Medienbildung an der Schule

Beim Bildungskongress Medienbildung in der Schule am 13. Oktober im Stuttgarter Haus der Wirtschaft informierten Kultusminister Andreas Stoch und Experten aus Wissenschaft und Politik über die „Leitperspektive Medienbildung“ in den kommenden Bildungsplänen für Baden-Württemberg.

Paul Bartsch

Paul Bartsch beim Bildungskongress 2015 | Christian Reinhold

Vorträge

Beim Bildungskongress Medienbildung in der Schule am 13. Oktober im Stuttgarter Haus der Wirtschaft informierten Kultusminister Andreas Stoch und Experten aus Wissenschaft und Politik über die „Leitperspektive Medienbildung“ in den kommenden Bildungsplänen für Baden-Württemberg.

Landrat Jürgen Bäuerle aus Rastatt, Vorsitzender des Verwaltungsrats des LMZ, begrüßte, dass die Medienbildung nun auch in den Grundschulen verankert ist. Er betonte die große Herausforderung, die die rasche Fortentwicklung in der IT-Technik gerade auch für die kommunale Seite mit sich bringe. Das ziehe „mächtige Investitionen“ nach sich, aber das sei „die richtige Richtung“.

Paul Bartsch, der Fachgruppenleiter Medienbildung am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) und Professor für Kindheit und Medien an der Hochschule Merseburg, gab einen Rückblick, Einblick und Ausblick auf die Situation der Medienbildung an deutschen Schulen. Er spannte einen Bogen über die Anfänge der Medienpädagogik bei Dieter Baacke und Gerhard Tulodziecki hin zum Ansatz der fächerintegrativen Medienbildung.

Dr. Michael Kirch, Akademischer Rat am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Didaktik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ging in seinem Vortrag auf neue Bildungstechnologien und deren Auswirkungen auf die Schule ein. Er ist in der Lehrerausbildung tätig und testet mit sogenannten Uniklassen verschiedene Möglichkeiten, Tablets in der Grundschule einzusetzen. 

Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg stellte die schulische Medienbildung aus Sicht der Kommunen dar. Er betonte, dass der Weg hin zum digitalen Unterricht in allen Fächern, den der Bildungsplan fordere, an den knapp 5 000 Schulen mit insgesamt etwa 8 000 Gebäuden im Land nur schrittweise umgesetzt werden könne. Dabei sei auch auf mobile Lösungen wie Tablets zu setzen, wie es derzeit unter anderem in einem Projekt an beruflichen Schulen erprobt werde.

Praxisforen

Praxisforum 1

Im Praxisforum Medienbildung in der Grundschule beim Bildungskongress 2015 stellten Monika Lüthje-Lenhart und Nadine Giebenhain (beide LMZ) das Referenzschulmodell des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) vor. Die Referenzschulen sind modellhaft ausgestattete Grundschulen, die die im Pilotprojekt Grundschule gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen den anderen Grundschulen im jeweiligen Landkreis zugänglich machen. Einblicke in die Beratungstätigkeit der Stadt- und Kreismedienzentren gaben Ulrike Schweizer und Michael Funk aus Freudenstadt. Die Leiterin und der Medienpädagogische Berater (MPB) mit Schwerpunkt Grundschule stehen Grundschulen im Landkreis mit Rat und Tat zur Seite. Mit der Außenstelle Weitingen und der Grundschule Eutingen im Gäu war der Landkreis von Anfang an beim Pilotprojekt Grundschule des LMZ dabei.

Praxisforum 2

Im Praxisforum Plattformgestütztes und mobiles Lernen beim Bildungskongress Medienbildung in der Schule drehte sich alles um die schulische Arbeit mit Tablets. Neben der Frage nach der benötigten technischen Ausstattung standen vor allem konkrete Anwendungsbeispiele sowie die Vorstellung einer neuen digitalen Lernumgebung des LMZ im Mittelpunkt. Thomas Herbst (LMZ)  ging in seinem Vortrag vor allem auf die Chancen des Tableteinsatzes in der Schule ein. So ersetzen die mobilen Endgeräte eine Vielzahl an Mediengeräten wie Kamera, Scanner, Mikrofon und beinhalten eine ganze Fülle an Apps zur kreativen Nutzung dieser Funktionen. Die Geräte ermöglichen zudem eine hohe Mobilität, lassen sich intuitiv bedienen und bieten alles in allem viel „Material“ für wenig Gewicht. Roland Walter (LMZ) machte deutlich, dass ein vorschneller Kauf einer großen Menge an Tablets nicht zielführend sei und zunächst einige Vorüberlegungen zu treffen sind. Bei der Auswahl des Tablet-Modells sollten Schulen zukunftsorientiert denken und berücksichtigen, dass die Geräte in zwei Jahren möglicherweise nicht mehr im Handel erhältlich sind. Eva Burkard und Matthias Rummel (beide LMZ) stellten abschließend eine digitale Lernumgebung für mobile Endgeräte und PCs vor, die den Namen Lernraum trägt. Der Lernraum ermöglicht es Lernbegleitern, Lerneinheiten digital vorzubereiten, online zu arbeiten und zu kommunizieren. Dies alles geschieht in einer datenschutz-, urheberrechts- und lizenzrechtlich abgesicherten Umgebung, die intuitiv nutzbar ist und über die gängigen und etablierten Touch-, Wisch- und Drag & Drop-Funktionen verfügt.

Praxisforum 3

Mit den neuen Bildungsplänen wird die Leitperspektive Medienbildung als verbindlicher Bestandteil des Curriculums eingeführt. Dieses Forum widmete sich speziell der Bedeutung und den Umsetzungsmöglichkeiten von Medienbildung im Unterricht und zeigte konkret auf, wie Lehrkräfte diese etwa im Fach Deutsch verankern können. Die Bedeutung der Leitperspektive Medienbildung im Bildungsplan 2016 erläuterte Studiendirektor Dr. Stefan Metzger vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) beispielhaft für das Fach Deutsch. Dabei betonte er, dass das Medienverständnis jeweils stark vom Fach abhänge. So sei beispielsweise der Medienbegriff für das Fach Deutsch viel weiter gefasst als in anderen Fächern, da er neben Medienkenntnis, -nutzung, -gestaltung, -analyse und -verständnis auch den Umgang mit Texten, Bildern, Hörtexten oder Filmen, den Sprachgebrauch und die Sprachreflexion beinhalte. Wie sich dagegen Medienbildung ganz praktisch im Unterricht umsetzen lässt, zeigte Dr. Magdalena Steiner vom Landesmedienzentrum anhand des Basiskurses Medienbildung für die Klassenstufe 5. Die Grundidee besteht darin, für alle Schülerinnen und Schüler einheitliche Voraussetzungen für eine spätere Medienbildung zu schaffen. Zur Umsetzung der Leitperspektive Medienbildung im Unterricht stellt SESAM (Server für schulische Arbeit mit Medien) Lehrkräften lizenz- und urheberrechtlich abgeklärte Materialien digital zur Verfügung. Tanja Rix, ebenfalls vom Landesmedienzentrum, erläuterte, dass sich die Materialien direkt anschauen und herunterladen lassen und in der Regel von einer jeweils fachorientierten Medienbegutachtungskommission auf ihre Einsetzbarkeit im Unterricht begutachtet wurden.

Praxisforum 4

Das Forum Lernen über Medien beim Bildungskongress Medienbildung in der Schule widmete sich ausgewählten Themen des pädagogischen Jugendmedienschutzes sowie der Filmbildung und zeigte mögliche Anknüpfungspunkte an die neuen Bildungspläne (Anhörungsfassungen) auf. Im Forum wurden außerdem konkrete Beispiele zur Umsetzung im Unterricht präsentiert. Ingrid Bounin (LMZ) ging in ihrer Einführung nochmals auf die Notwendigkeit der Medienbildung gerade auch in der Schule ein. „Die digitale Revolution, die wir derzeit erleben, wird die Art und Weise, wie wir produzieren, wie wir konsumieren, wie wir arbeiten und wie wir leben grundlegend verändern“, das hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Regierungserklärung am 15. Oktober 2014 gesagt. Das LMZ geht von einer fortschreitenden Digitalisierung aller Lebensbereiche aus und davon, dass Medienbildung für Kinder wie Erwachsene zu einer lebenslangen Aufgabe geworden ist. In der Schule bestehe die Möglichkeit, allen Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, grundlegende Kompetenzen zu erwerben. Dabei gelte es an der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen anzuknüpfen. Franziska Hahn, medienpädagogische Beraterin am Medienzentrum Buchen, stellte Unterrichtsideen zum Thema Datenschutz vor. Auch diese Beispiele können direkt an den neuen Bildungsplan anknüpfen. Der Film Rico, Oskar und die Tieferschatten kann als Ausgangspunkt für eine Unterrichtseinheit zur Filmanalyse im Fach Deutsch genutzt werden. Marco Herbst, Lehrer und zuständig für die Filmbildung am LMZ, präsentierte eine mögliche Herangehensweise und Materialien dazu. 

Praxisforum 5

Die Bildungspläne 2016 bergen einige Herausforderungen für die Lehrkräfte an den Schulen: Aspekte der Leitperspektiven ergänzen die Fachinhalte, Medienbildung soll verstärkt in allen Fächern zum Tragen kommen, digitales Lernen soll insgesamt mehr in den Schulalltag einfließen und nicht zuletzt soll an den Sekundarschulen den heterogenen Lerngruppen mit neuen Unterrichtsszenarios begegnet werden, welche individualisierte Lernsettings ermöglichen. Das Forum Lernen mit Medien richtete sich an alle Lehrkräfte, die sich die fächerintegrative Umsetzung von Medienbildung erleichtern wollen und Materialien suchen, die sie direkt im Unterricht einsetzen können. Im Praxisforum konnte zudem gezeigt werden, dass eine Vielzahl von SESAM-Medien schon jetzt Bezüge zu den anderen Leitperspektiven aufweisen. Anhand einiger Beispiele aus SESAM wurden unterschiedliche Unterrichtsszenarien dargestellt und Möglichkeiten zur Differenzierung eröffnet.

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