Nachgefragt am LMZ: Was ist das Makermobil?
Makermobil-Mitarbeiterin Lien Ha Duong Viet | Foto: Marlene Feller
Im Gespräch mit Lien Duong Viet: Lernen durch Machen!
Lien Ha Duong Viet ist Projektmitarbeiterin in unserem Bildungsprojekt Makermobil. Gemeinsam mit ihrem Team bringt sie technische Bildung und MINT-Themen direkt an die Schulen – in einem umgebauten Bus, der als mobiler Makerspace fungiert. Acht Makermobile soll es zukünftig geben, mit denen die Mitarbeitenden der Medienzentren in ganz Baden-Württemberg an die Schulen fahren. Das Projekt ist Teil des Innovationsprogramms „Digitale Schule“ des Kultusministeriums Baden-Württemberg.
Im Interview erzählt Lien Ha Duong Viet, was genau hinter dem Projekt steckt, welche Mission das Team verfolgt und wie man Schülerinnen und Schüler durch praktisches Tun fürs Lernen begeistern kann.
Was ist das Makermobil und welches Ziel verfolgt ihr mit dem Projekt?
Das Makermobil ist ein Bus, in dem sich fünf verschiedene Module befinden, die in einem Klassenzimmer ausgepackt werden und zu Stationen aufgebaut werden können – also quasi zu einem mobilen Makerspace. Unsere Mission ist es, den Makerspace an Schulen zu bringen. Das machen wir, indem wir Workshops anbieten, die fächerübergreifend sind und Technik erlebbar machen. Es geht uns darum, Lernen zu fördern – vor allem die Neugier, das selbstbestimmte Lernen und das Lösen von Problemen.
Im Team entwickeln wir dafür Workshops und Projekte, die Pädagoginnen und Pädagogen an Schulen einsetzen können. Uns ist wichtig, dass man nicht nur sieht: Die Kinder bauen etwas – sondern auch erkennt, was sie dabei lernen. Technisches Wissen, aber eben auch das Erlernen weiterer Kompetenzen, die über den Bildungsplan hinausgehen wie 2CSs. Ich würde sagen, unser Motto ist ganz klar: Lernen durch Machen.
Was genau macht das Makermobil für dich so besonders?
Für mich ist es total motivierend zu sehen, wie Kinder und Jugendliche Spaß dabei haben, zu lernen und eigene Sachen zu entwickeln. Es geht nicht darum, dass der Notendruck im Vordergrund steht oder das Gefühl „Ich muss unbedingt etwas leisten“. Sondern sie dürfen einfach mal ausprobieren – und in diesem Ausprobieren entdecken sie, dass sie richtig viel können. Dass sie zum Beispiel Freude am Designen haben, an Technik oder an kreativen Lösungen. Und genau das ist so besonders: dass dieser Raum entsteht, in dem sie ganz eigenständig weiterdenken und weitermachen können.
Welche Module gibt es im Makermobil und was kann man damit machen?
Wir haben einmal das 3D-Modul mit vier 3D-Druckern. Dann gibt es das Lasercutter-Modul: Damit kann man dünne Materialien schneiden und gravieren, zum Beispiel Filz, Holz und dicke Materialien wie Kiefer. Außerdem haben wir das Grafikmodul, ausgestattet mit zwei Plottern und einer Transferpresse. Mit dem Schneideplotter können selbst gestaltete Motive aus verschiedenen Materialien präzise ausgeschnitten werden. Diese lassen sich anschließend – je nach Material – aufkleben oder mithilfe der Transferpresse auf Textilien übertragen. Dann gibt es noch die Mechatronikstation mit vielen Werkzeugen und zwei Lötstationen – die ist dafür da, wenn bei den Projekten etwas angepasst oder repariert werden muss. Dann gibt es noch das Stickmodul mit drei Stickmaschinen. Damit kann man entweder eigene Codes oder auch alles, was man kreiert hat, auf Stoff sticken. Und zu guter Letzt das Studio-Modul. Wenn alle anderen Module aufgebaut sind, wird der Bus selbst zum Produktionsort: Dort können die Lernenden Podcasts aufnehmen, Videos drehen – also richtige Medienproduktion betreiben.
Warum findest du es wichtig, schon in der Schule Zugänge zu MINT-Themen zu schaffen? Wie gelingt das mit dem Makermobil – vor allem für Mädchen?
Im Mittelpunkt des Makermobils steht nicht das reine Vermitteln technischer Inhalte, sondern das Fördern von Kompetenzen, die für die Zukunft entscheidend sind – wie kreatives Denken, Problemlösefähigkeit, Kommunikation und Teamarbeit. Durch fächerübergreifende Projekte erleben Kinder, wie Lernen praktisch, sinnstiftend und motivierend sein kann. Technik wird im Makermobil als Werkzeug genutzt, um Ideen praktisch umzusetzen und abstrakte Konzepte erfahrbar zu machen – etwa, wenn ein Stromkreis nicht nur gezeichnet, sondern mit eigenen Händen gebaut wird. So entstehen auch für Mädchen Zugänge, die nicht an klassische Technikbilder gebunden sind, sondern über Gestalten, Ausprobieren und Mitdenken laufen.
Was sind die nächsten Schritte für das Projekt – worauf freust du dich besonders?
Die nächsten Schritte drehen sich vor allem darum, die Module so einzurichten, dass sie an die Medienzentren weitergegeben werden können. Ich freue mich besonders darauf zu sehen, wie das Makermobil in der Praxis an den Schulen eingesetzt wird – über Monate hinweg, mit ganz unterschiedlichen Projekten. Nach jedem Workshop sammeln wir viele Learnings, die wir dann direkt umsetzen. Wir sind auch sehr dankbar für die Medienzentren, denn ohne sie läuft gar nichts. Sie sind der Schlüssel dafür, dass das Making nachhaltig an Schulen etabliert wird – nicht nur durch einzelne Einsätze, sondern indem sie eine Haltung verfestigen und Lehrkräfte befähigen, die Makermobil-Module langfristig zu nutzen und weiterzugeben.

