JIM-Studie 2024 – Jugendliche nutzen mehr KI und weniger TikTok
Foto: Syda Productions - adobestock.com
Studie untersucht Medienkonsum und Zukunftsperspektiven junger Menschen
Jugendliche nutzen deutlich mehr KI-Anwendungen wie ChatGPT und sind erstmals weniger auf TikTok unterwegs als in den vergangenen Jahren. Dabei ist das Smartphone als „dritte Hand“ inzwischen das zentrale Alltagsmedium nahezu aller 12- bis 19-Jährigen. Das sind zentrale Ergebnisse der JIM-Studie 2024, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) Ende November veröffentlicht hat.
Die JIM-Studie untersucht seit 1998 jährlich aktuelle Trends und Entwicklungen im Medienverhalten von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren. Sie liefert repräsentative Daten zum Medienkonsum, zu digitalen Herausforderungen sowie zu den Zukunftsperspektiven junger Menschen.
Das verrät die JIM-Studie über das aktuelle Medienverhalten von Jugendlichen
Künstliche Intelligenz (KI) – Nutzung vor allem im schulischen Kontext
Die Nutzung von KI-Anwendungen wie ChatGPT hat deutlich zugenommen. 57 % der Jugendlichen haben bereits Erfahrungen mit solchen Tools gemacht, vor allem im schulischen Kontext, etwa für Hausaufgaben und Lernunterstützung. Besonders ältere Jugendliche und Gymnasiasten machen regen Gebrauch von generativer KI. Wie tief digitale Technologien in den Bildungsalltag integriert sind, zeigt dabei die durchschnittliche schulische Internetnutzung von 71 Minuten pro Tag.
Social Media und Apps – TikTok-Nutzung erstmals rückläufig
WhatsApp bleibt mit 96 % regelmäßiger Nutzung die unangefochtene Nummer eins unter den Apps, gefolgt von Instagram (62 %) und TikTok (54 %). Auffällig ist ein erstmaliger Rückgang in der TikTok-Nutzung. Dagegen konnten Plattformen wie Snapchat und Discord regelmäßige Nutzer/-innen hinzugewinnen. Laut JIM-Studie fungieren soziale Medien nicht nur als kommunikatives Sprachrohr der jungen Generation, sondern auch als Suchmaschine für Informationen und Bühne für Unterhaltung und kreative Entfaltung.
Medienausstattung – Smartphone als „dritte Hand“ nahezu aller 12- bis 19-Jährigen
Smartphones sind mit einer Verbreitung von nahezu 100 % das wichtigste Gerät im Leben der Jugendlichen. Samsung und Apple dominieren den Markt. Auch Tablets, Smart-TVs und Spielekonsolen gehören zur Standardausstattung der meisten Haushalte. Bei der jungen Generation können ansonsten vor allem mobile Geräte punkten: Der Besitz von Tablets, tragbaren Spielekonsolen und Wearables hat zugenommen, während Computer, Fernsehgeräte und Smart-TVs rückläufig sind.
Mediennutzung im Alltag – 96 % der Jugendlichen täglich online
Jung sein heißt online sein: 96 % der 12- bis 19-Jährigen sind täglich im Netz unterwegs und 98 % nutzen ihr Smartphone regelmäßig. Weitere beliebte Aktivitäten im Zusammenhang mit Medien sind Musikhören (93 %) und die Nutzung von Videoplattformen (85 %).
Plattformen wie YouTube, Netflix und TikTok bleiben zentrale Anlaufstellen für Unterhaltung und Kommunikation. Zwei Drittel der Jugendlichen nutzen regelmäßig YouTube, und 52 % sehen Inhalte auf Netflix. Doch auch Bücher sind weiterhin ein fester Bestandteil der Medienwelt von jungen Menschen: 37 % lesen regelmäßig gedruckte Bücher.
Risiken im Netz – Mehr als jede/-r Zweite kürzlich mit Fake News in Kontakt
Mehr als die Hälfte der Befragten machte kürzlich Erfahrungen mit der „schmutzigen Seite“ der sozialen Medien: 61 % der Jugendlichen begegneten im vergangenen Monat Fake News, 57 % berichteten von beleidigenden Kommentaren. Der Kontakt mit Verschwörungstheorien und extremen politischen Ansichten bleibt ebenfalls auf einem hohen Niveau. Insbesondere soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok und Snapchat spielen hierbei eine Rolle.
Zukunftsperspektiven – Zwischen Vorfreude und Sorge
Jugendliche blicken sowohl mit Vorfreude als auch mit Sorge auf die kommenden Jahre. Während viele sich auf den Schulabschluss, die eigene Unabhängigkeit und neue technologische Möglichkeiten freuen, bereiten Themen wie Klimawandel, politische Unsicherheiten und finanzielle Herausforderungen einigen Sorgen.
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Relevanz für Pädagogik und Elternhaus
Die Ergebnisse der JIM-Studie 2024 verdeutlichen die Notwendigkeit, Jugendliche bei ihrem Medienumgang pädagogisch zu begleiten. Die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten, sondern erfordert auch ein kritisches Bewusstsein für die Zuverlässigkeit der generierten Inhalte. Gleichzeitig bleibt es wichtig, den Jugendlichen Kompetenzen zu vermitteln, um problematische Inhalte im Netz zu erkennen und angemessen zu reagieren.
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Weitere Informationen
Die vollständige JIM-Studie 2024 kann auf der Website des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest werden.

