Lernen vor der großen Leinwand – SchulKinoWoche 2024 schließt mit Rekordbeteiligung
Beim Filmgespräch zu „The Zone of Interest“ diskutierten 350 Schüler/-innen mit dem Antisemitismusbeauftragten Dr. Michael Blume über die Bedeutung des Films sowie die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. | Foto: LMZ/Michael Damböck
Mehr als beliebt: Rund 130.000 Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte gemeinsam in lokalen Kinos
Gemeinsam auf eine große Leinwand schauen – statt einzeln auf einen Smartphone-Bildschirm. Einer Handlung 90 Minuten lang intensiv folgen – statt auf die Schnelle ein 15-Sekunden-Video zu konsumieren. Sich mit anderen über das Gesehene austauschen – statt gleich zum nächsten Kurzvideo zu swipen. Vom 14. bis 22. November 2024 ermöglichte die SchulKinoWoche Baden-Württemberg rund 130.000 Kindern und Jugendlichen sowie ihren Lehrkräften genau das: Filme gemeinsam und abseits des schnelllebigen Alltags in einem lokalen Kino anzuschauen. Mit 44 Prozent mehr Besucher/-innen als im Vorjahr war die SchulKinowoche 2024 ein Riesenerfolg (2023: 90.233 Besucher/-innen).
„In der SchulKinoWoche schaffen wir es, Kindern und Jugendlichen auch Bewegtbilder zu bringen, die eine längere Story erzählen und tiefe Einblicke in die Emotionen der Charaktere ermöglichen“, so Fabian Karg, stellvertretender Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Dafür standen in diesem Jahr 35 Spielfilme, Dokumentationen, Literaturverfilmungen und Trickfilme zur Auswahl – allesamt mit Bildungsplanbezug und passendem Unterrichtsmaterial.
Publikumsliebling im Filmprogramm war der Animationsfilm „Alles steht Kopf 2“, in dem es um die widerstreitenden, personifizierten Gefühle der Teenagerin Riley geht. Auf Platz zwei der Beliebtheitsskala landete der Doku-Spielfilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“, der das lebenswichtige Element Luft in Zeiten des Klimawandels in den Blick nimmt und unter anderem in der Mongolei und dem Amazonasgebiet spielt.
Für die Filmvorführungen öffneten insgesamt 111 Kinos im ganzen Land ihre Tore. Zu den meistbesuchten Kinos der SchulKinoWoche gehörten das Harmonie Arthaus Freiburg, das Cineplex Bruchsal sowie das Central & Union Filmtheater Ludwigsburg.
Mehr über die SchulKinoWoche erfahren
Unterrichtsmaterialien zu den SchulKinoWoche-Filmen herunterladen
Im Anschluss an die Filmvorführung klärte Dr. Michael Blume die teilnehmenden Jugendlichen zunächst über die Geschichte des Antisemitismus auf und beantwortete ihre Fragen zum Film. | Foto: LMZ/Michael Damböck
Mehr als eine Filmvorführung: 350 Schüler/-innen beim Filmgespräch mit Antisemitismusbeauftragtem Dr. Michael Blume
Neben den Filmvorführungen selbst führte die SchulKinoWoche in diesem Jahr 91 Filmgespräche für Schulklassen passend zu den angebotenen Filmen durch. Ein Höhepunkt des diesjährigen pädagogischen Begleitprogramms war das Filmgespräch zum historischen Drama „The Zone of Interest“ mit dem Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, Dr. Michael Blume.
Rund 350 Schüler/-innen sahen sich im Gloria Innenstadt Kino Stuttgart gemeinsam den beklemmenden Film über das Familienleben von Rudolf Höß, dem Kommandanten des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, an. Der Film kontrastiert die bürgerliche Idylle der Familie Höß in ihrer Privatvilla mit dem Grauen des direkt daran angrenzenden Vernichtungslagers, das die vermeintliche Idylle durch Schreie, Schüsse und das Wummern des Krematoriums unterbricht.
Im Filmgespräch unmittelbar nach der Filmvorführung klärte Dr. Blume die Kinder und Jugendlichen über die Geschichte des Antisemitismus auf und beantwortete ihre Fragen rund um den Film und das Thema Antisemitismus. Laut Blume setze der „bewegende Film“ viel Wissen voraus. Er hob hervor, dass der Antisemitismus aus „Bildungsneid“ heraus entstanden sei, da das Judentum „die erste Religion der Alphabetisierung“ war. „Der Antisemitismus ist nicht irgendein Rassismus. Er ist rassistisch, ganz klar. Aber in den meisten Formen von Menschenfeindlichkeit fühlen sich die Leute überlegen. (…) Die einzige Form, bei der sich die Leute unterlegen fühlen, ist Antisemitismus“, so Blume.
Nach dem „sehr schweren Film“ fand eine Oberstufenschülerin des Friedrich-Eugens-Gymnasiums Stuttgart „das Gespräch dann sehr aufklärend“, weil sie dabei Neues über den Antisemitismus und vor allem über dessen Geschichte dazugelernt habe. „Was ich besonders an dem Film fand, war, dass die Zuschauer/-innen damit konfrontiert werden, dass die Täter/-innen auch ganz normale Menschen waren, normalen Alltag gelebt haben und die Grenze zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß verschwimmt“, so eine weitere Schülerin des Friedrich-Eugens-Gymnasiums.
Auch der Antisemitismusbeauftragte Blume betonte zum Ende des Gesprächs hin, dass es „in jedem Volk, in jeder Religion und in jeder Gruppe immer Gutes und Böses geben“ werde, weil das letztlich in uns allen stecke. Es käme daher auf die Entscheidung jeder und jedes Einzelnen zwischen Gegenwehr und Mitläufertum an. Er schloss das Gespräch mit einem Appell für ein friedliches Miteinander: „Das Eigene wertzuschätzen, das Eigene zu lieben und das Andere zu respektieren, wenn uns das gelingt, dann kann unsere Zukunft – Ihre Zukunft richtig gut werden.“
Mehr als ein Projekt für Schulklassen: Lehrkräfte-Fortbildungen rund um Filmbildung
Um Filme wie „The Zone of Interest“ methodisch sinnvoll in den Unterricht einbetten zu können, fanden im Rahmen der SchulKinoWoche außerdem verschiedene Lehrkräfte-Fortbildungen rund um Filmbildung statt. Da Methoden der Filmvermittlung im Lehramtsstudium meist nur am Rande vorkommen, konnten die teilnehmenden Pädagoginnen und Pädagogen dabei grundlegende Methoden zur Behandlung von Film im Unterricht erlernen. In diesem Jahr reichten die Fortbildungen thematisch vom Dokumentarfilm in der Grundschule über die mediale Inszenierung von Schönheitsidealen und Sexualität bis hin zu Antisemitismus und Rassismus im Film.
Nach der SchulKinoWoche ist vor der SchulKinowoche
Wenn Sie die SchulKinoWoche 2025 nicht verpassen möchten und auch im laufenden Jahr Tipps rund um Filmbildung erhalten möchten, melden Sie sich schon jetzt für den Newsletter „Filmbildung und SchulKinoWoche“ an:
Über die SchulKinoWochen
Die SchulKinoWochen sind ein bundesweites Angebot zur Filmbildung, welches VISION KINO in Kooperation mit Partnern in allen 16 Bundesländern organisiert. Die SchulKinoWoche Baden-Württemberg wird veranstaltet von VISION KINO, dem Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, und dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg, den Stadt- und Kreismedienzentren Baden-Württemberg, Kinomobil e.V., der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, dem Landesverband Kommunaler Kinos sowie der Landesanstalt für Kommunikation.













