Mein Algorithmus kennt mich gut – kenne ich den Algorithmus?

Romy Göhner
Zwei Jugendliche nutzen algorithmisch personalisierte Inhalte in sozialen Netzwerken.

Jugendliche rezipieren in sozialen Netzwerken algorithmisch personalisierte Inhalte. | Canva

Studienerkenntnisse zum Umgang von Jugendlichen mit personalisierten Inhalten

Soziale Medien zeigen uns genau die Inhalte, die zu uns passen. Möglich ist das durch sogenannte algorithmische Empfehlungssysteme. Eine Studie des Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF) analysiert, wie kompetent Jugendliche mit personalisierten Inhalten und diesen Systemen umgehen.

Liken, Teilen und Weiterleiten – jeder Klick in der Social-Media-Welt gibt Informationen über uns preis. Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok und Co. analysieren mit algorithmischen Empfehlungssystemen (AES) das Nutzerverhalten und können so Vorlieben und Interessen erkennen. Auf Basis dieser Daten bekommen Nutzende individuell passende Inhalte oder Werbung ausgespielt.

Die Studie des JFF rückt die Perspektive junger Menschen auf personalisierte Empfehlungen in den Vordergrund: Was wissen Jugendliche über Algorithmen und durch sie ausgespielte Inhalte? Wie gehen sie damit um? Und wo soll die Medienpädagogik ansetzen, um die Digitalkompetenz von Jugendlichen zu stärken?

Was ist das Problem mit personalisierten Inhalten?

Auf den ersten Blick scheint es kein Problem mit personalisierten Inhalten in sozialen Medien zu geben. Eigentlich ist es doch sehr praktisch, nur Inhalte ausgespielt zu bekommen, die einen tatsächlich interessieren? Allerdings basiert das ganze Prinzip der Personalisierung auf permanenter Datenverarbeitung. Die KI hinter dem Empfehlungssystem interpretiert die Daten und zieht Schlüsse über eine Person, die vorurteilsbelastet oder sogar falsch sein könnten. Es ist undurchsichtig, welche Daten wie erhoben werden, da sich die Algorithmen ständig weiterentwickeln und deren Quellcode häufig nicht offenliegt. Gleichzeitig entsteht durch die maßgeschneiderten Inhalte eine sogenannte Filterblase, die die Nutzenden von abweichenden Informationen isoliert.

Was wissen Jugendliche über algorithmische Empfehlungssysteme?

Die Ergebnisse der qualitativen Studie basieren auf Interviews mit insgesamt 38 Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren. Zu den meistgenutzten sozialen Plattformen der befragten Teenager zählen TikTok und Instagram. Die Studie zeigt, dass den meisten Heranwachsenden bewusst ist, dass die von ihnen genutzten Angebote mit einer Art Empfehlungssystem arbeiten und sie deshalb persönliche Daten preisgeben müssen. Manchen Jugendlichen fällt es allerdings schwer zu erklären, was algorithmische Empfehlungssysteme sind und nehmen den eigenen Einfluss oder die Steuerung der Inhalte nicht richtig wahr.

Auch in Sachen Datensammlung blicken die interviewten Jugendlichen nicht vollständig hinter die Kulissen. Ihrer Ansicht nach tracken die Plattformen vor allem Likes und Kommentare – nur wenigen ist klar, dass auch Verweildauer, Standorte und Uhrzeiten gespeichert werden. Außerdem vermuten sie, dass reine Werbezwecke hinter der Personalisierung stecken. Sie berücksichtigen nicht, dass die Plattformen die Nutzerdaten weitergeben oder verkaufen könnten.

Die befragten Teenager gehen bei der Nutzung von personalisierten Angeboten auch mit innerlichen Widersprüchen um. Zum einen schätzen sie die Arbeit des Algorithmus. Es gefällt ihnen, wenn das System passende Inhalte vorschlägt. Zum anderen würden sie gerne die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten und fragen sich deshalb, ob sie sich von TikTok und Co. abmelden müssten. Außerdem merken sie, dass sie soziale Medien durch die maßgeschneiderten Inhalte täglich länger nutzen, als sie eigentlich wollen. Die Jugendlichen sehen die Verantwortung nicht bei den algorithmischen Empfehlungssystemen, sondern bei sich und ihrer eigenen mangelnden Selbstdisziplin.

Digitalkompetenz bei Jugendlichen stärken – aber wie?

  • Bewusstsein schaffen: Jugendliche sollen verstehen, dass Algorithmen personalisierte Inhalte in sozialen Netzwerken ausspielen. Die Inhalte sind dadurch weder objektiv noch repräsentativ.
  • Filterblase umgehen: Anstatt sich nur von automatischen Ergebnissen berieseln zu lassen, sollen Heranwachsende lernen, dass man durch eigenständige Recherche an vielfältigere Informationen kommt. So kann man über den Tellerrand der personalisierten Inhalte hinausschauen.
  • Social-Media-Nutzung reflektieren: Die folgenden Fragen können mit Jugendlichen zusammen diskutiert werden. Welche sozialen Medien nutze ich und warum? Welche Informationen gebe ich freiwillig preis? Welche Spuren hinterlasse ich zusätzlich im Internet? Was erfahren so Dritte über mich?
  • Wissen vermitteln: Auch junge Menschen sollen verstehen, was algorithmischen Empfehlungssysteme sind, wie sie funktionieren, wo sie vorkommen und welche Folgen und Risiken dadurch für die Privatsphäre entstehen. Dazu gehört auch, über Datenmissbrauch aufzuklären.
  • Persönliche Daten schützen: Da jeder Klick im Internet erfasst wird, haben personenbezogene Daten in sozialen Medien nichts verloren. Besser sind Nicknamen oder alternative Mailadressen. Informationen im eigenen Profil oder in Chats sollten immer mit Bedacht geteilt werden.

 

Für Jugendliche ist ein medienkompetenter Umgang mit Online-Angeboten und algorithmischer Personalisierung wichtig. Es geht nicht darum, dass Teenager komplett auf digitale Medien verzichten sollen, sondern um einen bewussten und selbstregulierten Umgang.

Den Link zur ganzen Studie gibt’s hier:

<<Was ich like, kommt zu mir>>

Romy Göhner

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