Gemeinsam gegen mediale Gewalt
Schülerinnen und Schüler der Längenfeldschule Ehingen, Foto: Sabine Enderle, LMZ
Erfolgreicher Aktionstag an der Längenfeldschule Ehingen
170 Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern, Lehrkräften und weiteren pädagogischen Fachkräften haben sich gemeinsam gegen mediale Gewalt stark gemacht: Das ist die positive Bilanz des Aktionstages am 23. März 2023 an der Längenfeldschule Ehingen in Zusammenarbeit mit der landesweiten Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass.“
Im Mittelpunkt stand am Vormittag das Produzieren von Medienbeiträgen der Schülerinnen und Schüler zum Umgang mit medialer Gewalt. Abgerundet wurde der Aktionstag durch Fachvorträge und einer lebhaften Podiumsdiskussion von Expertinnen und Experten.
Die Veranstaltung in Ehingen stellte den Auftakt einer Reihe von Aktionstagen im ländlichen Raum dar, die BITTE WAS?! im aktuellen Schuljahr 2023/23 anbietet.
Mediale Gefahren für Jugendliche wie Cybermobbing, Cybergrooming und problematische Social-Media-Trends nehmen immer weiter zu. Auf dem Aktionstag in der Längenfeldschule Ehingen erfuhren die Teilnehmenden, wie sie mediale Gefahren erkennen und sich und andere davor schützen können.
So wurden für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 bis 8 verschiedene Workshops unter Anleitung von Fachexpertinnen und -experten angeboten. Die hier entstandenen kreativen medialen Beiträge, darunter Plakate und Videos zu Themen wie Cybermobbing und Hatespeech, wurden den Besucherinnen und Besuchern im Anschluss auf einem „Markt der Zeichen“ präsentiert. Eltern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte waren dazu eingeladen, sich bei einem Fachvortrag zum Thema „Gewaltprävention und Mobbingintervention“ sowie bei einer Podiumsdiskussion über mediale Gewalt an Schulen und im Alltag zu informieren.
Anti-Hate-Club Mitglied mit Ausweis. Foto: Sabine Enderle, LMZ
Die Kampagne BITTE WAS?!
Als landesweite Kampagne unterstützt BITTE WAS?! seit 2019 Schulen, pädagogische Einrichtungen und Lehrkräfte in ganz Baden-Württemberg in Form von Workshops und Aktionen. Zielsetzung ist, eine respektvolle Diskussionskultur im Netz zu fördern. In diesem Schuljahr (2022/23) trägt die Kampagne ihre Inhalte auch verstärkt in den ländlichen Raum Baden-Württembergs. Termine zu weiteren Aktionstagen werden in Kürze auf der Kampagnen-Homepage (www.bitte-was.de) bekannt gegeben. Zudem können einzelne Workshops bei BITTE WAS?! angefragt werden.
Gewalt an Schulen wird immer häufiger mit der Mediennutzung von Heranwachsenden assoziiert. Laut der aktuellen JIM-Studie 2022 wurden mehr als die Hälfte aller Jugendlichen im Internet bereits mit beleidigenden Kommentaren konfrontiert. Gleichzeitig nimmt die Internetnutzung bei den 12- bis 19-Jährigen immer weiter zu: Im Jahr 2022 nutzten mehr als die Hälfte aller Jugendlichen die Kurzvideoplattform TikTok und fast alle den WhatsApp-Messenger. Deshalb sind Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Eltern stärker denn je gefragt, Heranwachsende bei der Mediennutzung zu begleiten und Konflikten vorzubeugen.
Die Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ soll verstärkt außerhalb der Ballungsräume in Baden-Württemberg sichtbarer und attraktiver gemacht werden. Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Schülerinnen und Schüler sollen über die Kampagne und die dazugehörige #ZeichenSetzen-Challenge informiert werden. Hierfür entstehen im Schuljahr 2022/23 in Kooperation mit den jeweiligen Kreismedienzentren Großveranstaltungen in Präsenz, die im ländlichen Raum stattfinden. Jede Großveranstaltung widmet sich je einem Schwerpunktthema. Der Aktionstag in Ehingen war dem Thema „Mediale Gewalt in der Schule und im Alltag“ gewidmet. Vormittags fanden Workshops mit Schülerinnen und Schülern statt. Das Programm am Nachmittag/Abend richtete sich an Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen.
Ausstellung der Schülerinnen und Schülerprojekte „Markt der Zeichen“ (v.l.r. Benjamin Kolesch - Polizeipräsidium Ulm, Carina Bremer - Landesmedienzentrum BW, Lara Gebhardt-Brodbeck - Tima e.V. Tübingen
Workshops und Ausstellung
Die Workshops fanden mit den Klassenstufen 3 und 6 - 8 statt. Bei den Dozierenden handelte es sich um Referentinnen und Referenten des Landesmedienzentrums (LMZ) sowie der Kooperationspartner von BITTE WAS?!, darunter z.B. Zeichen gegen Mobbing e.V.:
Im „Anti-Mobbing Workshop“ lernten Schüler/-innen der Klasse 3, was Mobbing ist und wie man reagieren kann, wenn man selbst Opfer von Mobbing wird. Im Workshop „Wann geht dein Handy schlafen?“ setzten sich die Schüler/-innen mit den Chancen und Risiken der Internet- und Smartphone- Nutzung auseinander und entwickelten eigene kreative Regeln für einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien. Im Workshop „Fotostory zum Thema Konflikte“ erstellten sie Fotocomics, in welchen sie Lösungen für Konfliktsituationen im (Schul-)Alltag fanden. Beim Workshop „Podcast zum Thema Konflikte“ produzierten Jungen und Mädchen der Klasse 6 Podcasts, die erklären, wie gewaltfreie Konfliktbewältigung funktioniert. Im Workshop „Gewaltfreie Kommunikation mit iPad-Videos“ erschufen die Schüler/-innen Erklärvideos, die gewaltfreie Konfliktbewältigung aufzeigen. Im Workshop „Games-Toolkit-Koffer“ erstellten Schüler/-innen der Klasse 7 Videospiele, die vermitteln, wie man Konflikten im Alltag gewaltfrei begegnen kann. Im „Social Media Workshop“ lernten Jugendliche der Klasse 8, wie informative Inhalte für Social Media entstehen und welche Möglichkeiten es zur mobilen Berichterstattung gibt.
In der Ausstellung „Markt der Zeichen“ stellten die Schülerinnen und Schüler der Längenfeldschule ihre kreativen Projekte und Ideen vor, wie gemeinsam Cybermobbing und Co. getrotzt werden kann. Die Beiträge waren am Vormittag in Begleitung von Referentinnen und Referenten der BITTE WAS?!-Kampagne erstellt worden.
Podiumsdiskussion „Tatwaffe Smartphone – was hilft gegen mediale Gewalt?“ (v.l.n.r Christian Brodt - AGJ-Fachverband, Lara Gebhardt-Brodbeck - Tima e.V. Tübingen, Constantin Schnell – LMZ, Lisa-Marie Freudemann - Zeichen gegen Mobbing e.V., Benjamin Kolesch - Polizeipräsidium Ulm) | Sabine Enderle
Vortrag und Podiumsdiskussion
Streit, Ärger, Mobbing – eine Schule ohne Konflikte gibt es nicht. Daher ist es wichtig, dass man ihnen frühestmöglich begegnet: Wie lassen sich die Grenzen dafür abstecken? Der Anti-Mobbingexperte Christian Brodt des AGJ-Fachverbands Freiburg gab in seinem Fachvortrag zum Thema „Gewaltprävention und Mobbingintervention” Antwort auf die Fragen, wo sich präventiv eingreifen lässt und wann aktiv interveniert werden muss.
Über die Sozialen Medien verbreiten sich beleidigende Kommentare, unerwünschte Bilder und problematische „Trends“ extrem schnell. In der Podiumsdiskussion „Tatwaffe Smartphone – was hilft gegen mediale Gewalt?“ nahmen die Expertinnen und Experten Impulse aus dem Fachvortrag auf, gaben Einblicke in ihre Arbeit gegen Mobbing sowie sexualisierte Gewalt und informierten über den möglichen Umgang damit. Teilnehmende waren Christian Brodt, Realschullehrer, Mediator, Fachberater und Ausbilder für Mobbingintervention beim AGJ-Fachverband Freiburg, Lisa-Marie Freudemann, Social Visionary und Referentin bei der Zeichen gegen Mobbing e.V., Benjamin Kolesch, Polizeipräsidium Ulm, Polizeioberkommissar im Referat Prävention des Polizeipräsidiums Ulm und Lara Gebhardt-Brodbeck, zuständig für Beratung und Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen bei der Tima e.V. Tübingen. Es moderierte Constantin Schnell, LMZ.
Die Veranstaltung von BITTE WAS?! der Kampagne #Respekt BW fand in Kooperation mit der Längenfeldschule Ehingen und dem Kreismedienzentrum des Alb-Donau-Kreises statt. BITTE WAS?! ist Bestandteil von #RespektBW, einer Kampagne der Landesregierung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und für eine respektvolle Diskussionskultur in den Sozialen Medien. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg führt die Kampagne im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg durch.
zur Homepage der Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“




