Fake News zu erkennen fällt Jugendlichen schwer – Neue Erkenntnisse der PISA-Studie 2022
Informationen im Netz zu finden fällt 15-Jährigen in Deutschland leicht – sie zu beurteilen hingegen schwer. | Grafik: deagreez via adobestock.com
Neue Sonderauswertung zeigt: So gehen 15-Jährige mit Online-Informationen um
Wie gehen Jugendliche mit der Fülle an Online-Informationen um, die täglich auf sie einprasselt? Diese „Gretchenfrage“ des digitalen Zeitalters beleuchtet die PISA-Studie 2022 in ihrer Befragung zu Lernbedingungen, Einstellungen und sozialer Herkunft. Das deutsche Studienteam analysierte den Studienteil zu digitaler Informationskompetenz nun in einer Sonderauswertung mit dem Titel „Fake News oder Fakten?“. Das Ergebnis: 15-jährige Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind bei der Informationssuche kompetenter als Schülerinnen und Schüler anderer OECD-Länder. Beim kritischen Beurteilen der gefundenen Informationen weisen sie jedoch Defizite auf.
Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ kennenlernen
Selbstlernkurs zu „Fake News“ für Schülerinnen und Schüler starten
Deutsche Jugendliche hinken beim Vergleich von Quellen hinterher
Fast 70 % der Jugendlichen in Deutschland finden problemlos Informationen im Internet – und damit deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt (65 %). Doch nur knapp die Hälfte traut sich zu, die Qualität der gefundenen Informationen auch mühelos zu beurteilen. „Vielen Schülerinnen und Schülern gelingt es leider nicht ausreichend, Fake News als solche zu identifizieren. Sie haben einen erheblichen Nachholbedarf beim kritischen und reflektierten Umgang mit Informationen im Internet“, sagt der Leiter der PISA-Studie in Deutschland, Prof. Samuel Greiff vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der TU München.
Besonders beim Vergleich mehrerer Quellen hinken deutsche Jugendliche im OECD-Vergleich hinterher: Nur 60 % geben an, unterschiedliche Quellen zu nutzen. Hingegen vergleichen fast drei Viertel (72 %) der 15-Jährigen in den anderen OECD-Ländern mehrere Quellen. Dies zeigt, dass wichtige Strategien zur Vermeidung von Desinformationen nicht ausreichend verankert sind. Ein weiteres Problem: Rund ein Drittel überprüft vor dem Teilen in den sozialen Medien nicht, ob Inhalte korrekt sind.
Diese Faktoren beeinflussen die digitale Informationskompetenz
Das Studienteam um Greiff analysierte ebenfalls, welche Faktoren die selbsteingeschätzte digitale Informationskompetenz der Jugendlichen in Deutschland beeinflussen:
- Das Geschlecht: 15-jährige Mädchen vergleichen häufiger Quellen (64 % gegenüber 59 %) und überprüfen öfter Inhalte vor dem Teilen auf ihre Korrektheit (71 % gegenüber 62 %) als gleichaltrige Jungen.
- Die Schulform: Schülerinnen und Schüler an nicht gymnasialen Schularten schneiden auffallend schlechter ab als gleichaltrige Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Nur 58 Prozent der 15-Jährigen mit nicht gymnasialer Schulbildung können problemlos Informationen im Netz finden. Deutlich weniger als die Hälfte (42 %) kann diese auch mühelos beurteilen.
- Die Selbstwirksamkeit im Umgang mit digitalen Medien, das Interesse an digitalen Medien sowie der sozioökonomische Status beeinflussen ebenfalls, wie kompetent Jugendliche mit Online-Informationen umgehen. Je höher Selbstwirksamkeit, Interesse und sozioökonomischer Status, desto häufiger vergleichen Jugendliche zum Beispiel mehrere Quellen – und das unabhängig von der Schulform.
- Auch die digitale Kompetenz und Offenheit von Lehrkräften, digitale Medien im Unterricht zu nutzen, spielen eine entscheidende Rolle. Es zeigt sich beispielsweise ein positiver Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen digitalen Kompetenz der Lehrkräfte und der Bereitschaft der Heranwachsenden, online aufgefundene Falschinformationen zu kennzeichnen.
- Die gezielte Suche von Online-Informationen im Unterricht wirkt sich zudem schulformübergreifend positiv auf die digitale Informationskompetenz aus.
Unser Erste-Hilfe-Paket für digitale Informationskompetenz
Die Fähigkeit, digitale Informationen kritisch zu bewerten ist eine der Schlüsselqualifikationen des 21. Jahrhunderts. Nicht nur in Schule und Beruf ist sie gefordert, sondern angesichts der zunehmenden Verbreitung von Desinformationen auch für die Teilhabe an unserer Gesellschaft und Demokratie. Mit unserem Erste-Hilfe-Paket unterstützen wir Lehrkräfte dabei, die digitale Informationskompetenz von Kindern und Jugendlichen zu fördern und sich selbst digital fit zu machen.
Die Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“ bietet Workshops und Unterrichtsmaterialien, die im Umgang mit Fake News, Hatespeech und digitaler Manipulation unterstützen:
In kostenlosen Basis-Fortbildungen und Selbstlernkursen können Lehrkräfte digitale Grundkompetenzen aufbauen und Know-how rund um kreative Medienproduktion sowie interaktive Tools erwerben:
- Fortbildungsangebot durchstöbern
- Selbstlernkurs „Framing und Deepfakes – Meinungsbildung & -beeinflussung in Social Media“ starten
Das Programm 101 Schulen bietet Schülerworkshops und Informationsabende für Eltern zu Themen des Jugendmedienschutzes und der aktiven Medienarbeit an:
- Workshop „Suchen und Finden im Netz/Kindersuchmaschinen“ für die Grundschule buchen
- Workshop „Fake oder Fakt? Umgang mit Fake News“ für die Sekundarstufe buchen

