DAK-Studie: Mediensucht bei Minderjährigen in Pandemie stark angestiegen
Trockene und juckende Augen, Schmerzen im Unterarm, Rückenprobleme, Müdigkeit und schlechte Essgewohnheiten. Exzessive Mediennutzung kann krank machen. | Chalabala/iStock-Plus via GettyImages
In der Pandemie hat sich die Mediensucht verdoppelt
Laut einer Studie der Krankenkasse DAK hat sich die Mediensucht in der Pandemie verdoppelt. Inzwischen sind mehr als sechs Prozent der Minderjährigen abhängig von Computerspielen und Sozialen Medien. Damit zeigen mehr als 600.000 Kinder und Jugendliche ein krankhaftes Nutzungsverhalten. Diese Dynamik muss ausgebremst werden, meint der DAK-Chef Andreas Storm. Er fordert mehr Medienerziehung und Unterstützung in den Schulen und in den Familien.
Zum fünften Mal hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa-Institut (im Auftrag der DAK) bei 1.200 Familien und ihren Kindern nachgefragt. Die Forschenden wollten herausfinden, wie sich die Nutzungszeiten und das Nutzungsverhalten bei Gaming, Social Media und Streaming vor und während der Pandemie verändert haben. Bei der letzten Erhebung im Juni 2022, stellten sie fest: Die Anzahl der Mediensüchtigen hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.
Ungebremste Dynamik
Laut der Studie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) ist das Mediennutzungsverhalten bei vielen Kindern und Jugendlichen trotz Überwindung der Pandemie besorgniserregend. 6,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen weisen eine Computerspielsucht (sog. „Gaming Disorder“ nach den ICD-11-Kriterien der WHO) auf. Hochgerechnet entspricht dies 330.000 Jungen und Mädchen mit einer pathologischen Gaming-Nutzung (Stand 2022). 11,8 Prozent zeigten ein riskantes Computerspielverhalten (sog. „Hazardous Gaming“ nach WHO).
Erhöhtes Suchtpotential bei Social Media
Alarmierend sind auch die Zahlen bei Social Media. Zwischen 2019 und 2022 stieg die Anzahl der abhängigen Nutzer/-innen von 3,2 auf 6,7 Prozent. Damit zeigen 350.000 Kinder und Jugendliche (im Alter von 10 bis 17 Jahren) auch pathologische Störungsbilder bei der Nutzung der sozialen Medien. Allerdings sei hier angemerkt, dass die Social-Media-Sucht noch nicht als offizielle Krankheit im ICD-Kriterienkatalog der WHO gelistet ist.
Erstmalig nahmen die Studienmacher auch Streaming-Dienste unter die Lupe und stellten fest, dass es hier weniger Grund zur Sorge gibt. Nur 2,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen ließen ein pathologisches Nutzerverhalten erkennen. Im Gegensatz zu Gaming und Social Media zeigte sich beim Streaming sogar ein Rückgang: Im Jahr 2021 streamten die Befragten an einem durchschnittlichen Werktag 170 Minuten (Videos und Serien), 2022 waren es nur noch 107 Minuten. Damit scheint von Filmen und Serien keine so große Suchtgefährdung in der Altersgruppe der 10- bis 17-Jährigen auszugehen.
Media-Multitasking: Zeitgleich Videos schauen und WhatsApp schreiben
Weit verbreitet ist das Media-Multitasking: Bis zu 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen nutzen mehrere digitale Medien parallel. Darunter Apps wie beispielsweise WhatsApp oder Instagram. Das betrifft insbesondere diejenigen, die schon als pathologische Nutzer/-innen gelten (vgl. Report Oktober 2022, S. 57).
Ist mein Kind mediensüchtig? Was tun?
Diese Frage wird von besorgten Eltern häufig gestellt, insbesondere dann, wenn zuhause stundenlang gezockt oder ins Handy geschaut wird. Grundsätzlich gilt: Lange Nutzungszeiten reichen für eine Diagnose nicht aus. Wer viel am Computer oder mit Social Media verbringt, muss noch nicht zwingend abhängig sein. Es müssen mehrere Kriterien erfüllt sein, um auf eine Gefährdung oder eine krankhafte Sucht schließen zu können. In LMZ-Beitrag Woran erkennt man eine Computerspielsucht? finden Sie weitere Informationen zu Sucht und nützliche Links zu Selbsttests, Beratungsstellen und Kliniken. Außerdem bietet die DAK-Gesundheit mit dem DZSKJ eine Online-Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige an: www.mediensuchthilfe.info
DAK-Pressemitteilung und Reports
Interview mit Andreas Storm (ARD, tagesschau)

