Der Zwang zur perfekten Selbstdarstellung

Im Forum „Ich bin schön!“ gab Saskia Nakari praktische Tipps für Lehrkräfte und Sozialpädagogen, wie sie das Selbstbewusstsein ihrer Schülerinnen und Schüler „in Zeiten der Selbstoptimierung und des Zwangs zur perfekten Selbstdarstellung“ stärken können. Ausgehend von einer Studie der MaLisa-Stiftung beschrieb die am SMZ Stuttgart tätige Medienpädagogin Muster der Selbstinszenierung bei Jugendlichen und Möglichkeiten, darauf besser einzugehen.

Wie werden Mädchen zu Cover-Girls? Neben aufwendigem Makeup und Photoshop-Tricks kommen massig Mittel der Bildmanipulation wie beispielsweise Veränderungen der Kontextualisierung, der Positionierung und des Bildausschnitts zum Einsatz. Das kann, in Maßen eingesetzt, manchmal die Schönheit unterstreichen. Doch man fragt sich: Assoziieren wir nur das mit Schönheit, was uns die Influencer von Instagram und Co an puren Äußerlichkeiten vormachen und was amerikanische Software mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz daraus generieren? Und sind wir bereit, den in verschiedenen Kulturen oft unterschiedlichen Begriffen von Ästhetik und Schönheit mehr Raum zu geben? Die kulturelle Vielfalt an Schönheitsidealen ist bunt und „schön“, wie die im Forum präsentierten Beispiele zeigten.

 

Saskia Nakari beim Safer Internet Day 2019

Saskia Nakari beim Safer Internet Day 2019 | Christian Reinhold

Stärken hervorheben

Ist nur „schön“, wer auch „leidet“, oder vielleicht sogar eher, wer sich einfach nur „schön fühlt“? „Wer schön ist, muss lachen“, haben Schülerinnen und Schüler herausgefunden. Dies und mehr diskutieren sie in Workshops bei Frau Nakari, die vor bedenklichen Trends wie „ab crack, thinspiration, bikini bridge, thigh gap, collarbone challenge“ und „bellybutton“ warnt.
Wer das eigene Selbstwertgefühl an Likes, Posts, Kalorienzähler-Apps, Schritt-Aufzeichner und Körperfett-Messer misst, werde zumeist an sich zweifeln. Stattdessen solle man sich aus Filterblasen befreien und lernen, die eigenen Stärken hervorzuheben: „Andere sehen oft viel mehr in Dir als Du mit Deiner Selbstkritik“ müsste man Jugendlichen viel häufiger sagen, so Nakari. „Das eigene Körperempfinden stärken“, „sich selbst treu sein“ und „den eigenen Charakter annehmen“, lernen junge Menschen auch sehr gut in kreativen Foto- und Videoprojekten. Projektberichte finden sich zum Beispiel auf der Website Free being me. Von Planet Schule (SWR) gebe es einen interessanten Film mit dem Titel „Knietzsche und die Schönheit“.

Um die genannten Themen mit Jugendlichen zu behandeln, können Pädagoginnen und Pädagogen aus Internetquellen (Liste von Saskia Nakari) schöpfen, die Sie im Anhang dieses Berichts zum Download finden. Die Referentin erwähnt hierbei Kampagnen gegen Sexismus in der Werbung.

Frau Nakari weist auf die Rolle des Selbsttrackings hin: Es geht darum, sich bewusst zu werden, welche Spuren wir von uns selbst im Datennetz hinterlassen. Die Präsentation zu Nakaris Vortrag zum Thema „Big Data“ im Rahmen eines Medienkompetenztages am SMZ Stuttgart steht hier zur Verfügung.

 

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Corinna Kirstein

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