Instagram nimmt Kampf gegen Fake-Bilder auf
Vorher und nachher: Bildbearbeitung von Gesichtern | GettyImages/ svetikd
Fakes sollen aus dem Vordergrund verschwinden – gelöscht wird nichts
Instagram will Maßnahmen gegen Fake-Bilder ergreifen. Stark verfremdete Bilder sollen herausgefiltert und im Hintergrund der Plattform versteckt werden - gelöscht wird aber vorerst nichts.
Gestufter Faktencheck: Erst mit Tool, dann durch Experten
Instagram-Freunde, aufgepasst: Instagram will künftig gegen Fake-Bilder vorgehen und mit einem neu entwickelten Feature stark verfremdete Fotos herausfiltern. Demnach sollen besonders modifizierte Fotos künftig aus dem „Entdecken-Bereich“ verschwinden und dann in den Hintergrund der Plattform verschoben werden. Gelöscht wird aber nichts. Das berichtete Deutschlandfunk Nova am 16. Januar 2020. Auf die Frage, nach welchen Kriterien dieser Faktencheck erfolgen solle, erklärte die Deutschlandfunk-Reporterin Anke van der Weyer, technische Details seien noch nicht bekannt. Fest stehe: Instagram wolle gestuft vorgehen. Die erste Filter-Selektion solle über ein technisches Tool erfolgen, das Instagram in Kürze ausrollen wird. Diese Technologie könne auch User-Hinweise und Feedbacks berücksichtigen. Wird ein Bild als zu verfremdet eingestuft, „fischt“ es die Software heraus und leitet es an ein externes Faktenchecker-Team weiter, das dann über die Echtheit des Fotos entscheiden soll.
Kommen die unabhängigen Prüfer/-innen zum gleichen Ergebnis, landet das Bild im Feed von Instagram mit einem Warnhinweis, das Bild sei zu stark bearbeitet. Wer diesen Hinweis wegklickt, kann das Bild noch sehen. Allerdings ist es von nun an per Hashtag nicht mehr auffindbar.
Das soziale Netzwerk steht vor einer ambitionierten Aufgabe, wenn man bedenkt, dass weltweit eine Milliarde Menschen Instagram nutzen, davon allein 15 Millionen Menschen in Deutschland. Aus diesen Nutzerzahlen ergibt sich ein Vielfaches an geposteten und geteilten Bildern. Die Vermutung liegt nahe, dass eine solche Bilderflut nur mit Hilfe künstlicher Intelligenz systematisch analysiert und selektiert werden kann.
Fake oder Zensur?
Noch bleiben viele Fragen offen: Wann gilt ein Bild als zu stark modifiziert? Und wann hat ein Bild den Stempel „Fake“ verdient? Ist eine Fotomontage Kunst oder Manipulation? Muss der Himmel eines Urlaubsfotos das tatsächliche Wettergeschehen widerspiegeln, auch wenn es immer geregnet hat? Dürfen Portraitaufnahmen künftig nicht mehr „aufgehübscht“ werden, obwohl Instagram paradoxerweise jede Menge Filter zur Bildbearbeitung anbietet?
Tatsächlich hat Instagram in der Vergangenheit schon Gesichtsfilter verboten, bei denen Gesichter so verändert wurden, als hätte man sich einer Schönheits-OP unterzogen. Nun will Instagram nachlegen und zu stark bearbeitete Fotos weiter in den Hintergrund verbannen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahme einen Beitrag dazu leisten wird, Fake-Bilder auf Social Media zu reduzieren.
Das könnte Sie auch interessieren:
Kampagne „Bitte was?! Kontern gegen Fake und Hass
Unterrichtsmaterial: Informationskompetenz. Erkennen, was wahr und richtig ist (PDF)

