Digitale Plattformen für eine neue Lernkultur

Zusammen lernen, anhand einer individuellen Basis. Klingt nach einem Plan, aber wie lässt sich das umsetzen? Im Praxisforum „Individuelles und Kooperatives Lernen“ stellten die Referentinnen und Referenten Möglichkeiten zur Organisation von Projekten und Unterrichtsmaterialen mit Hilfe von Plattformen vor, die eine neue Lernkultur einbringen.

Schrittweise Planung des Medieneinsatzes

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow und Dr. Heinz Hinz verglichen den Prozess der Durchführung von Medienprojekten mit dem Durchlaufen von Räumen. Schrittweise könne ein Lernkulturwandel vom analogen zum digital unterstützen Lernen stattfinden.

Im ersten Raum werden zu Beginn die möglichen Zukunftsbilder und -pläne festgelegt. Wie soll Schule in der Digitalisierung sein? Wohin will man gehen? Dabei sollten am besten verschiedene Möglichkeiten und unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. Daraufhin werden im zweiten Raum verfügbare Potenziale analysiert. Was bringen die Lehrkräfte mit, welche Potenziale können auf Seiten der Schüler/-innen genutzt und/oder ausgebaut werden. Dabei können Partner helfen, die eigene Potenziale ergänzen: In Raum 3 geht es darum, Synergien zu bilden, um die Pläne letztendlich durchführen zu können.

Wenn es schließlich in Raum 4 zur Festlegung von Projekten geht, sollten kleine Schritte gemacht werden. Sprich kleinere, aber umsetzbare Maßnahmen geplant werden. Diese Projekte sollten in Raum 5 langsam aber sicher umgesetzt und im Idealfall mit dem positiven Gefühl eines Kompetenzerlebens beendet werden. Anschließend wird reflektiert, was an dem Projekt gelungen ist (Raum 6). Dabei wird das Prinzip der Wertschätzung eingehalten: Drei positive Rückmeldungen sollten auf eine Negative gegeben werden, um die Motivation zu erhalten. Im letzten Raum sollte man sich länger –besser: immer wieder– aufhalten. Es heißt an der medialen Umsetzung dranzubleiben und sich bestenfalls in Arbeitsgruppen auszutauschen.

Letztendlich ist es ein langer Weg, den Burow und Hinz gerne unterstützt sehen würden: Professionelle Berater an Schulen, die technischen und pädagogischen Support geben, verbessern den Prozess. Dabei werden Lehrkräfte durch individuelle Beratung sicherer.

Olaf-Axel Burow

Olaf-Axel Burow beim Bildungskongress 2017 | Martin Storz

Heinz Hinz

Heinz Hinz beim Bildungskongress 2017 | Martin Storz

Organisation von Anlagen und Unterrichtsmaterialien mit OneNote (Schule365)

Mit der Einführung von mediengestütztem Unterricht kennt sich das Eduard-Spranger-Gymnasium (ESG) in Filderstadt bereits aus. Dennoch wurden neue Whiteboards oder Beamer eher ungern genutzt. Jan Weiss, Lehrkraft und Medienbeauftragter am ESG, stellte daraufhin fest, dass nicht jede Lehrkraft sich mit allen Betriebssystemen, Geräten und Programmen auskennt und dieses Wissen an die Schüler/-innen weitergeben kann.

So hat das Eduard-Spranger-Gymnasium einheitliche Geräte und Programme eingeführt – ein erster Schritt in Richtung Medienaffinität. Ein weiterer Schritt war das Sichern des analogen Postfachs in ein Digitales.

Jan Weiss

Jan Weiss beim Bildungskongress 2017 | Martin Storz

Virtuelle Korrektur

Über OneNote als Teil des Office-Paktes lassen sich Formulare und Infos in digitale Notizbücher eintragen. Durch die Suchfunktionen und die Möglichkeit zur Bearbeitung eines Dokuments von mehreren Geräten wird die Arbeit erleichtert. Ebenso können Lehrer mit Hilfe einer Library Unterrichtsmaterialien online bereitstellen. Jede/-r Schüler/-in hat einen Account, dessen/deren Inhalte jeweils nur die Lehrkraft sehen kann. Aufschriebe und Aufgaben können so virtuell von der Lehrkraft kontrolliert und in das virtuelle Heft geschrieben werden.

Kritisch gesehen wurde hier vom Publikum vor allem der Datenschutz. In Baden-Württemberg ist der Umgang mit Office365 offiziell derzeit nicht erlaubt, nicht alle datenschutzrechtlichen Aspekte sind auf der offiziellen Seite geklärt. Das Eduard-Spranger-Gymnasium sammelt daher Einverständniserklärungen der Eltern ein und schützt das System Schule365 mit besonderen Filtern, um Datensicherheit zu gewähren.

Individuelle Förderung durch das E-Portfolio

Eine Austauschplattform in der Entwicklung ist das e-Portfolio. Es bietet einen geschützten Raum, wo Schüler/-innen miteinander lernen können. Neben einer Kommunikationsmöglichkeit durch Nachrichten können Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Ein Vorteil: Das e-Portfolio wird auf mobilen Geräten genutzt und von den Schüler/-innen/-n ortsunabhängig zu verwenden sein.

Zusätzlich wird es Möglichkeiten zum Einschätzen der Kompetenzen der Schüler/-innen geben. Das hinterlegte Raster zur Medienkompetenz kann übersichtlich pro Schüler/-in abgehakt werden. In Zukunft soll im Portfolio auch die Selbstreflexion der Schüler/-innen gefördert werden: Sie sollen selber einschätzen wie weit sie eine Kompetenz schon erworben haben.

Kathrin Tillenburg

Kathrin Tillenburg beim Bildungskongress 2017 | Martin Storz

Christoph Koop

Christoph Koop beim Bildungskongress 2017 | Martin Storz

Schrittweise zur individuellen Lösung

Wie die Referenten Burow und Hinz verdeutlichen, muss ein medienunterstütztes Lernen schrittweise mit Reflexion stattfinden, um den Lernkulturwandel bestmöglich an die jeweilige Schule angepasst werden. Das Eduard-Spranger-Gymnasium ist schrittweise vorgegangen und hat so eine für sich passende Plattform zum unterstützen Lernen gefunden.

Ina Mangold

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