Innehalten, neue Wege gehen, Zusammenhalt stärken. LMZ-Direktor Michael Zieher im Gespräch zum Jahresstart

Marlene Feller

Seit dem 29. Juli 2020 ist Michael Zieher Direktor am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. | Foto: Christian Reinhold

Mit klaren Zielen und neuen Wegen ins Jahr 2025 starten

Im Interview teilt Michael Zieher, Direktor des LMZ, was ihn antreibt und welche Themen ihm für das neue Jahr besonders am Herzen liegen. Dazu gehören die Begleitung von Bildungseinrichtungen auf dem Weg in die Digitalisierung, aber auch die Sensibilisierung für Fake News und Manipulationen in sozialen Medien, um unsere Demokratie zu erhalten. Zugleich teilt er seine Vision für die Zukunft: Ein LMZ, das alle Gruppen unserer Gesellschaft erreicht und optimal unterstützt – von der frühkindlichen Bildung bis zur Seniorenarbeit. Ebenso gibt er Einblicke in seine persönliche Perspektive auf lebenslanges Lernen, inspiriert durch das Reisen mit seinem Wohnwagen und das Erlernen neuer Sprachen.

Herr Zieher, 2025 ist gestartet– welches Ziel haben Sie sich für das Landesmedienzentrum in diesem Jahr gesetzt?

„Momentan gehen mir viele Dinge durch den Kopf. Wir sind erfolgreich unterwegs in Bezug auf unseren Auftrag, Schulen bei der Digitalisierung und Medienbildung zu unterstützen. Das zeigt sich besonders in den Innovationsprogrammen, die wir angestoßen haben und die jetzt Früchte tragen. Ein Beispiel ist der Einsatz von Robotik-Sets, mit denen Schülerinnen und Schüler spielerisch an technische Themen herangeführt werden. Gleichzeitig haben wir große Fortschritte bei der Weiterentwicklung unserer Digitalpakt-Projekte, der SESAM-Mediathek und unserer Netzwerklösung für Schulträger gemacht. Diese Themen werden uns auch in diesem Jahr intensiv beschäftigen. Was mir jedoch Sorgen bereitet, ist eine derzeit weltweite Entwicklung: Die gezielte Beeinflussung und Manipulation der öffentlichen Meinung durch Fake News in sozialen Medien, vor allem in Wahlzeiten. Ich möchte mir für dieses Jahr vornehmen, dass wir Schülerinnen und Schülern, mehr Handwerkszeug mitgeben, um solche Mechanismen zu durchschauen und sich für unsere Demokratie stark zu machen. Damit wir am Ende alles dafür getan haben, unsere Demokratie zu erhalten. Das ist der Hauptpunkt, der mich bewegt. Er hat erstmal gar nichts mit Digitalisierung und Technik zu tun. Die Erhaltung unserer Demokratie ist die Grundlage dafür, dass wir alle anderen Themen wie auch die Digitalisierung überhaupt angehen können. Ohne Demokratie macht alles andere keinen Sinn.” 

Gibt es Themen oder Dinge, bei denen Sie sagen: „Das wollen wir hinter uns lassen und Platz für Neues schaffen“?

„Wir leben in Zeiten, in denen es schwierig ist, kontinuierliche Finanzierungen zu bekommen für Dinge, die wir für dringend notwendig erachten und die uns am Herzen liegen: Die Unterstützung von Bildungsinstitutionen auf dem Weg zur Digitalisierung und Medienbildung. Wir sind an vielen Stellen gezwungen, Themen über befristete Projekte anzubieten. Jüngst haben wir erlebt, dass zum Jahresende ein sehr wertvolles Programm, nämlich eines zur Unterstützung von Seniorinnen und Senioren ausgelaufen ist. Wir wollen als Landesmedienzentrum für alle Gruppen unserer Gesellschaft da sein – von Kindern über Jugendliche bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Diese Vielfalt ist ein Teil unseres gesetzlichen Auftrags, und es ist schmerzhaft, wenn wir diesem Auftrag wegen fehlender Mittel nicht gerecht werden können. Mein Bestreben ist, auch wenn das eine schwierige Zeit dafür ist, mehr Verstetigung zu erreichen und mehr Arbeitsaufträge mit verlässlicher Finanzierung zu bekommen. Damit wir für alle Menschen die passende Unterstützung liefern können.” 

Wie schaffen Sie es, in herausfordernden Zeiten, Inne zu halten und neue Energie zu tanken?

„Zum einen hilft es mir, Orte zu haben, an denen ich abschalten und einfach mal die Ruhe genießen kann. Und wenn ich gerade keinen festen Ort habe, dann habe ich einen Wohnwagen, mit dem ich wie ein Vagabund durch Raum und Zeit ziehen kann, um das Leben zu genießen. Zum anderen ist meine Familie für mich ein zentraler Punkt. Sie gibt mir einen Ort, an den ich täglich zurückkehren kann, und das Gefühl von Heimat. Das tut mir gut und hilft mir, den Kopf freizubekommen.” 

Was treibt Sie persönlich an, am LMZ zu arbeiten?

„Mich treibt vor allem die Zusammenarbeit mit faszinierenden Menschen an. Ich bin täglich von Kolleginnen und Kollegen umgeben, die mit großer intrinsischer Motivation arbeiten. Diese Begeisterung ist ansteckend und gibt mir jeden Tag neue Energie. Ich sehe das Landesmedienzentrum als eine Institution, die grundlegende Dinge verändern und verbessern kann – Dinge, die Kinder und Jugendliche dringend brauchen, um in einer digitalen Welt zurechtzukommen. Es geht mir dabei nicht nur um fachliche Inhalte, sondern vor allem um überfachliche Kompetenzen, die Menschen helfen, ihr Leben aktiv zu gestalten. Es ist mir ein Anliegen, dass wir als Gesellschaft mehr Wert auf diese überfachlichen Qualifikationen legen. Fachwissen ist wichtig, aber die Fähigkeit, kritisch zu denken, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden und demokratisch zu handeln, ist aus meiner Sicht noch wichtiger. Dazu tragen wir hier am LMZ bei, das ist unser Job. Wir machen nicht Deutsch, wir machen nicht Mathe, wir machen Medienbildung.” 

Foto: Christian Reinhold

Thema lebenslanges Lernen: Was lernen Sie selbst gerade – beruflich oder privat?

„Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit der französischen Sprache. Mit meinem Wohnwagen bin ich so oft es geht unterwegs, und Frankreich ist eines meiner liebsten Reiseziele.  Mit einer Sprachlern-App übe ich regelmäßig, höre die Sprache, lerne sie zu verstehen und selbst zu sprechen. Für mich ist das Lernen der Sprache mehr als nur ein praktischer Vorteil. Es ist eine Möglichkeit, Menschen und Kulturen näherzukommen und Sprachbarrieren abzubauen. Lebenslanges Lernen bedeutet für mich, neugierig zu bleiben und sich immer wieder auf Neues einzulassen. Es ist bereichernd, sowohl kulturell als auch persönlich.” 

Wie stellen Sie sich das LMZ in zehn Jahren vor?

„Ein zentraler Wunsch, den ich seit fünf Jahren verfolge, ist, dass alle Verantwortlichen im Bildungssystem die Angebote des Landesmedienzentrums und der Medienzentren kennen und wissen, wie sie diese im Unterricht nutzen können. Und weiter wünsche ich mir, dass wir den politischen Auftrag bekommen, die frühkindliche Bildung mit in den Blick zu nehmen und damit unser Angebot auf alle Altersgruppen der Gesellschaft ausweiten können. Mir ist klar, dass das Ganze ein unfassbar großes Volumen hat. Aber wenn wir schon in diesem Land eine Landesinstitution haben, die sich mit diesen Themen auseinandersetzt, dann sollten wir sie der gesamten Gesellschaft zugutekommen lassen. Bildung ist ein lebenslanger Prozess, und wir als LMZ möchten dafür die bestmöglichen Bedingungen schaffen.” 

Herr Zieher, vielen Dank für Ihre Zeit und das schöne Gespräch. 

Marlene Feller

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