Deepfake-Videos als mediale Waffen im Ukraine-Krieg
Deepfakes im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg kursieren zurzeit überall im Netz. | GettyImages
Im Krieg können wir unseren Augen nicht mehr trauen
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigt in einer Videobotschaft die Kapitulation der Ukraine im Krieg gegen Russland an und ruft seine Soldaten dazu auf, sich zu ergeben: Der Krieg sei verloren. Doch das Video ist nicht echt. Es wurde manipuliert und die Situation ist so nie passiert. Das Video ist ein Deepfake, verbreitet von Unbekannten, weltweit millionenfach auf allen möglichen Seiten und sozialen Netzwerken geteilt. Von Russlands Präsident Putin kursierten ebenfalls gefälschte Videos, in denen er die Kapitulation seines Landes ankündigte.
Was steckt hinter den Deepfake-Videos? Was macht sie – vor allem im Informationskrieg um die Ukraine – so gefährlich und wie erkennt man, dass es sich um ein Deepfake handelt?
Was Deepfakes sind und wie sie funktionieren
Deepfakes sind Videos, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt werden und somit authentisch und echt wirken sollen, es jedoch nicht sind. Dabei wird ein Programm mit Merkmalen über das Aussehen und Verhalten, wie beispielsweise Mimik und Lippenbewegungen einer Person gefüttert. Anschließend kann dieses Programm die Person künstlich am Computer nachbauen und sie Sätze sagen und Dinge tun lassen, die in Wahrheit nie passiert sind. Der KI-Einsatz sorgt dafür, dass die Stimme echt klingt und gesprochene Sprache und Mimik zueinander passen. Durch immer leistungsfähigere künstliche Intelligenz verbessert sich die Qualität der Deepfakes kontinuierlich. Je mehr echte Daten der Person das Programm bekommt, desto realistischer und wirkt auch das Video. Vor allem bei berühmten Personen können Deepfakes äußerst authentisch wirken, da von ihnen sehr viele Daten in Form von Videos und Bilder im Internet vorhanden sind.
Weitere Hintergründe zur Technik und Geschichte des Deepfakes
Deepfakes erzielen im Russland-Ukraine-Konflikt für Verwirrung auf beiden Seiten und verbreiten sich rasend schnell. | GettyImages
Gefälschte Videos verzerren das Bild des Krieges
Von Beginn an begleiteten Fake News und Propaganda den russischen Krieg in der Ukraine. Die ukrainische Regierung hatte bereits vor einigen Wochen auf Facebook davor gewarnt, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Deepfake-Technologie bei seinen Versuchen einsetzen werde, um die Regierung der Ukraine zu stürzen. „Sein Ziel ist es, die Bürger zu verwirren, Panik zu verbreiten und unsere Truppen zum Rückzug zu bewegen“, schrieb die ukrainische Regierungsbehörde.
Das Deepfake-Video von Präsident Selenskyj erschien vor kurzem auf der Nachrichtenwebsite Ukraine 24, nachdem diese angeblich von Hackern angegriffen wurde. Danach verbreitete sich das gefälschte Material rasant im Internet. Zuvor war auch Russlands Präsident Wladimir Putin von einer derartigen Fälschung betroffen. In einem Clip wurde ihm fälschlicherweise die Botschaft in den Mund gelegt: „Wir haben Frieden mit der Ukraine erzielt. Mit der Ukraine und ihren weltweiten anerkannten Grenzen.“ ließ er darin wissen. Auch hierbei handelte es sich offenkundig um Fake News.
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"Deepfake-Videos sind eine Propagandawaffe der Zukunft"
Was macht Deepfakes so tückisch und umstritten? Sie sind eine „Propagandawaffe der Zukunft.“ (Quelle: ZDFheute) Die gefälschten Videos erzielen Verwirrung und können schnell sehr viele Menschen erreichen und überzeugen. Falschinformationen werden täuschend realistisch dargestellt und rasant im Internet verbreitet. Die realistisch wirkende Montage von Gesichtern in Videos kann eine Gefahr für Politikerinnen und Politiker, Prominente und Privatpersonen darstellen – aber auch für demokratische Prozesse. Auch der Ukraine-Krieg zeigt, wie gefährlich die gefälschten Videos für die sein können, die sie nicht als Fälschung erkennen. Aber was ist echt und was ein Fake? In der täglichen Flut von Informationen im Internet ist das oft schwierig zu unterscheiden.
Deepfake-Videos können dank moderner Technik schnell als solche entlarvt werden. | GettyImages
Wie man Deepfakes erkennt
Glücklicherweise schreitet nicht nur die Deepfake-Technik rapide fort, sondern auch die Deepfake-Erkennungstechnik, die dabei helfen kann, gefälschte Videos zu erkennen und die Verbreitung im Netz zu verhindern. Deswegen ist es möglich, ein Deepfake bereits sehr schnell nach seiner Verbreitung als ein solches zu identifizieren. Eine Möglichkeit, Videos selbst zu überprüfen, bietet die Website deepware.ai. Dort können Links zu Videos hochgeladen werden und man erhält daraufhin eine Einschätzung, ob es sich um Deepfakes handelt. Ein zweiter Blick auf das Video lohnt sich ebenfalls, um zu erkennen, ob das Video möglicherweise manipuliert ist: Häufig gibt es kleine Bildstörungen, Flimmern, seltsame Augen- und Mundbewegungen, schlechte Lippensynchronisierung, fehlendes Blinzeln oder Unstimmigkeiten im Hautton der Person.
Im Fall des vermeintlichen Selenskyj-Videos erkennt man sehr schnell, dass es sich um ein Deepfake handelt: Beim genauen Betrachten sieht man, dass teilweise Schattenwürfe fehlen und das Gesicht wie digital eingefügt wirkt. Außerdem sollte man sich als Nutzer bei der weitreichenden Aussage, wie einer ukrainischen Kapitulation sofort fragen: Wie wahrscheinlich ist es, dass sie auf diese Weise verbreitet wird? Gibt es offizielle Stellen, die diese Aussage bestätigen und internationale Medien, die ebenfalls darüber berichten? Mit ein wenig Recherche ist es oft nicht allzu schwer, die Echtheit dieser Aussagen zu überprüfen.
Unterrichtsmaterial zu Fake News und Deepfakes



