Historisches Bild des Monats Dezember

Zita Bugbee
Weihnachts-Illustration von Johannes Seipp aus dem JAhr 1930.

Weihnachts-Illustration von Johannes Seipp, 1930. | LMZ/Johannes Seipp.

Jeden Monat ein neues Foto aus dem Bildarchiv

Das Bild des letzten Monats im Jahr 2024 zeigt eine bekannte Szene aus der Weihnachtsgeschichte. Die aufwendige Scherenschnittillustration zeigt Maria und Josef mit dem Jesuskind, die huldigenden Hirten mit dem Lamm in einem strohgedeckten Stall. Das filigrane Kunstwerk wurde um 1930 von dem Stuttgarter Lehrer, Johannes Seipp geschaffen, fotografiert und auf einem Glasplattennegativ im Format 9x12 cm im Bildarchiv der ehemaligen Württembergischen Bildstelle (Vorgänger des heutigen Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, der aber 1936 in Landesbildstelle Württemberg umbenannt wurde) verwahrt.

Johannes Seipp wurde 1893 in Frankfurt am Main geboren und arbeitete von 1919 bis 1922 als Hilfslehrer an der Oberrealschule in Cannstatt. Bis 1935 war er Hauptlehrer an der Volksschule in Hedelfingen, einer bedeutenden Reformschule. Von 1935 bis 1939 unterrichtete er an der Volksschule in Gaisburg, deren Rektor er von 1950 bis 1959 war*. Herr Seipp starb 1978. 

Das Bildarchiv des Landesmedienzentrums besitzt mit über 190 Exponaten eine der umfangreichsten Sammlungen von Scherenschnitten Johannes Seipps. Es handelt sich um Illustrationen zu den Märchen der Brüder Grimm und Wilhelm Hauff (Tischlein deck dich, Die Bremer Stadtmusikanten, Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen, Hase und Igel, Lumpengesindel, Hänsel und Gretel, Brüderchen und Schwesterchen, Sterntaler, Der kleine Muck, Hans im Glück, Kalif Storch) sowie zu biblischen Geschichten, die zum größten Teil auf kolorierten Glasdias im Format 6 x 9 cm überliefert sind. Die Glasdiapositive wurden noch vor dem Zweiten Weltkrieg in der damaligen Landesbildstelle Württemberg hergestellt und entstanden zwischen 1936 und 1939. 

Dazu wurden die mehrschichtigen Scherenschnitte zuerst fotografiert. Auch das Bild des Monats zeigt eine solche Schwarz-Weiß-Aufnahme, aus der ein farbiges Glasdiapositiv hergestellt werden sollte, das aber nicht in unserem Bildarchiv erhalten blieb. Für das Positivbild wurde eine mit Bromsilber-Gelatine-Emulsion beschichtete Glasplatte erneut belichtet. Die Glasdiapositive (Fenster-, Stereoskop- oder Laternbilder) wurden damals mit Eiweißlasurfarben und sehr weichen Pinseln unter Verwendung einer Lupe direkt auf der Gelatineschicht koloriert. Der Bildträger musste durch eine weitere Glasplatte geschützt werden, und die beiden Glasplatten wurden von Hand mit Klebestreifen zusammengefügt und beschriftet.

Obwohl diese Reproduktionstechnik auch bei schwarz-weißen Diapositiven technisch anspruchsvoll war, waren Glasdiapositive in der Weimarer Republik und noch lange danach die wichtigsten Bildträger im Schulunterricht. Vermutlich wurden die Märchenillustrationen auch im eigenen Unterricht von Johannes Seipp verwendet, da sie sich damals wie heute sehr gut für den Deutsch-, aber auch für den Fremdsprachenunterricht eigneten. 

Elke Hauptmann: Märchenhafte Scherenschnitte, Cannstatter Zeitung, Online-Ausgabe , 25.01.2019
 

Zum Bild des Monats

Weitere Bilder von Johannes Seipp finden Sie hier:

Zur Bildsammlung

Viele digitalisierte Aufnahmen des Bildarchivs sind in der SESAM-Mediathek integriert und können dort recherchiert werden.

Hier gehts zur SESAM-Mediathek

Weitere Informationen zum Bildarchiv erhalten Sie hier:

Weitere Informationen

Zita Bugbee

Diese Seite teilen: