Stefan Aufenanger: Dimensionen der Medienkompetenz

Kognitive Dimension

Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz, beschreibt in Ergänzung zu Dieter Baacke mögliche Dimensionen von Medienkompetenz:

 

„Sie [die kognitive Dimension] bezieht sich u.a. auf Wissen, Verstehen und Analysieren im Zusammenhang mit Medien. Diese Dimension soll deutlich machen, dass Medienkompetenz als Grundlage Kenntnisse über Medien und Mediensysteme umfasst, dass man die in Medien verwendeten Symbole und Codierungen verstehen und entschlüsseln sollte und dass man auch analytisch Medien und ihre Inhalte betrachtet.

Moralische Dimension

Medien müssen auch unter ethischen Aspekten betrachtet und beurteilt werden. Dies setzt zwar die kognitive Dimension voraus, ergänzt diese aber um eine auf Menschenrechte oder allgemein geteilte Konventionen beruhende Perspektive. Sie sollte sich nicht nur auf Medieninhalte beziehen, sondern u.a. auch auf die Aspekte der Produktion von Medien (z.B. Umweltverträglichkeit), ihrer sozialen Verträglichkeit sowie auf die vermeintlichen Auswirkungen auf Kommunikation, Interaktion und Persönlichkeit.

Soziale Dimension

Die Umsetzung der kognitiven und moralischen Dimension erfolgt im Raum des sozialen und politischen Handelns. Menschen sollten befähigt werden, ihre Rechte um Medien politisch zu vertreten und soziale Auswirkungen von Medien angemessen thematisieren zu können.

Affektive Dimension

Neben all den genannten Dimensionen, die meist eine kritische Perspektive eröffnen, sollte aber nicht vergessen werden, dass Medien auch die Funktion des Unterhaltens und Genießens vermitteln sollen. Damit angemessen umgehen zu können, dürfte ein wichtiger Aspekt der Mediennutzung sein.

Ästhetische Dimension

Diese Dimension ergänzt die anderen in jener Hinsicht, dass sie Medien als Vermittler von Ausdrucks- und Informationsmöglichkeiten sieht und dabei den kommunikationsästhetischen Aspekt betont. Medieninhalte wollen gestaltet werden und dazu benötigt man spezifische Fähigkeiten.

Handlungsdimension

Mit Medien gestalten, sich ausdrücken, informieren oder auch nur experimentieren bestimmt die Handlungsdimension. Sie soll die Fähigkeiten bezeichnen, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern selbst aktiv zu gestalten als auch sie überhaupt handhaben zu können.

Die aufgeführten Dimensionen sollen dazu dienen, systematisch den Begriff der Medienkompetenz bestimmen zu können. Dabei sollte aber bedacht werden, dass Medienkompetenz als ein medienpädagogischer Begriff auch unter einer pädagogischen Perspektive betrachtet werden muss. Eine Orientierung dafür, was dies heißen mag, könnte der Bildungsbegriff liefern, der im Sinne von Klafki als die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, zur Mitbestimmung und zur Solidarität definiert wird. Medienkompetenz muss also zu einem selbstbestimmten Umgang mit Medien als auch zu medienpolitischen Aktivitäten im Sinne von Partizipation befähigen, ohne dass dabei die Perspektive der anderen (Solidarität), die noch nicht so weit sind, vergessen wird.“ [1]

Quellen

[1] Medienpädagogik und Medienkompetenz. Eine Bestandsaufnahme. In: Enquete-Kommission „Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft“. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Medienkompetenz im Informationszeitalter. Bonn 1997, S. 19-21. [zurück]

Links

Stefan Aufenanger

Auf seiner Website informiert Dr. Stefan Aufenanger über aktuelle Entwicklungen in der Medienpädagogik sowie über Arbeitsgebiete und -schwerpunkte.

 

Freizeitverhalten in den sozialen Netzwerken.

Vortrag auf der Tagung „Medienkompetenz vermitteln - aber wie? Über den selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang mit Medien“ am 5. März 2013.

 

„‚Gefällt mir!‘ – Besser Lernen mit digitalen Medien“

Vortrag bei der Veranstaltung „Lernen in der digitalen Gesellschaft“ des Internet und Gesellschaft Co:llaboratory am 30. Januar 2013.

 

Potenziale von interaktiven Whiteboards

Vortrag über die Potenziale von interaktiven Whiteboards aus einer didaktischen Perspektive und wie Lehrpersonen in Hochschule und Lehrerbildung darauf vorbereitet werden können (17. November 2011).

Literatur

Aufenanger, Stefan: Erfolge und Probleme. Blick über den Tellerrand: „Media-Literacy“-Förderung in Europa. Bonn 2008.

Aufenanger, Stefan: Medienpädagogik. Wiesbaden 2004.

Aufenanger, Stefan: Situation und Perspektiven der Medienpädagogik. Theoriedefizite und verbandspolitische Neuorientierung. Frankfurt/M. 2003.

Aufenanger, Stefan: Wie neu wird das neue Lernen mit Medien in der Schule? Bad Berka 2002.

Aufenanger, Stefan: Medien-Visionen und die Zukunft der Medienpädagogik. Plädoyer für Medienbildung in der Wissensgesellschaft. Frankfurt/M. 2000.

Aufenanger, Stefan: Medienpädagogische Projekte – Zielstellungen und Aufgaben. Bonn 1999.

Aufenanger, Stefan: Was versteht man unter Kompetenz (soziologisch-medienpädagogischer Aspekt)? Minden 1998.

Aufenanger, Stefan: Lernen mit den neuen Medien. Perspektiven für Erziehung und Unterricht. Hamburg 1998.

Aufenanger, Stefan: Medienpädagogik und Medienkompetenz. Eine Bestandsaufnahme. Bonn 1997.

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