Historisches Bild des Monats Januar
Stuttgart: Württembergisches Staatstheater, Großes Haus im Winter 1938 | LMZ (Robert Bothner)
Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv
Für Schneeliebhaber beginnt jedes Jahr mit derselben spannenden Frage: Wo kann man seinen winterlichen Hobbys am besten nachgehen? Ob Wintersportler, Natur- oder Fotografiebegeisterte – alle möchten wissen, welcher Ort die besten Bedingungen bietet. Auch wenn man dafür heutzutage oft eine längere Reise auf sich nehmen muss, zeigen Bilder aus unserem Archiv, dass dies nicht immer so war.
Viele historische Fotos aus dem inzwischen rund 100 Jahre alten Bildarchiv zeigen die Landeshauptstadt unter einer üppigen Schneedecke – in friedlichen wie in weniger friedlichen Zeiten. Zu den schönsten winterlichen Aufnahmen zählen sicherlich jene, die vom ersten Meisterfotografen des Fotoarchivs, Robert Bothner, stammen.
Der Schnee verändert die vertrauten Motive der Stadt, reduziert sie auf schwarz-weiße Konturen, bietet ungewöhnliche Ansichten und zahlreiche Möglichkeiten für Fotografien mit starken grafischen Kontrasten. Auch Bothner war häufig im Winter unterwegs. Viele dieser Bilder entstanden mit seiner Kleinbildkamera, einer Leica (wahrscheinlich aus der Serie III), die er in der Stadt bevorzugte, weil er damit schnell und flexibel, aber dennoch mit seiner gewohnten Präzision arbeiten konnte. Unzählige Schwarz-Weiß-Fotografien von ihm zeigen die märchenhaft verschneite Stadt.
Das hier gezeigte Bild gehört zu seinen relativ seltenen Farbfotografien, von denen sich im Fotoarchiv nur wenige erhalten haben. Es ist nicht nur fotografisch, sondern auch fototechnisch-historisch bedeutend und führt uns zurück in die Pionierzeit der Farbfotografie. Auch wenn die Datierung auf 1938 vermutlich etwas verfrüht ist, sind Farbaufnahmen um 1940 in dieser Qualität generell äußerst selten. Der Fotograf verwendete einen Rollfilm der Firma Agfa, der 1936 unter dem Namen Agfacolor Neu auf den Markt kam. Es war der erste moderne Farbfilm mit eingelagerten Farbkupplern in drei übereinanderliegenden Schichten für Blau, Grün und Rot. Farbkuppler sind chemische Moleküle im Film, die während der Farbentwicklung mit den im belichteten Silber entstehenden Stoffen reagieren und dabei die eigentlichen Farbstoffe (Cyan, Magenta, Gelb) bilden.
Der Unterschied zum Kodachrome, der ab 1935 von Kodak produziert wurde und ebenfalls ein Umkehrfilm war, bestand darin, dass Kodachrome keine Farbkuppler enthielt. Die Farbstoffe entstanden erst während der Entwicklung durch chemische Zusätze in mehreren Farbbädern. Bothner verwendete zu dieser Zeit bei Kleinbildaufnahmen ausschließlich Rollfilme der damals in Wolfen (Sachsen-Anhalt) ansässigen deutschen Firma.
Das Bild des Monats zeigt die für frühe Agfacolor-Filme typischen subtilen Cyan-Nuancen, bestehend aus einer Mischung von Türkis, Aquamarin und Blaugrün. Trotz der winterlichen Pastelltöne und des leichten Farbstichs zeichnet sich die Aufnahme durch sehr klare Strukturen und optimale Belichtung aus. Sie strahlt Ruhe, Transparenz und eine Sehnsucht nach Normalität in den Kriegsjahren aus, die Bothner selbst hautnah erlebte.
Weitere stimmungsvolle Winterbilder finden Sie hier:
Rund 80 000 digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.
Hier gehts zur SESAM-Mediathek

