingungen der Bewerbung finden sie hier.

