Historisches Bild des Monats Oktober
Schlossgarten Schwetzingen im Herbst 2009. | LMZ/Andrea Rachele
Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv
Schwetzingen: Schlossgarten im Herbst, 2009
Wie ein riesiger Ausstellungsraum breitet sich der Garten des Schlosses Schwetzingen vor den Besuchern aus. Auf einer Fläche von 72 Hektar bietet er zu jeder Jahres- und sogar Tageszeit stetig wechselnde Ausstellungen, in denen Kunst und Natur eine Einheit bilden.
Eingebettet in eine sich ständig ändernde Szenerie aus Farben, Beleuchtung, Düften und Temperaturen, führen die Wege vom barocken Schloss über die breit angelegten, von Blumenrabatten gesäumten Rasenflächen des Kreisparterres weiter nach Westen. Die niedrige Bepflanzung des im französischen Stil angelegten Zirkels mit dem Arionbrunnen im Mittelpunkt geht allmählich in von höheren Hecken gesäumte Wege über. Diese Wäldchen – Bosketten – sind ebenfalls nach strengen geometrischen Mustern angelegt, bilden jedoch parallel zu den Innenräumen des Schlosses kleine, geschützte Räume.
Bereits im 14. Jahrhundert befand sich hier eine Wasserburg, welche in den darauffolgenden Jahrhunderten mehrfach zerstört und umgebaut wurde. Aus diesem Kernbau entstand im Laufe des 18. Jahrhunderts das „Pfälzische Versailles“. Die ersten Umbauarbeiten und Erweiterungen zu einem Jagdschloss und einer Sommerresidenz fanden unter Carl III. Philipp von der Pfalz (1661–1742) statt. Bereits zu diesem Schloss gehörte ein Garten von beachtlicher Größe, der jedoch mit den heutigen Anlagen noch keineswegs vergleichbar war. Der Schlossgarten wurde hauptsächlich unter der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor (1724–1799), nach seinem Amtsantritt im Jahr 1742, ausgebaut. Ab 1748 entstand hier in den darauffolgenden 50 Jahren ein spätbarocker Garten nach französischen und englischen Vorbildern mit Entwürfen der Gartenarchitekten Johann Ludwig Petri, Nicolas de Pigage und Friedrich Ludwig Sckell.
Unser Bild zeigt einen Abschnitt der westlich von dem Zirkel entstandenen Boskettzone, die sogenannten „Bosquets à l’angloise“. Dieser Teil, zusammen mit dem hier abgebildeten „nördlichen Angloise“, entstand im Wesentlichen nach 1762 nach den Entwürfen von Nicolas de Pigage. Der Blick des Betrachters der Fotografie wird über die von Hecken gesäumten Wege ins Bildinnere geführt und findet auf der weißen Statue, die exakt die Bildmitte einnimmt, seinen Ruhepol. Die lebensgroße Figur des Hirtengottes Pan wird dort auf einem Podest aus Tuffstein unter Nadelbäumen, wie in seiner natürlichen Umgebung in Arkadien, präsentiert. Es handelt sich dabei um ein Werk von Peter Simon Lamine (1738–1817) aus dem Jahr 1774. Es zeigt den Gott des Waldes und der Natur auf seiner Flöte spielend, die er aus dem Schilfrohr bastelte, in dem sich die vor ihm fliehende Nymphe Syrinx verwandelte.
Der nach vermeintlich englischen Vorbildern nachempfundene Abschnitt des Wäldchens wurde von den Fotografinnen und Fotografen des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zu verschiedenen Jahreszeiten und unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen mehrfach abgebildet.
Andrea Rachele, die Fotografin dieses Bildes, leistete von 1987 bis zur Auflösung der Fotoabteilung des Landesmedienzentrums im Jahr 2014 einen wertvollen Beitrag zur Dokumentation des Bundeslands und somit eine Arbeit, die es in diesem Sinne leider nicht mehr gibt. Sie war aktiv in die Kooperationsarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg (SSG) eingebunden. Während der Zusammenarbeit der beiden Institutionen, die vom Ende der 1980er Jahre bis ca. 2012 bestand, entstanden mehr als 10.000 hervorragende Aufnahmen.
Rund 80 000 digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.
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