Historisches Bild des Monats März

Zita Bugbee
Fotografie Fernsehturm Stuttgart-Degerloch, 1956

Stuttgart-Degerloch: Fernsehturm, Luftbild 1956 | LMZ/Albrecht Brugger

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Der Stuttgarter Fernsehturm: Wahrzeichen und Orientierungspunkt in der Stadt zwischen Wald und Reben.
Seit nunmehr 70 Jahren erhebt er sich über Stuttgart und prägt mit seiner schlanken, zugleich kraftvollen Silhouette das Stadtbild. In seiner Form verbinden sich Funktionalität und Ästhetik zu einer ingenieurtechnischen Meisterleistung.

Seit 1986 steht der Turm unter Denkmalschutz. Er verkörpert den Neuanfang und Aufbruch der Nachkriegszeit und avancierte zu einem der ersten zukunftsweisenden Bauwerke dieser Ära. Zugleich steht er für den Aufstieg des Fernsehens zum prägenden Massenmedium, welches Medium in jener Zeit identitätsstiftende Kraft entfaltete. Der Wunsch des Intendanten des Süddeutschen Rundfunks, Fritz Eberhard, den er in seiner Eröffnungsrede formulierte – „Möge der Turm […] dazu helfen, die Menschen in der ganzen Welt einander näherzubringen.“ – schien sich zumindest teilweise zu erfüllen.

Mit Beginn des regelmäßigen Fernsehsenderbetriebs an Weihnachten 1952 wuchs auch im Raum Stuttgart das Bedürfnis, mit der Welt verbunden zu sein. Allerdings kam dieses neue Medium zunächst vor allem den Bewohnerinnen und Bewohnern der Höhenlagen zugute. Im Talkessel hingegen war der Empfang nur mit aufwendigen Spezialantennen möglich. Bereits Anfang Januar 1953 plante der Süddeutsche Rundfunk daher die Errichtung eines Fernseh-Grundnetzsenders auf dem Bopser. Vorgesehen war ein mit Abspannseilen gesicherter Stahlgittermast.

Dass dieses rein funktionale Konzept verworfen wurde, ist dem Stuttgarter Bauingenieur Fritz Leonhardt (1909–1999) zu verdanken. Es gelang ihm, sowohl Fritz Eberhard als auch die Direktion des SDR davon zu überzeugen, statt eines Zweckbaus einen schlanken Turm mit Aussichtsfunktion und symbolischer Strahlkraft zu errichten.

Schon vor der Eröffnung des Stuttgarter Fernsehturms gab es hohe Bauwerke mit Aussichtsplattformen, etwa den Eiffelturm. Auch der 1926 erbaute Berliner Funkturm, welcher 1932 die weltweit erste Fernsehsendung ausstrahlte und ebenso eine Aussichtsplattform sowie ein Restaurant herbergte, konnte auch ein Vorbild gewesen sein. Diese Türme bestanden jedoch aus Stahlgitterkonstruktionen und unterschieden sich deutlich von der später typischen Fernsehturm-Form. Der Stuttgarter Fernsehturm war der weltweit erste Fernsehturm aus Stahlbeton mit einem schlanken Schaft und einem markanten, aufgesetzten „Korb“, der Technik, Aussichtsplattform und Gastronomie vereinte. Dieses neuartige Konzept wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Bauwerke. Damit wurde Stuttgart zum Ausgangspunkt einer Bauform, die weltweit zum Symbol moderner Rundfunktechnik und städtischer Identität wurde. So steht der Stuttgarter Fernsehturm bis heute nicht nur als technisches Bauwerk auf dem Hohen Bopser, sondern als Zeichen für Mut zur Innovation, in einer Stadt, die bereits mehrmals Architekturgeschichte schrieb.

Unser „Bild des Monats“ entstand ebenfalls im Eröffnungsjahr des Turms und zählt zu den frühen Aufnahmen des Luftbildfotografen Albrecht Brugger, der die Entstehungsgeschichte des Bauwerks in einer eindrucksvollen Bilddokumentation festhielt. Auch in den folgenden Jahren gehörte das Wahrzeichen zu seinen bevorzugten Motiven. 

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